Bild: Georg Wendt/dpa
Casper: "Das Machtspiel möchte ich nicht mitspielen."

Bandshirts und Logo-Caps gehören zu Konzerten wie schales Bier und trockene Käse-Brezeln. Doch beim Waldbühnen-Auftritt der "1982"-Tour am 3. August werden Casper und Marteria keinen Merchandise verkaufen. Der Grund: Es sei zu teuer für die eigenen Fans.

"Der Betreiber der Waldbühne, Eventim, verlangt leider aktuell eine so hohe prozentuale Beteiligung an den Merchandise-Umsätzen der auftretenden Künstler, dass es dringend an der Zeit ist, diese Deals nicht einfach so weiter zu akzeptieren", erklärt Casper-Manager Beat Gottwald bento. Und ergänzt: "Wir wollen einfach keine Shirts für mehr als 40 Euro verkaufen, nur damit die Konzertstätte neben den reichlichen Ticket- und Gastronomieeinnahmen noch über die Maßen an den Fans und von den Merchandise-Umsätzen profitiert."

Über die genauen Forderungen schweigen das Künstler-Management und Eventim auf Nachfrage von bento. Da im Pre-Merch-Shop die Shirts aktuell aber für 25 Euro verkauft werden und im Statement von mehr als 40 Euro die Rede ist, kann man die Zuschläge auf den Kaufpreis selbst errechnen.

Dass ein T-Shirt bei einem Konzert 40 Euro oder mehr kosten sollte [...] steht einfach in keinem Verhältnis und das Machtspiel möchte ich auch nicht mitspielen.
Casper auf Facebook

Jessica Paul, Sprecherin der Waldbühne Berlin, widerspricht der Darstellung: "Auf Basis unserer Konditionen würde das teuerste Casper-T-Shirt am Samstag gut 30 und nicht 40 Euro kosten."

Auf der Facebook-Seite von Casper wird verraten, wie die Künstler ihre Shirts trotz Verkaufssperre an die Fans bekommen wollen: mit einer "Pre-Merch-Aktion". Fans können dabei online ihre Klamotten mit "1982"-Prints kaufen und sie ohne Aufpreis in Berlin beim Konzert abholen. Technisch umgehen sie also den Verkauf vor Ort und müssen nicht die Preise für den Anteil des Veranstalters Eventim anheben. Angenommen werde die Aktion – wegen der günstigeren Preise nicht überraschend – von den Fans gut. Nach einem halben Tag habe man schon ein Drittel des erwarteten Umsatzes erreicht, sagte der Manager von Casper zu bento. 

Wie reagiert der Veranstalter?

Kritik äußert Eventim und die Waldbühne auf bento-Nachfrage nicht. Man respektiere den Wunsch des Künstlers, nicht während des Konzerts zu verkaufen. Über die Konzessionen würden ansonsten unter anderem die Kosten für das Verkaufspersonal und Infrastrukturleistungen wie Strom, Stände und Kassensysteme bezahlt. Andere Künstler und Bands hätten die Auflagen bisher immer akzeptiert. 

Was ist eigentlich Eventim?

"CTS Eventim" ist ein börsennotiertes Unternehmen, das nicht nur als Ticketbörse sondern auch als Konzertveranstalter und Bereitstseller von Zugangskontrollsystemen auftritt. Durch zahlreiche Übernahmen von Konkurrenten ist es zum dominierenden Akteur auf dem europäischen Konzert- und Ticketmarkt geworden (Deutschlandfunk). 2018 hat Eventim einen Jahresumsatz von 1,242 Milliarden Euro gemacht. 

In der Öffentlichkeit stand das Unternehmen außerdem, weil es vom Verkehrsministerium den Vertrag zur Umsetzung der PKW-Maut bekommen hatte. Weil diese vom EuGH für illegal befunden wurde, soll Eventim bis zu 300 Millionen Euro Entschädigung aus Steuergeldern erhalten. (Tagesspiegel)

Caspers Manager Beat Gottwald sagt dazu: "Eventim ist unsere Pre-Merch-Aktion aufgrund ihrer schieren Marktmacht vollkommen egal. Aber genau weil Eventim so ein Riese ist, verstehen wir um so weniger, warum man sich nicht auf ein faires Miteinander einigen kann. Langfristig werden sie zunehmend mit selbstbewussten Bands und Künstlerinnen dealen müssen, die sowohl ihren Merch als auch ihre Tickets im Eigenvertrieb vermarkten. Es ist ja nicht so, als wäre man alternativlos." Beat the Rich, die Firma von Gottwald, managt neben Casper auch Bands wie KIZ und Kraftklub.

Wir möchten jeden Künstler und jedes Management dazu ermutigen, überzogene Konzessions-Forderungen nicht zu akzeptieren.
Casper-Manager Beat Gottlieb

An anderen Standorten wolle man die Aktion vorerst aber nicht wiederholen, die Waldbühne habe als Teil von Eventim eine Sonderstellung: "Bei uns im Haus haben sich auf Grund der hohen Gebühren schon mehrere namenhafte Künstler Anfang des Jahres gegen die Waldbühne als Spielstätte entschieden. Ich gehe davon aus, dass die starre Haltung von Eventim den Konzern am Ende viel Geld kosten wird", prognostiziert Gottwald. Auch, wenn der Effekt von der jetzigen Aktion vielleicht noch nicht so stark ausfallen werde: "Durch die Monopolstellung wird Eventim das verschmerzen können."



Gerechtigkeit

Klimakatastrophe: Wie wir uns mit Begriffen wie "umweltfreundlich" selbst belügen

Umweltfreundlich, klimaneutral, emissionslos und nachhaltig – seit die Schülerinnen und Schüler von Fridays for Future ganz Deutschland zwingen, sich mit der heraufziehenden Klimakatastrophe zu beschäftigen, fallen diese Begriffe ständig. Sie sollen Hoffnung auf eine Zukunft machen, in der wir genau so leben können wie jetzt – ohne der Welt zu schaden. Was die Begriffe aber verschleiern: damit belügen wir uns oft selbst.

"Umweltfreundlich" 

Seit ein paar Wochen stehen zum Beispiel in deutschen Städten überall E-Scooter auf den Bürgersteigen. Als das entsprechende Gesetz erlassen wurde, wurde glücklich über die große Chance für mehr umweltfreundliche Mobilität geredet. Das klingt gut – ist aber falsch. 

Die E-Scooter sind nicht umweltfreundlich. Umweltfreundlich ist eigentlich nur zu Fuß gehen. Natürlich ist ein E-Scooter im Vergleich zum Auto im Normalfall weniger klimaschädlich. Im Vergleich zum Radfahren ist er aber schädlicher, er verbraucht Energie, muss geladen werden und wird dafür quer durch die Stadt transportiert.