Bild: Pixabay; Montage: bento
Vermutlich hat er sich mit seiner Trickserei nicht mal strafbar gemacht.

Jemand hat Spotify reingelegt – und damit eine Menge Geld verdient. 

Er (oder sie) hat kurze, unbekannte Songs in eigene Playlists hochgeladen, die tausendfach angehört wurden. Dafür wurde er von Spotify bezahlt. So weit, so normal. Der Trick: Die Accounts, die seine Playlists in Dauerschleife hörten, waren wahrscheinlich seine eigenen. 

Der Streamingdienst vermutet, dass der Mensch aus Bulgarien agiert hat und muss nun prüfen, ob er sich mit seiner Aktion überhaupt strafbar gemacht hat. Das berichtet die britische Musik Seite Music Business Worldwide

Um zu verstehen, wie genau der Typ mit Spotify reich werden konnte, muss man zunächst wissen, wie Spotify Labels und Künstler bezahlt: 

  • Jedes mal, wenn ein Song auf Spotify abgespielt wird, erhält der Rechteinhaber des Stücks schätzungsweise 0.004 US Dollar, das sind ungefähr 0,003247 Euro (Music Business Worldwide). 
  • Bei solch einem minimalen Betrag muss ein Song also ziemlich oft abgespielt werden, damit man als Musiker oder Label überhaupt Geld damit verdienen kann. 
  • Selbst wenn sich Tausend Nutzer den Track einmal auf Spotify anhören, landen gerade mal vier Dollar auf dem Konto des Rechteinhabers. 

Um mit Musik auf Spotify richtig Kohle zu verdienen, muss ein Song also ziemlich durch die Decke gehen. Das hat auch der Trickser aus Bulgarien schnell gemerkt und dachte sich scheinbar: Warum soll ich nur einen Song auf Spotify hochladen, wenn es auch gleich 467 sein können? 

Also hat er auf Spotify zwei Playlists erstellt und sie mit Songs gefüllt. Das ist völlig legal. 

Er gab den Playlists die wohlklingenden Namen "Music from the Heart" und "Soulful Music" und füllte sie mit Songs. Die meisten davon von ziemlich unbekannten Künstlern, über die es im Internet kaum Informationen gab. 

Diese Songs von "D. Silverstone", "Garry Cribb" und Co waren allesamt nicht länger als eine Minute. Damit Spotify für das Abspielen eines Liedes zahlt, muss es eine Mindestlänge von dreißig Sekunden haben. 

Screenshot der Playlist "Soulful Music"(Bild: Screenshot: Music Business Worldwide)

Die Songs waren also hochgeladen und der Trickser war als Rechteinhaber aller Tracks vermerkt. So hatte er sichergestellt, dass er jedes Mal 0.004 Dollar kassieren würde, wenn eines der Lieder angehört wurde. Jetzt brauchte er nur noch Nutzer, die seinen Playlists folgten und alle Songs ziemlich oft anhören würden. 

Diese Nutzer organisierte er einfach selbst. 

Laut Music Business Worldwide folgten der Playlist "Soulful Music" im September 2017 rund 1.800 Nutzer. Alle von ihnen hatte einen kostenpflichtigen Premiumaccount, auch das ist Voraussetzung, damit die Plays von Spotify in Geld umgewandelt werden. 

Spotify geht davon aus, dass all diese Accounts von einem Nutzer erstellt wurden, oder dieser zumindest den Auftrag gab, die Accounts anzulegen. Egal, welche Methode genutzt wurde: Es war mit Sicherheit eine Menge Arbeit. 

Dabei sind 1.800 Follower nicht viel für eine Spotify Playlist: Eine Deutsche Kinderlieder Playlist hat 14.000 Follower, die erfolgreichsten Playlists des Streamingdienstes mehrere Millionen.

Doch die Zahl der Follower ist nicht wichtig, wenn man mit Spotify reich werden will. Es zählt die Anzahl der Plays.

Davon hatten die Playlists trotz der kurzen, unbekannten Songs eine ganze Menge. Nicht von Nutzern, die begeistert von der Musik waren, sondern eben von ein und dem selben Nutzer, schreibt Music Business Worldwide

Der Typ lies also seine zahlreichen Accounts alle Songs auf seinen Playlists anhören - in Dauerschleife. Und generierte damit schätzungsweise 60.000 Plays im Monat - pro Nutzer. 

Wenn also alle 1.200 Fake Accounts die Playlist "Soulful Music" einen Monat lang von Morgens bis Abends abspielten und dabei schnell von einem zum anderen Song sprangen, lieferten sie dem Betrüger 103 Millionen Plays in einem Monat. Für jeden dieser Plays kassierte er 0.004 Dollar. 

0.004 Dollar x 103.000.000 Plays = 412.000 Dollar. Und das mit nur einer Playlist 

Da der Trickser aber auch noch eine zweite Playlist angelegt hatte, die ihm ungefähr die gleiche Summe einspielte, verdiente er in einem Monat fast 1 Million Dollar. Und das vermutlich drei Monate lang. (Music Business World Wide)

Mit zwei Playlists und 467 Songs hat er also 3 Millionen Dollar verdient. 

(Bild: Giphy)

Davon musste er zwar noch die Abo-Kosten für die über tausend Accounts abziehen, die sich nach drei Monaten auf ungefähr 36.000 Dollar beliefen, aber bei 3 Millionen auf dem Konto fiel das sicherlich nicht besonders schwer.  

Die Trickserei fiel schließlich auf, weil sich die Playlists in internen Charts von Spotify unter den Top 50 hielten, obwohl sie nur wenige Follower hatten. Dank des International Standard Recording Codes, einem zwölfstelligen Code, der bei jedem Musiktitel eingetragen ist, konnte Spotify den Ursprung der Tracks und Playlists nach Bulgarien verfolgen. 

Aber: Was der Typ gemacht hat, ist eigentlich keine Straftat. 

Für alle Accounts hat er den ordnungsgemäßen Beitrag an Spotify gezahlt. Ob die Accounts wirklich alle von ihm allein erstellt wurden, oder echte Menschen dahinter stecken, die an dem Gewinn beteiligt wurden, ist schwer zu ermitteln. Einen Song auf Spotify in Dauerschleife zu hören ist auch nicht verboten. 

Kann jetzt jeder sein Geld mit Spotify Playlists verdienen? 

Schön wär's. Die Details zu dem Betrug sind zwar erst jetzt bekannt geworden, Spotify hat ihn aber schon Ende 2017 aufgedeckt und seitdem seine Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Gegenüber Music Business Worldwide sagte ein Spotify Sprecher: "Wir arbeiten weiterhin hart daran, unsere Prozesse und Methoden zu verbessern, die uns helfen solche Aktivitäten zu entdecken und zu entfernen".  Gegenüber bento hat Spotify Deutschland am Freitag den Vorfall nicht kommentiert. 

Der Nutzer konnte bisher nicht ermittelt werden. Ob er tatsächlich in Bulgarien lebt oder nur von dort agiert hat, ist unklar. Außerdem steht nicht fest, ob Spotify rechtliche Schritte gegen ihn einleiten kann oder will. Die Playlists sind auf Spotify mittlerweile nicht mehr verfügbar. 

Update: Am Freitagnachmittag hat ein Unternehmenssprecher von Spotify Deutschland das Statement in der Music Business Worldwide gegenüber bento bestätigt.


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