Bild: Marco J. Schöler
Der Cro des deutschsprachigen R'n'B im Interview.

Er gilt mindestens als Cro des deutschsprachigen R'n'B, wenn nicht sogar als der deutsche Justin Timberlake: Toni Mudrack, besser bekannt als Teesy. Im gut sitzenden Anzug singt der 1990 geborene Berliner über sich und die "Generation Maybe": Die zieht angeblich nichts mehr durch und interessiert sich mehr für neue iPhones als alles andere. Da kann man schon mal wütend werden.

(Bild: Marco J. Schöler)

Mit seiner Generationen-Kritik und seinem Album "Glücksrezepte" ist Teesy wieder auf Tour. Gerade hat er in Hamburg das altehrwürdige Docks auf der Reeperbahn vollgemacht. Wir haben die jüngere Version von Max Herre vor seinem Auftritt backstage besucht und nachgefragt: Warum hat er eigentlich grundstabil Lehramt studiert? Und was hat er gegen Internet und Smartphones?

Teesy, bist du auch so ein Maybe?

Ja, deswegen konnte ich auch so gut darüber schreiben. Das passiert ja alles um mich herum. Geht schon los beim täglichen Gebrauch von Smartphones. Das ersetzt langsam so alles andere. Facebook, die Tendenz zur Selbstdarstellung und so weiter. Das Internet ist ja eigentlich ein Tool, um Menschen zusammenzubringen. Aber ich weiß nicht, ob es sie nicht eher weiter auseinanderbringt.

Wie oft bist du denn online?

Wenn ich unterwegs bin, nicht so oft. Ich habe kein richtiges Smartphone, kein WhatsApp und so. Auch wenn ich damit schneller für meine Labelkollegen erreichbar und in allen Gruppen wäre. Zu Hause vielleicht ein bis drei Stunden. Auf meinem privaten Facebook-Profil habe ich früher alle angenommen, um meine Musik zu verbreiten. Das wurde dann nervig, jetzt habe ich nur noch 15 bis 20 Freunde. Habe aber alles so eingestellt, dass ich auf meiner Startseite keine Statusmeldungen oder so bekomme.

Ich habe kein richtiges Smartphone, kein WhatsApp und so.
Teesy

Was nervt dich an der Generation Maybe?

Auf Tour die ganzen Handys im Publikum. Da ist dann so eine Wand, über die ich drüber muss, um die Leute zu erreichen. Das finde ich teilweise respektlos. Im ernst: Wann hat man sich ein Handyvideo von einem Konzert schon mal wieder angeschaut? Ich denke mir: Erleb doch lieber den Moment da, wo du gerade bist. Nicht versuchen, etwas festzuhalten, sondern die Sachen passieren lassen.

Noch etwas?

Schwach finde ich es, wenn sich Leute ihrem Alltagstrott ergeben. Wenn man die fragt, wie es ihnen geht, sagen sie: Ja, Arbeit halt. Oder: Muss, muss. Die haben irgendwie nichts zu erzählen. Leben muss man ja nicht, sondern darf. Man hat 80 Jahre auf diesem Planeten und kann die gestalten, wie man will. Du bist zu nichts gezwungen. Wenn du lieber Gärtner wärst, als bei der Telekom zu arbeiten, dann mach doch.

Magst du auch etwas an deiner Generation?

Geil sind die Möglichkeiten, die man hat. Zum Beispiel kann man seine Musik im Internet ohne Schwierigkeiten 50.000 Leuten zeigen und bekannt werden. Und wir aus Deutschland können ja problemlos in jedes Land reisen.

In deinem Musikvideo kommt ein Plakat vor: "Veränderung, wer fängt an?"...

Die direkten Auswirkungen von Problemen merkt man ja oft nicht und fühlt sich dementsprechend nicht betroffen. Man hört immer, dass die Polkappen schmelzen, aber niemand von uns hier hat eine Flut oder einen Taifun miterlebt. Erst wenn es kurz vor zwölf ist, merken alle, dass wir etwas falsch gemacht haben und packen dann mit an. Ich glaube, so ist die Menschheit einfach.

Deswegen ist den Leuten nicht bewusst, was sie ändern oder warum sie auf ein Stück Wohlstand verzichten oder mehr Steuern zahlen sollen. Das zeigt sich momentan ja auch in der Flüchtlingsdebatte.

Man hat 80 Jahre auf diesem Planeten und kann die gestalten, wie man will. Du bist zu nichts gezwungen.
Teesy

Manche sagen, die ganzen hilfsbereiten jungen Leute hätten sich in einer Art Hilfshype nur für eine bestimmte Zeit engagiert und seien jetzt wieder im Hörsaal oder woanders im Alltagstrott. Wie siehst du das?

Es gab viele "Refugees Welcome“-Konzerte, wir haben für eine Benefizveranstaltung auch ein Lied gespendet. Neulich hat mir ein Freund aber von einem Konzert erzählt, bei dem es gähnend leer war. Ich glaube, viele haben langsam genug von der Diskussion und werden des Themas überdrüssig. Es kommen so oft neue Nachrichten von Katastrophen, dass man schon wieder vergisst, was man gestern gehört hat. Entschleunigung würde helfen, aber ich weiß nicht, wie das genau aussehen sollte.

Im Lied heißt es: "Du bist ehrgeizig, das ist schön, aber ich kann mir nicht vorstellen, wie meine Eltern arbeiten zu gehen" - wie ist das bei dir?

Ich merke oft, dass ich mich am Lebensweg meiner Eltern orientiere und Respekt vor ihnen habe. Deswegen bewundere ich sie, sie sind ein Stück weit auch Vorbild: Haus bauen, Kinder zeugen, Familie, Sicherheit. Weiß aber nicht, ob das auch wirklich mein Weg sein wird. Bei vielen Leuten gibt es ja dieses Phänomen, dass man gegen die Eltern rebelliert und nicht den sicheren Weg gehen und spießig sein will. Sondern frei sein.

Ich finde, dieses 68er-Revoluzzertum ist Vergangenheit.
Teesy

Und am Ende endet man doch wie seine Eltern. Ich finde, dieses 68er-Revoluzzertum ist Vergangenheit. Erziehung ist heutzutage ganz anders: Eltern verhätscheln ihre Kinder ja teilweise und sind ihre Freunde. Früher hat man eine gebatscht gekriegt, wenn was nicht gelaufen ist. Heute ist das Verhältnis viel enger.

Du hast Lehramt studiert, weil du den sicheren Weg gehen wolltest?

Ich wollte neben der Musik etwas wirklich gesellschaftlich Anerkanntes in der Tasche haben. Für mein Gewissen. Jetzt kann ich erst mal in Ruhe Musik machen. Ist doch ein schöner Vorteil; diese Möglichkeiten, die wir haben.