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Es muss nicht immer Spotify sein.

Sie bieten rund 30 Millionen Songs und kosten in der Vollversion meistens 9,99 Euro – auf den ersten Blick ist es völlig egal, ob man seine Musik mit Spotify, Apple Music oder einem anderen Dienst streamt.

Aber Musikgeschmäcker unterscheiden sich: Manche lieben es, sich selbst durch eine riesige Song-Bibliothek zu wühlen, andere erwarten auf den Punkt kuratierte Playlists und wieder andere spielen eh immer dieselben zehn Lieder. Und manchen ist einfach wichtig, dass sie nichts dafür bezahlen müssen.

Welcher Musik-Fan bist du?
Der Entdecker
(Bild: Fides Velten)

Den neuen Lieblingssong deines Kumpels hast du schon vor einem halben Jahr gefeiert. Damals kannte den in Deutschland noch keiner. Nur du. Täglich durchstöberst du englischsprachige Musikblogs nach den neuesten Trends.

Alben? Zu Mainstream. Deine Lieblingskünstler bringen EPs raus. Von den allermeisten wird kein normaler Mensch jemals etwas mitbekommen. Denn seien wir ehrlich: Dieses Post-Future-Irgendwas, das du total aufregend findest, klingt für den Normalo eher so, als wenn der Drumcomputer Schluckauf hatte. Du bist ein musikalischer Sonderling. Und das ist voll okay für dich.

Für dich ist Soundcloud der richtige Dienst. Da werden dir neue Tracks zwar nicht häppchengerecht serviert – du musst sie selber finden. Dafür pushen viele Künstler ihre Songs zuerst über Soundcloud, bevor sie irgendwann auch bei Spotify und Co. landen.

Auch Newcomer, die noch gar kein Label und erst wenige Tracks fertig haben, treiben sich hier herum. Diese zu finden, kostet Zeit und du musst selbst aktiv werden. Dafür kennst du immer alles als Erstes.

Der Konsument
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Für dich ist Musik ein Gebrauchsgut. Meistens hörst du eh Radio, aber zum Wachwerden, zum Joggen oder zum Vorglühen willst du schnell eine passende Playlist finden. Du hörst eigentlich alles, die Musiknazis unter deinen Freunden nerven dich eher. Wenn dieses Post-Future-Irgendwas so geil ist, warum ist es dann nie in den Charts?

Google Play Music wirbt um Hörer wie dich: Je nach Tageszeit und Wochentag bietet die App passende Song-Kollektionen an. Am Freitagabend steht die “Wohnzimmer Houseparty Warm-Up”-Playlist ganz oben in der App, am Donnerstagnachmittag die “Spaß beim Arbeiten”-Playlist – dass da auch mal Helene Fischer läuft, stört dich ja hoffentlich nicht.

Auch Apple Music und andere haben auf die Situation abgestimmte Playlists, allerdings oft tief vergraben in der App. Bei Google stehen sie ganz oben.

Allerdings hat Google kein werbefinanziertes Kostenlosangebot. Wenn dir der Dienst keine 9,99 Euro wert ist, bleibt dir noch der kostenlose Deezer- oder Spotify-Account. Zum Joggen kannst du deine Musik dann aber nicht mitnehmen: Songs offline hören kann man auch dort nur als Premium-Kunde.

Der Kenner


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Wenn dir gerade langweilig ist, liest du Wikipedia-Artikel von Musikern. Von deinen Lieblingsbands kannst du nicht nur die komplette Diskographie inklusive Jahreszahlen runterbeten, du kennst auch die nie auf Alben veröffentlichten B-Seiten auf Singles in und auswendig. Denn die sind meist völlig unterschätzt. Das stand jedenfalls in der Spex.

Weil du damals drei Jahre Gitarrenunterricht hattest, wirfst du außerdem gerne mit musikalischen Fachbegriffen um dich. Das nervt zwar die Leute um dich herum manchmal. Aber dir ist das auf deiner Mission egal. Es geht schließlich nicht um Irgendwas – es geht um Musik.

Du wirst dich wahrscheinlich bei Apple Music wohlfühlen: Deren eigener Radiosender Beats 1 wird von Zane Lowe und anderen weltbekannten DJs moderiert. Playlisten wie “Pixies für Kenner” oder die B-Seiten von Belle and Sebastian wecken den Rob Fleming in dir (der nerdige Plattenverkäufer aus Nick Hornbys “High Fidelity” – jaja, DU weißt das. Aber andere vielleicht nicht!).

Apropos High Fidelity: Wenn du auf perfekte Klangqualität stehst, reicht dir Apple vielleicht nicht aus. Bei Tidal und Deezer kann man für mehr Geld Musik in CD-Qualität streamen.

Der Unentschlossene
(Bild: Fides Velten)

Du würdest ja gerne auch mal neue Musik hören. Du weißt nur nicht was. Deshalb hörst du einfach weiter die Songs, die du auch schon die vergangenen fünf Jahre auf Rotation hattest. Wenn dir jemand von deinen Freunden eine neue Band empfiehlt, bist du dankbar. Das passiert nur leider viel zu selten.

Du brauchst jemanden, der dir ab und zu mal einen Tipp für gute neue Musik gibt. Wichtig dabei: Er muss dich kennen. Denn eigentlich weißt du ziemlich genau, was dir gefällt. Das weiß auch der Algorithmus von eigentlich allen gängigen Streamingdiensten ziemlich genau. Zusätzlich dazu kannst du Künstlern folgen und Playlisten mit Freunden teilen.

Trotzdem ist Spotify für dich der richtige Streamingdienst. Das Feature “Dein Mix der Woche” schlägt dir jede Woche 30 Songs vor, die deinen bisher gehörten Songs ähneln. Außerdem kannst du auf Spotify Leuten folgen, die den gleichen Geschmack wie du haben und sich richtig gut mit Musik auskennen. In der rechten Leiste verfolgst du, was die so hören. Und lässt dich davon inspirieren.


Der Remix-Fan
(Bild: Fides Velten)

Bei dir gibt es eigentlich kaum eine Situation, in der gerade keine Musik läuft. Sie ist für dich wie ein Grundrauschen. Wenn die Bässe gerade nicht pulsieren, fehlt dir irgendwas. Deswegen muss die Musik möglichst monoton sein. Sie darf nicht stören.

Am liebsten hörst du 90-minütige Sets von Live-DJs. Da sind die Tracks perfekt aufeinander abgestimmt, und du musst nicht alle paar Minuten was Neues anmachen. Als Vielhörer kennst du im Club fast jeden Song. Die meisten kannst du sogar mitsingen. Wie die heißen oder von wem die sind, weißt du nicht. Ist dir auch egal.

Was du brauchst: mehrstündige Remixes und gut abgestimmte Electro-Playlists. Die gibt es bei YouTube. Du musst nur den richtigen Kanälen folgen – zum Beispiel Majestic Casual. Die Macher laden regelmäßig neue Tracks hoch und haben Playlists für verschiedene Geschmäcker am Start. Aber auch mehrstündige Deep-House-Remixes gibt es bei YouTube. Der Nachteil: Vor einigen Videos musst du einen Werbespot ertragen.

Bei Soundcloud bist du richtig, wenn du schon ein paar Lieblings-DJs gefunden hast. Die laden dort meist ihren neuesten Mix vom letzten Wochenende hoch.

Der Sparfuchs
(Bild: Fides Velten)

Deine ersten Songs hast du bei Kazaa oder Pirate Bay runtergeladen – oder von der Festplatte eines Schulfreundes kopiert. Musik muss frei verfügbar sein, findest du. Warum sollst du Musiker-Millionären und Labels dein Geld in den Rachen werfen? Verklagen können sie dich auch nicht mehr, seit es Streaming gibt. Da kann sich Taylor Swift aufregen, wie sie will.

Die Werbungen auf Spotify nerven dich. Aber du zahlst doch nicht, nur um die abzustellen. Zusammen mit Soundcloud, YouTube und Vevo für den neuen Kram hast du eigentlich alles, was du brauchst.

Mal sehen, ob das so bleibt. Die Musiklabels drängen Spotify angeblich, sein Kostenlos-Angebot einzuschränken und drohen SoundCloud wegen ungeklärter Urheberrechte mit Klagen. Und YouTube hat mit Red bald auch seinen eigenen Bezahldienst, bei dem mancher exklusvier Content nur noch für zahlende Kunden zugänglich sein wird. Am Ende kehrst du vielleicht doch wieder zum Filesharing zurück.

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Der Faire

Du feierst Adele und Coldplay, wenn sie ihre Alben nicht auf Spotify anbieten und wenn Taylor Swift die Schweden für ihre Knickerigkeit basht. Ein Bruchteil von einem Cent pro Stream – wer soll davon leben? Es ist doch okay, Geld für gute Musik auszugeben, findest du. Für Klamotten bezahlt man ja auch, und die bringen dich nicht zum lauten Mitsingen in vollbesetzer U-Bahn.

Tidal könnte dein Dienst sein. Der Streaming-Service von Jay-Z will besser mit Künstlern umgehen als die Konkurrenz. Von den 9,99 Euro pro Monat für Tidals Basisdienst fließen 75 Prozent an die Rechteinhaber der Musik, mehr als bei Apple (71,5 Prozent) oder Spotify (70 Prozent). Auch Apple Music und Google Play geben mehr Geld an Künstler weiter als andere.

Mit 30 Millionen Songs ist Apples und Googles Musiksammlung etwa genauso groß wie Spotifys, Tidal hat insgesamt weniger Tracks (25 Millionen). Streaming-Kritiker wie Taylor Swift oder Prince, die sich von Spotify zurückgezogen haben, kann man bei den dreien aber weiterhin hören.

Der Live-Fan
(Bild: Fides Velten)

Musik ist Erlebnis für dich. Am liebsten stehst du selbst vor dem Wellenbrecher, wenige Meter entfernt von deiner Lieblingsband und springst im Takt. Du liebst die Light Shows, du liebst ihre Witze auf der Bühne, du liebst sogar die kleinen Aussetzer, und wenn die Stimme des Sängers für eine Sekunde zu brechen scheint.

Bei YouTube gibt es unzählige Konzertschnipsel von mal besserer, mal schlechterer Qualität und Apple Music featuret exklusive Konzerte, im September sogar von seinem eigenen Festival (zum Beispiel mit The Weeknd, One Direction und Disclosure). Letzteres gibt es nach drei Monaten Testphase aber nur gegen Geld.


Alle Illustrationen in diesem Text stammen von Fides Velten