Bild: Pistenwolf. (CC BY-SA 3.0)
Du musst auch nicht mit deiner Cousine schlafen!

Wanda? Ist das nicht diese Band, die sich vollkommen schamlos bei Falco und den Doors bedient und dennoch als der heiße Scheiß gilt? Dabei sind Wanda beileibe nicht die einzig beachtenswerten Musiker aus Österreich.

Aus der Alpenrepublik kommt schon seit vielen (sehr, sehr vielen) Jahren unglaublich gute Musik, die ein wahnsinnig breites musikalisches Spektrum abdeckt. Wir laden euch auf eine Entdeckungsreise durch Stile und Epochen ein.

Bilderbuch

Fangen wir mit dem Naheliegendsten an. Bilderbuch sind die andere österreichische Rockband, die dieses Jahr richtig abräumte. Irgendwie machten sie einfach alles richtig. Ein super Album, das einerseits sehr eigenständig ist und andererseits bei jedem Song dieses “Das habe ich doch schon mal gehört”-Gefühl hinterlässt. Dazu kommen hervorragende Konzerte und, last but not least, Kooperationen wie mit Dendemann im Neo Magazin Royale, die allen Blogrebellen Gänsehaut bescherte:


Elektro Guzzi

Wir hatten euch ein breites musikalisches Spektrum versprochen – und das halten wir auch. Zeit, den ersten Haken zu schlagen. Wobei, die Instrumentierung bleibt ganz klassisch Rockband, nämlich Gitarre, Bass und Schlagzeug. Elektro Guzzi machen in dieser Besetzung allerdings Techno. Ja, richtig gehört: rohen, ungeschliffenen und treibenden Techno. Elektro Guzzi sind mehr Mensch-Maschine als Kraftwerk es je waren.


Tosca

Mit Tosca geht es vom Dancefloor zurück auf die Couch. Zusammen mit den "bekifften Wienern", wie wir die österreichische Downbeatszene gerne nennen, lässt es sich einfach prima abhängen und chillen. Um die Jahrtausendwende lief gefühlt überall dort, wo Haare geschnitten wurden, Kruder & Dorfmeisters “K&D Sesions” rauf und runter. Das hat mir dieses Album für immer vergällt, weswegen wir mit Tosca stellvertretend lieber eines der vielen anderen Projekte auf K&Ds Label "G-Stoned" vorstellen. Der Name ist Programm.


Flip & Average

Rap aus der Alpenrepublik ist ähnlich zahl- und facettenreich wie der aus deutschen Landen. Wir haben uns für die humorvolle Variante entschieden. Flip & Average covern auf ihrem "Tuesday Classics"-Album Rap-Meilensteine wie zum Beispiel Dr. Dres "Nuthin' but a 'G' Thang". Was die Sache so witzig macht, ist die Übersetzung ins Österreichische. Unser Favorit "Sie wollen EXF", im Original von Das EFX. Ein Zungenbrecher vor dem Herrn, der euch garantiert ein Lächeln ins Gesicht zaubern wird.


Makossa & Megablast

Wer Musik aus Österreich mag, kommt an FM4 nicht vorbei, dem jungen Sender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Dass das so ist, liegt zu einem guten Teil an Makossa, der seit 1995 dort Musikchef ist. Nebenbei ist er auch seit Jahrzehnten einer der unserer bescheidenen Meinung nach einflussreichsten DJs im deutschsprachigen Raum. Zusammen mit seinem Partner Megablast produziert er percussiven Tech-House, der mit einem Bein fest in der eklektischen Vergangenheit Ibizas steht, während das andere mit Schmackes gegen die Bassdrum tritt, wie wir das heutzutage von Housemusik erwarten dürfen.


Restless Leg Syndrome

Das Restless Leg Syndrome schaffte mit seinem Album "Dabkeh" das Kunstück ein Konsensalbum abzuliefern, das alle Blogrebellen monatelang feierten und auflegten. Kein Wunder, enthielt es doch (fast) alles, was wir mögen: orientalische Gesänge und Percussions, eine deutliche Nähe zum Hip-Hop, großartige Fähigkeiten an den Turntables und natürlich jede Menge Bass. Ein Album für die Ewigkeit! Was Britney Spears davon hält, ist nicht überliefert.


Attwenger

Attwenger in ein paar kurzen Zeilen vorzustellen, ist kein leichtes Unterfangen. Dazu ist ihr Werk zu vielschichtig. Alleine über die Sounds, die HP Falkner aus seiner Steirischen Harmonika holt, könnte man ein Buch schreiben. Kurz gesagt: Attwenger verstecken hinter ihrer ganz eigenen Volxmusik-Entfremdung ein popkulturelles Universum, das von Rock’n'Roll und Polka bis zu Trip-Hop und Techno reicht. Von zweiminütigen Song-Miniaturen bis zu zwanzig Minuten dauernden Hypnotherapien ist alles drin. Man muss sie live gesehen haben, um die ganze Bandbreite ihrer musikalischen Magie zu verstehen und ihren Höllengroove zu spüren. Ein Leben ohne Attwenger ist möglich, aber nicht erstrebenswert.


Erwin & Edwin

Erwin & Edwin bezeichnen ihr Werk selbst als "Electronic Brass Music", was bedeutet, dass die Jungs gleich zwei höchst druckvolle Welten vereinen. Livebläser und Electrobeats ergeben einen alles wegbassenden Sound, von dem Walter Marinelli, unser Blasmusik-Spezialist, so überzeugt ist, dass er tatsächlich seit drei Jahren kein Set ohne mindestens einen Tune der jungen Band gespielt hat. Erwin & Edwin funktioniert immer. Egal vor welcher Crowd. Sie sind ein Phänomen. Seit einiger Zeit arbeiten sie vermehrt mit Gesang und haben außerdem demnächst endlich ihr erstes richtiges Album am Start. Mit anderen Worten: Die Weltherrschaft rückt in greifbare Nähe! Wir prophezeien Erwin & Edwin jedenfalls eine große Zukunft.


Falco

Eine Zusammenstellung von Musik aus Österreich wäre nicht vollständig ohne Falco. Viel muss man über Hansi Hölzl, wie er bürgerlich hieß, nicht mehr sagen. Seine Songs werden auch in hundert Jahren noch im Radio laufen. "(Rock me) Amadeus" ist nach wie vor der einzige deutschsprachige Song, der die Spitze der US-amerikanischen Charts erreichte. Ein ganz großes Genie, das leider einen ebenso großen Hang zur Selbstzerstörung hatte. Anders kann man seinen Obduktionsbericht nicht interpretieren, der Mengen an Cannabis und Kokain in seinem Blut fand, die absolut jenseits von Gut und Böse waren. Aber egal, er ist und bleibt der zweitgrößte Popstar, den Österreich je hervorbrachte – der größte bleibt Wolfgang Amadeus Mozart.


Blogrebellen × bento

Die Berliner Blogrebellen bloggen bei bento mit viel Liebe und Herz zum Thema Musik. "Remixing Culture everyday" lautet das Motto - und das spürt man auch.