Noch immer brennt der Regenwald im Amazonas – und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Hauptursache für die Feuer ist Brandrodung, mit der Platz für Landwirtschaft geschaffen werden soll. (SPIEGEL)

In den letzten Jahren war die Zerstörung des Amazonas deutlich zurückgegangen. Seit dem Amtsantritt des rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro schwindet der Regenwald wieder: Im August wurden 222 Prozent mehr Urwald zerstört als im gleichen Monat des Vorjahres. (SPIEGEL)

Für Umweltschützerinnen und Umweltschützer ist es in Brasilien gefährlich. 

Laut einem aktuellen Report von "Human Rights Watch" hat die Gewalt gegen sie deutlich zugenommen. Insgesamt seien in den letzten zehn Jahren mehr als 300 Menschen im Konflikt um Land und Ressourcen in den Amazonas-Bundesstaaten ums Leben gekommen. Dokumentiert werden in dem Bericht 28 Fälle von Menschen, die getötet wurden, weil sie sich gegen Abholzung wehrten – die meisten von ihnen innerhalb der letzten fünf Jahre. Bei nur zwei der Morde habe es einen Prozess gegeben.

Die Gewalt habe nicht erst unter Präsident Jair Bolsonaro begonnen, schreibt Human Rights Watch, seine Politik erschwere aber die Arbeit von NGOs, die sich für Umweltschutz und die Rechte der indigenen Bevölkerung einsetzen. Mit der zunehmenden Abholzung sei auch die Bedrohung durch Kriminelle angestiegen, die damit Geld verdienen.

Ans Aufgeben denken Aktivistinnen wie Paloma Costa trotzdem nicht. 

Die 27-Jährige sprach beim UN-Klimagipfel neben Greta Thunberg und appellierte an die teilnehmenden Länder, endlich zu handeln. In ihrer Rede sagte sie:

„Ich werde häufig gefragt, ob ich nicht Angst habe, wenn ich den Wald verteidige. Ja, Umweltschützer sind in großer Gefahr, aber ich habe keine Angst. Ich habe nur Angst, durch die Klimakrise zu sterben.“

Wir haben mit Paloma und zwei weiteren jungen Umweltschützerinnen aus Brasilien über die Herausforderungen ihrer Arbeit gesprochen. 

Und darüber, was sich unter Präsident Bolsonaro geändert hat.

Paloma, 27, aus Brasília

(Bild: Daniel Favaretto/O2 films)

Die Abholzung des Regenwalds macht mir große Sorgen. Diejenigen, die dafür verantwortlich sind, werden nicht bestraft, also machen sie weiter. Ein weiteres großes Problem für die Umwelt ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln – in keinem Land werden sie so viel eingesetzt wie in Brasilien (Independent). Das ist vor allem schlecht für die Menschen, die in der Nähe der Felder und in ohnehin schutzbedürftigen Gemeinschaften leben. 

Unter Bolsonaro gibt es praktisch keine Umweltpolitik mehr und auch kaum Gelder, mit denen Projekte zum Umweltschutz gefördert werden. Wenn er dann behauptet, dass Umweltschützer für die Brände im Amazonas verantwortlich sein sollen (SPIEGEL), macht es das noch schlimmer: Denn die Leute glauben diesen Unsinn. Es gibt hier Menschen, die uns deshalb als Terroristen sehen. 

Natürlich macht man sich da Gedanken um seine Sicherheit – schließlich werden nirgendwo sonst so viele Umweltschützer umgebracht wie in Brasilien. Sicher fühle ich mich, wenn ich gemeinsam mit anderen Aktivisten unterwegs bin – wir alle haben die gleiche Angst vor Verfolgung. Doch trotz der Gefahren glaube ich: Es wäre gefährlicher, nicht für die Umwelt zu kämpfen. 

Artemísia, 19, aus Ribeirão Preto

(Bild: privat)

Ich bin eine Vertreterin der indigenen Jugend und aus dem Volk der Xakriabá. Im August nahm ich am ersten Marsch der indigenen Frauen teil, zusammen mit 3000 anderen, um für unsere Rechte zu kämpfen. Für uns indigene Frauen war es keine Wahl, mitzulaufen – es war eine Pflicht. 

Dank der Klimaschutzbewegung sehen nun aber einige Menschen, was mit unserem Planeten gerade passiert. In New York durfte ich außerdem am Jugend-Klimagipfel der UN teilnehmen, um die indigene Jugend Brasiliens zu vertreten.

Seit Bolsonaro an der Macht ist, ist es deutlich gefährlicher für die indigene Bevölkerung geworden. Wir werden verfolgt, massakriert und umgebracht. Unser Land wird noch mehr ausgebeutet, unser Wasser ist verschmutzt, unsere Bäume werden verbrannt. Diese Umweltkrise wird vorangetrieben durch Brände, das Agrobusiness und Bergbau. Das ist ein gefährlicher Kampf, aber für uns ist es ein Kampf ums Überleben.

Melina, 21, aus Rio de Janeiro

(Bild: privat)

Bevor Bolsonaro an die Macht kam, habe ich bei großen Protesten nie so viel Polizei gesehen wie heute. Wenn ich auf dem Weg zu einer Demo bin, muss ich meine Sticker für Klimaschutz verstecken und tue so, als würde ich gar nicht am Protest teilnehmen wollen, um Schikanen durch die Polizei zu entgehen.

Aber um ehrlich zu sein: Für mich ist die Gefahr nicht so groß wie für andere – ich bin weiß und lebe in der Stadt. Von schwarzen Freunden von mir verlangte die Polizei zum Beispiel die Handys und schaute, ob sie Bilder von Protesten darauf hatten. Das ist mittlerweile ganz normal in Rio. Die größten Sorgen mache ich mir aber um die indigenen Menschen in Brasilien. 

Trotzdem schütze auch ich mich, in meiner Kontaktliste sind Nummern von Anwälten. Wir wissen, wenn wir die Regierung anprangern, müssen wir Unterdrückung fürchten. Deshalb habe ich auch Sorge, dass wir auf einem Protest verhaftet werden.

Wenn du gegen die Regierung vorgehst, wirst du zur Zielscheibe – nicht nur von der Regierung, sondern auch von ihren Anhängern. Wenn wir Kritik üben, bekommen wir sehr viel Hass ab. Es werden Fake News über uns verbreitet und wir bekommen Morddrohungen. Diese Leute gehen auf dein Profil und schicken dir alte Bilder von dir und sagen dazu so etwas wie: 'Hey, du gehst zu diesem Ort? Da werde ich auch einmal vorbeischauen.' Manchmal muss ich dann Social Media für ein oder zwei Tage verlassen, weil es einfach zu viel wird. 

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Future

Frauen in der IT-Branche: Drei Vorbilder für weibliche Geeks, Nerds und Gamerinnen

Geht man an der Uni in eine Vorlesung eines IT-Studiengangs, dann bietet sich folgendes Bild: Nur auf jedem fünften Platz sitzt eine Frau. Noch ausgedünnter sieht es aus, wenn man einen Blick in die Professoren-Zimmer wirft.

Aber wie kommt das? Sind Frauen einfach zu schlecht in Mathe, logischem Denken, haben kein Technikverständnis und schon gar kein Interesse? Natürlich nicht. Das Problem ist nicht naturgegeben, sondern ist sowohl kulturell als auch strukturell bedingt. Das stützt unter anderem die Studie „Frauen in Informatik“ vom Centrum für Hochschulentwicklung.

Aber auch ein Blick in die ehemalige DDR lässt auf ein strukturelles Problem schließen. Mehr als die Hälfte der graduierten IT-Studierenden waren dort noch Frauen.

Dass ein höherer Frauen-Anteil ein Plus wäre, haben auch Unternehmen erkannt und suchen entsprechend händeringend nach weiblichen Fachkräften. Als Grund dafür wird häufig die andere Herangehensweise an Aufgaben, kreativere Ansätze und ein sensiblerer Umgang im Team und mit Kunden genannt. Aber was hilft das Jammern? Viel wichtiger ist die Frage: Was können wir tun, um diese Strukturen aufzubrechen? Die CH-Studie nennt als eine ihrer 14 Handlungsempfehlungen, weibliche Vorbilder sichtbar zu machen. Eine guter Ansatz, denn davon gibt es einige. Kennt ihr zum Beispiel Ada Lovelace, Grace Hopper oder Jade Raymond?

Ada Lovelace: „Ich laufe nicht mit einem Schneckengehäuse herum, sondern mit einem Molekularbiologielaboratorium“

An Selbstvertrauen und der Fähigkeit sich zu behaupten, hat es Augusta Ada Byron King, Als Ada Lovelance bekannt geworden, nicht gemangelt. „Wüsstest du auch nur um die Hälfte der außergewöhnlichen unbesonnenen Dinge, die ich tue, du würdest gewiss dem Gedanken zuneigen, dass irgendein Zauber auf mir liegt.“, soll sie über sich selbst gesagt haben.