Wenn ein CDU-Politiker Argumente nutzt, die man aus Facebook-Kommentarspalten kennt.

Talkshows zum Klimaschutz sind oft vorhersehbar (ARD). Diesen Sonntag war das anders. Bei "Anne Will" wurde über eine ganz konkrete, umstrittene Maßnahme für mehr Klimaschutz diskutiert: Die CO2-Steuer, wie sie auch von "Fridays for Future" gefordert wird. "Wer zahlt für den Klimaschutz?", lautete die Frage des Abends.

Darauf gäbe es viele Antworten: Wir alle? Die Industrie? Eine ganz besonders kuriose Antwort fiel dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) ein. Für ihn ist klar: Deutschland zahlt schon genug – jetzt sind mal andere dran:

„Der nächste Schritt ist, aus meiner Sicht, nachdem wir in Deutschland auch Vorleistung gebracht haben und zeigen, wie ernst wir es meinen, dass wir uns um die Schwellenländer kümmern.“

Wen er denn da meine, fragt Anne Will. Kretschmers Antwort: "China, Indien, Afrika."

Zunächst einmal das Offensichtliche, was auch Michael Kretschmer bekannt sein dürfte: Afrika ist kein Land. Was der sächsische Ministerpräsident vielleicht meinte, ist Südafrika – das einzige Schwellenland des Kontinents mit nennenswertem CO2-Ausstoß.

Vor allem aber ist erschreckend, dass ein führender CDU-Politiker mittlerweile Argumente nutzt, die man eher aus Kommentarspalten bei Facebook kennt.

Sobald es um die CO2-Steuer oder andere Maßnahmen für den Klimaschutz geht, schreien dort die Diesel-Verteidiger: Schaut doch mal nach Indien und China, da wird die Luft viel mehr verpestet als hier! 

Was die totalen Emissionen angeht, stimmt das natürlich. China war 2017 das Land mit dem größten CO2-Ausstoß, Indien lag auf Platz 3. Deutschland folgte erst auf dem sechsten Rang. (Global Carbon Atlas

Aber der Pro-Kopf-Ausstoß ist hierzulande deutlich höher. Im Jahr 2016 betrug er in Deutschland 8,88 Tonnen, in China 6,57 Tonnen und in Indien nur 1,57 Tonnen. Und selbst der kumulierte Ausstoß Deutschlands, also die gesamten CO2-Emissionen seit der industriellen Revolution, sind höher als in Indien. Dort leben immerhin mehr als 1,3 Milliarden Menschen.

Am verwunderlichsten ist aber, dass Kretschmer ausgerechnet Indien und China anspricht – und nicht etwa die USA, den größten CO2-Emittenten aller Zeiten. Seit Beginn der industriellen Revolution wurden dort 397 Gigatonnen (397 Milliarden Tonnen) CO2 ausgestoßen.

Klar ist: Nachdem jahrzehntelang der Klimaschutz vernachlässigt wurde, sind Industrienationen in der Pflicht, zu handeln.

Deutschland hat sich Klimaschutzziele gesetzt: Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 um 55 Prozent sinken. Da kann man sich nicht auf dem lächerlich späten Kohleausstieg im Jahr 2038 ausruhen und sagen: Das reicht, eine CO2-Steuer brauchen wir nicht.

Bislang deutet alles daraufhin, dass Deutschland seine Klimaziele nicht erreichen wird. Erst letzten Sommer musste Umweltministerin Svenja Schulze gestehen, dass die bis 2020 selbst gesteckten Ziele verfehlt werden – und zwar deutlich. Statt 40 Prozent nur 32 Prozent weniger CO2-Ausstoß sein. (SPIEGEL ONLINE)

Natürlich ist der Klimawandel nur global zu bewältigen.

Dafür ist es absolut notwendig, dass auch Länder wie China – und Indien und Südafrika – ihre Emissionen senken. Wie Deutschland haben sie sich mit der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens verpflichtet, die CO2-Emissionen zu senken. Insgesamt haben 180 Staaten zugestimmt. 

Solange wir dieser Verpflichtung aber selbst nicht mit voller Anstrengung nachgehen, ist es absolut falsch, mit dem Finger auf andere Länder zu zeigen. China und Indien wollen die Pariser Ziele übrigens vor der Deadline erreichen. (UNFCC/The Wire )


Future

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