Bild: YouTube / da blechhaufn
Wenn der Himmel voller Geigen hängt, ist die Hölle voll von aufregenden Blechbläsern!

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Die Berliner Blogrebellen bloggen bei bento mit viel Liebe und Herz zum Thema Musik. "Remixing Culture everyday" lautet das Motto - und das spürt man auch.

Kaum jemand covert so unverschämt und in den Spitzen so grandios wie Blasmusiker, die ihre Kunst und Traditionen modern interpretieren. Der Blick in den musikhistorischen Rückspiegel fällt dabei sehr unterschiedlich aus. Wir haben für euch die aufregendsten Brass-Band-Coverversionen von Musikern wie Daft Punk, Macklemore, Lorde oder Parov Stelar ausgegraben und noch ein paar unbekanntere Schmankerl mit Euphoriepotenzial oben drauf gepackt.

La Brass Banda feat. Captain Sensible – Wot!

Ziemlich originalgetreu ist La Brass Bandas Version von Captain Sensibles "Wot" geraten. Die Oberbayern vom Chiemsee sind per Banddefinition sowieso schon sehr offen für andere Stile wie zum Beispiel Techno oder HipHop. Captain Sensible ließ es sich nicht nehmen, seinen Welthit von 1983 neu aufzunehmen und auch beim Videodreh vorbeizuschneien. Ein paar dezente Bläsersätze oben drauf, ein schickes Video dazu, fertig ist die bayerisch-englisch-musikalische Völkerverständigung.

Da Blechhaufn – Ghostriders in the sky

Welche Wucht Musik auch ohne Schlagzeug oder Percussions entwickeln kann, zeigt sich bei reinen Bläserkombos, die ihr Handwerk so gut verstehen wie Da Blechhaufn. Der Siebener aus dem österreichischen Burgenland hat offensichtlich sehr viel Spaß daran, sich an Klassikern der Musikgeschichte zu “vergehen” und das ziemlich eindrucksvoll. "Ghostrider in the sky" wurde bereits Dutzende Male prominent gecovert (Johnny Cash, Elvis Presley, Milton Nascimento und viele mehr). Im Original stammt der Song vom Nationalpark-Ranger und Countrymusiker Stan Jones. Da Blechhaufn ziehen den Klassiker einmal auf links und lassen ihren musikalischen Assoziationen freien Lauf. Im Video geben Da Blechhaufn die verhauenen Musikanten-Flaneure und irrlichtern durch Berlin. Mit bitterem Ende. Ghostriders in the sky eben.

Broken Brass Ensemble – Thriftshop

Mit Low-Riding hat auch das Video der "Thriftshop"-Neuauflage von Broken Brass Ensemble zu tun. Hier wurde offenbar erst mal die Karre vom Manager gekapert und dann zur Bühne umfunktioniert. Das Original "Thriftshop" bekommt auch ein paar Schrammen ab und wird ziemlich rough und schön windschief bis zur Eskalation getrieben. Das Laut-Leise-Spiel, das Blasmusik oft so mitreißend macht, beherrschen die Niederländer aus dem Effeff. Und so schnell wie Broken Brass gekommen waren, sind sie dann auch wieder weg.

Copper Street Brass – Royals

Eigentlich braucht es von Lordes "Royals" kein Cover mehr. Das Original der früh gereiften, neuseeländischen Dunkelgestalt ist an sich schon ein perfekter Song, der auf das Wesentliche reduziert ist. Umso erstaunlicher, was Copper Street Brass aus dieser undankbaren Aufgabe machen. Sie holen schlichtweg alles raus. Die Melodielinie des Gesanges wird quasi nachgespielt und ist damit die perfekte Wahl für eine der größten Herausforderungen eines jeden DJs, der auf Call-and-Response-Sets steht: Das Publikum zum Singen zu bringen. Die Prominenz des Originals könnte dabei behilflich sein.

Auf Soudcloud hören

Circus Problem – Catgroove

"Catgroove" von Parov Stelar ist einer der bekanntesten Electro-Swing-Tracks überhaupt. Innerhalb des Genres ist “Catgroove” ein Riesenhit, der auf fast allen Partys nachgefragt wird. Circus Problem aus Prag haben also alles richtig gemacht, um ihre Version bekannt zu machen. Umso besser, wenn sie so treibend gerät und im Balkan Brass-Stil neu aufgelegt wird. Euphorie ist bei diesem Track und der eh schon großen Liebe zwischen ausgewiesenen Tanzflächen und Blechbläsern garantiert.

The Soul Rebels – Get lucky

Einen richtigen Superhit haben sich mit "Get lucky" von Daft Punk/Pharell Williams/Nile Rodgers auch die Soul Rebels vorgenommen. Die neunköpfige Marching Band mit HipHop-Vorlieben stammt aus dem Mekka vieler Brass-Fans, New Orleans. In ihre Sets lassen die Rebels dann auch folgerichtig Jazzeinflüsse, aber auch Funk und Soul einfließen. Der perfekte Sound für den berühmten Mardi Gras, das amerikanischen Faschingsfest, das in New Orleans seit Jahrhunderten am Faschingsdienstag mit einem spektakulären Umzug mit jeder Menge Marching Bands gefeiert wird. Auch bei ihrem "Get lucky"-Cover schlagen die Soul Rebels die Brücke zwischen zeitgenössischer Popmusik und alten Traditionen.

REJ - Techno Marching Band Version (Âme Cover)

Mit ihrem Ame-Cover ist den Hamburgern von Meute ein kleiner Viralhit gelungen. Der Grund dafür ist simpel: Die Marching Band, die auf Techno steht, hat mächtig Dampf in den Backen, Bock auf Guerilla-Gigs und ein gutes Kamera- und Schnittteam. Kaum vorstellbar, dass bei diesem Video irgendetwas geplant war, denn es gibt wohl nicht viele Menschen, die sich der Dynamik und Präzision von Meute entziehen können. Na gut, Brass-Muffel vielleicht. Solls ja auch geben...

Hypnotic Brass Ensemble – War

"War" ist zwar kein Cover, aber das Hypnotic Brass Ensemble darf einfach nicht ungenannt bleiben. Mit "War" haben es die Wahl-New-Yorker aus Chicago ins Popcorn-Kino geschafft: Der Song ist offizieller Soundtrack von "The Hunger Games". Seit frühester Kindheit wurden die acht Söhne des Jazz-Musikers Phil Cohran schon morgens an ihren Instrumenten gedrillt. Dass fragwürdige Erziehungsmethoden nicht ausschließlich Schlechtes produzieren, beweist das Hypnotic Brass Ensemble mit jeder ihrer Platten, die im Ein-Jahres-Rhythmus und in Kollabos mit Afrobeat-Legende Tony Allen (Fela Kuti Band), Mos Def, Prince, Wu-Tang Clan und Flea (Red Hot Chili Peppers) erscheinen – um nur ein paar zu nennen. Frühes Aufstehen lohnt sich also manchmal doch.

Alle genannten Bands haben natürlich auch ganz hervorragende Eigenkompositionen. Wer noch nicht genug von all den Blechbläsern hat, könnte bei Youngblood Brass Bandd, The Budos Band oder HMBC fündig werden.

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