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"Ignition" wirst du nicht mehr im Mix der Woche finden.

Seit Donnerstag ist die Musik von R. Kelly nicht mehr in Playlists, die von Spotify erstellt wurden, zu finden. Das ist eine Konsequenz, mit der der Streaming-Dienst auf die seit Jahren wiederkehrenden Missbrauchsvorwürfe gegen den Sänger reagiert. Spotify will den RnB-Star offenbar nicht noch ausdrücklich empfehlen. 

Kann man R. Kelly also gar nicht mehr auf Spotify hören?

Doch, die Alben verschwinden nicht ganz von Spotify. Betroffen sind nur die Playlists, die der Dienst selbst bestückt. Zum Beispiel der Mix der Woche, der Nutzerinnen und Nutzern Musik vorschlägt, indem es deren bisheriges Hörverhalten analysiert. 

Grund für diesen Schritt könnte die #MuteRKelly-Kampagne sein (auf Deutsch: Lasst R. Kelly verstummen). Dem Sänger werden seit 1994 in mehreren Fällen sexuelle Nötigung und emotionaler Missbrauch vorgeworfen. Kürzlich kam es zu einem Verfahren: R. Kelly wurde vorgeworfen, einen privaten Sex-Kult zu betreiben (Tagesspiegel).

Dadurch entflammte die Diskussion neu und viele Menschen – darunter auch Angehörige der Opfer – fordern härtere Konsequenzen für ihn. Spotify reagiert nun, indem es zumindest nicht mehr aktiv für den Sänger wirbt.

R. Kelly

R. Kelly gilt mit über 120 Millionen verkauften Tonträgern als einer der erfolgreichsten Musiker der Neuzeit. Neben Solo-Erfolgen wie "I Believe I Can Fly" arbeitete er auch mit Künstlern wie Michael Jackson oder Jay-Z zusammen. Jedoch durchziehen Anschuldigungen von sexuellem Missbrauch und der Besitz von Kinderpornographie seine Karriere. 

Wer ist noch betroffen?

Auch Rapper XXXTentacion wird in Zukunft nicht mehr in von Spotify kuratierten Playlists zu finden sein. Der Rapper ist durch Tracks wie "Look At Me" oder "SAD!" bekannt geworden und muss sich derzeit wegen schwerer Körperverletzung vor Gericht verantworten. (Pitchfork)

Das ist für den Künstler durchaus schmerzhaft, Spotify hat Macht. Deshalb wirft das Management des Künstlers dem Streaming-Dienst nun Doppelmoral vor. Immerhin seien zahllosen anderen Musikern ähnlich schwere Verbrechen nachgewiesen worden. Von den Playlists seien sie deswegen nicht verschwunden.

Wie geht man damit um?

Das ist in der Tat eine schwierige Frage, die in Zeiten von #MeToo verstärkt diskutiert wird. Kann man die Kunst vom Künstler trennen? Kann man also Songs von Personen hören, die sich so schwere Verfehlungen geleistet haben (sollen)? Insbesondere, wenn das bedeutet, dass jeder Klick dem Künstler ein wenig Geld in die Kasse spült? Letztendlich muss das jeder für sich selbst entscheiden. Spotify hat sich bereits entschieden – und zeigt jetzt eine klar Haltung – zumindest in einigen Fällen.


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