Putzen gegen den Klimawandel

Heute: Bambuszahnbürsten

Hypegeist

Wie haben sich die Neunziger zurück in unsere Kleiderschränke gemogelt? Und warum tragen gerade alle ihr Handy am Halsband? In dieser Reihe gehen wir der Frage nach, wie es manche Trends geschafft haben, sich durchzusetzen – und was sie über unsere Gesellschaft aussagen.

Was ist es?

Eine Zahnbürste, die aussieht wie aus Holz und damit die Lücke im Millennial-Lebenslauf füllt zwischen Holzspielzeug und Holzhaus.

Die Bambuszahnbürste besteht unten aus einem Griff und oben aus ein paar Borsten. Von ihren nicht-bambusernen Verwandten im Drogeriemarkt-Regal unterscheidet sie sich dadurch, dass sie aus nachwachsenden Rohstoffen und nicht aus bösem Plastik gefertigt ist.

Wer putzt damit?

Umweltbewusste Menschen von Cottbus bis Chemnitz.

Die Frage ist eher: Wer putzt NICHT damit? Jürgen von der Lippe wahrscheinlich, möglicherweise auch Christian Lindner. Ach ja, und mein Zahnarzt. Bei ihm steht noch Plastik im Badezimmer.

Grundsätzlich seien die Öko-Zahnbürsten medizinisch aber nicht schlechter, erklärt er:

„Die Reinigungskraft von Bambuszahnbürsten unterscheidet sich nicht von herkömmlichen Handzahnbürsten.“
Sebastian Bärenz, Zahnarzt

Vorsicht sollten allerdings Menschen mit empfindlichem Zahnfleisch oder freiliegenden Zahnhälsen walten lassen, weil die Borsten häufig recht hart seien.

Warum gerade jetzt?

Die Polarkappen schmelzen, die Ozeane vermüllen. Jetzt, wo man keine Tierdoku mehr schauen kann, ohne sich direkt für abgehungerte Eisbären und in Plastik gefangene Schildkröten verantwortlich zu fühlen, wünschen sich viele Menschen ein sauberes Gewissen.

Das ist als Mensch in einer westlichen Industrienation allerdings unerreichbar – also entscheiden wir uns für die nächstbeste Option, den sauberen Mundraum. Karius und Baktus sind schließlich um einiges leichter zu bekämpfen als die Erderwärmung.

Was muss man beim Schrubben beachten?

Wichtig: Es reicht nicht, die Zahnbürste nur selbst zu benutzen.

Dem One-Night-Stand eine Zahnbürste aus Einweg-Plastik geben? Da ist die Eroberung schneller weg als bei einem Bücherregal voller Michael Nast-Werke. Also immer zwei drei Bambuszahnbürsten auf Vorrat im Schrank haben – und notfalls wegwerfen, wenn es bei der einen Nacht bleibt. Oder halt selbst weiterbenutzen, ihr habt schließlich schon genug Keime ausgetauscht, ihr kleinen Ferkel.

Bleibt der Trend oder geht er?

Auch wenn Greta Thunberg langsam Ermüdungserscheinungen zeigt: Die Sehnsucht nach einem nachhaltigen Alltag beziehungsweise die Angst vor der Klima-Apokalypse wird uns auch in Zukunft weiter begleiten.

Umweltbewusstsein ist auch in der Praxis von Zahnarzt Sebastian häufiger Thema: "Einige Patientinnen und Patienten fragen auch, ob wir in der Praxis nicht Müll vermeiden können, bei Bechern oder Verpackungen." Das sei aber aus hygienischen Gründen schwierig. 

Bleibt also die Bambuszahnbürste als borstiger Vorreiter. 

Allerdings mahnt der Experte: Für die Zahngesundheit sei die beste Option noch immer die – jetzt müsst ihr ganz stark sein – elektrische Zahnbürste. Also nicht nur Plastikmüll, sondern sogar Elektroschrott. Ups.


Uni und Arbeit

Zwischen Vorlesungen und Bambusrädern: Ist ein Start-up im Studium eine gute Idee?
Was dafür spricht – und welche Hindernisse es gibt.

Alles begann mit einem Foto von einem Fahrrad, das ein Kumpel aus Ghana schickte. Der Rahmen des Rads bestand komplett aus Bambus. Genial, dachten sich Maximilian und Jonas. Die beiden studierten damals BWL und spielten mit dem Gedanken, ein Start-up zu gründen. Nur sollte es auch ökologisch und sozial sein.

Im April 2013 sind sie zum ersten Mal nach Ghana geflogen, um ins Bambusgeschäft einzusteigen. "Wir hatten keine Erfahrung", sagt Maximilian, "aber das war eine Chance, weil wir alles freier angegangen sind." So ist MyBoo entstanden, noch im Studium. Heute arbeiten für das Unternehmen in Kiel 40 Leute, weitere 40 sind in Ghana bei einem sozialen Projektpartner angestellt. 

Wie gründet man während der Uni ein Start-up? Und: Ist das überhaupt eine gute Idee?