Bild: Erik Lucatero, bento
#UnFollowMe?

Mein Twitter, Facebook und Instagram sind voller Bilder von Menschen, auf denen eine kurze Botschaft steht: "#UnFollowMe", entfolge mir. Berühmte deutsche Musikerinnen und Schauspieler machen die Aktion bekannt, die sich gegen Rechts richten soll – und leider vollkommen am Ziel vorbei schießt. 

Mit dabei sind unter anderem Smudo und Sido, Visa Vie und Namika, Kool Savas und Frederick Lau. Sie rufen ihre Follower dazu auf, ihnen zu entfolgen. Zumindest, wenn die Fans Nationalisten sind, homophob oder Rassisten.

So sieht das bei Musiker Fynn Kliemann aus:

Organisiert wird die Aktion vom Netzwerk "Laut gegen Nazis". Auch wer nicht hunderttausende Follower hat, wird dazu aufgerufen, teilzunehmen. Auf einer Website kann man Fotos von sich mit den politischen Slogans der Aktion versehen und posten. 

Mit diesem Clip stellt sich die Aktion vor: 

In einer Pressemitteilung dazu heißt es: 

"Mit #unfollowme forderst du Follower auf, dir zu entfolgen, wenn sie rechtes Gedankengut unterstützen. Denn in Social Media ist es wie im Real Life – Fremdenfeindlichkeit und Rassismus im Freundeskreis will keiner. Lass uns gemeinsam ein starkes Zeichen gegen Rechts setzen!"

Sorry, aber das ist leider zu kurz gedacht. Ich glaube nicht nur, dass #UnFollowMe nichts bringt – sondern dass damit alles noch schlimmer wird. 

Alle, die nun auf Twitter und Insta den eher weltoffenen Menschen aus dem Video entfolgen, sind ja nicht weg. Sie bilden sich weiterhin ihre Meinung – nur eben mit Hilfe anderer Quellen. 

Wer ist der Autor?

Sebastian Maas ist bento-Redakteur, hat Politikwissenschaften studiert und beschäftigt sich seit Jahren beruflich mit der politischen Auseinandersetzung in sozialen Medien.

Wenn Rechte nur noch anderen Rechten folgen, wird sich ihre Meinung nur noch weiter verfestigen. 

Klar, die Promis wollen den Rassisten zeigen, wie es sich anfühlt, ausgegrenzt zu werden. Aber ob sie die Message so verstehen? Dass wir alle in Internet-Blasen leben, in denen wir ständig unsere eigene Meinung wie ein Echo hören, was uns das Gefühl gibt, wir seien im Recht, ist keine neue Information. Sich selbst zu reflektieren und die eigene Meinung regelmäßig zu hinterfragen, tut jedem Menschen gut – ob links, Mitte oder rechts.

Also an alle, die sich gerade von Klaas und Co. verstoßen fühlen: #FollowMe! 

Denn ich halte es für unglaublich wichtig, dass Leute, die Menschen mit Migrationshintergrund oder Homosexuelle abwerten, ab und zu die Meinung von jemandem hören, der die Welt anders sieht als sie. Von jemandem, der noch daran glaubt, dass unsere Gesellschaft sich weiterentwickeln kann – anstatt sich 1933 zurückzuwünschen. 

Denn durch solche Kontakte könnte jemand merken, dass es da draußen nicht nur Hass gibt:

Und das ist es doch wert, oder?

Statt #UnFollowMe fände ich es viel sinnvoller, wenn die bekannten Gesichter ihren Einfluss nutzen, um immer wieder über die Methoden und Lügen der Ultrarechten aufzuklären; wenn wir alle wieder in sozialen Netzen Kontra geben, anstatt uns in frustriertes Schweigen zu flüchten; und wenn wir Hetzkommentare melden oder zur Anzeige bringen.

Und vor allem: Wenn wir hasserfüllten Menschen vorleben, wie eine offene Gesellschaft funktioniert, anstatt sie wegzuschicken. 

Das Problem geht nicht weg, wenn wir die Tür verschließen, sondern nur, wenn wir dem Hass und den Lügen etwas entgegensetzen.



Musik

Lasst alles stehen und liegen, die Backstreet Boys haben gerade eine Tour angekündigt!
DIES IST KEINE ÜBUNG!

Fahrstuhlkonzert, "I Want It That Way" auf Kinderinstrumenten oder ein gemeinsamer Auftritt mit James Corden – für Fans der Backstreet Boys ist 2018 ein wahres Fest. Und es ist noch lange nicht vorbei!

Die Backstreet Boys haben am Freitag eine Welttournee und ein neues Album angekündigt.