"Es lief auf einmal Enya"

Eine neue Studie aus Kanada sagt, dass Musik eine ähnliche Wirkung auf Menschen hat wie Sex und Drogen. Das bedeutet, dass das Zentrum im Gehirn für Spaß und Zufriedenheit mit Musik ebenso gut stimuliert werden kann. (NME)

Aber was passiert, wenn Musik und Sex zusammenkommen?

Dann kommt es zu diesen Situationen, in denen man bei dem einen Lied von Bilderbuch nur noch an den schlechten One-Night-Stand denken kann. Oder bei Yung Hurn Sehnsucht nach dieser einen Nacht im November mit der Ex bekommt.

Wie wichtig ist euch Musik beim Sex und in einer Beziehung? Und bei welchen Songs herrscht erstmal tote Hose? Fünf junge Menschen berichten von ihren Erfahrungen:

Samuel, 24, Auszubildender, in einer Beziehung. Legt nicht immer viel Wert auf Musik beim Sex, aber zu bestimmten Zeitpunkten versetzt es ihn und seine Freundin in eine besondere Stimmung.

"Im meinem Alltag brauche ich Musik immer, außer wenn es zum Beispiel um spontanen Guten-Morgen-Sex geht, da wäre Musik einfach hinderlich. Wo kämen wir denn da hin, wenn man nochmal aufsteht, bevor man loslegt. Wenn jemand aber Lust hat auf Musik beim Sex, dann empfehle ich auf jeden Fall das neue Tame Impala Album "Currents". Seitdem ich das in mein Sexleben integriert habe, finde ich die Musik auf jeden Fall noch viel besser.

Insgesamt kann man sagen, dass es die Schnelligkeit von Musik schon wirklich den Sex beeinflussen kann. Es ist ja auch wie beim Laufen, wenn man schnellere Musik hört, dann läuft man auch schneller. Ich glaube, ich könnte nie zu Schranz oder so guten Sex haben.

Ich wäre immer eher bei Indie am Start oder auch dem roten Beatles-Album – das kann man gut durchlaufen lassen beim Sex. Aber ganz ehrlich, ich glaube es wäre saukomisch, wenn beim Sex so harter Rap läuft und ich höre dann quasi Musik über Sex. Oder die Band We Butter The Bread With Butter – die hören sich an, als wenn jemand ins Mikrofon rülpst. Da würde ich dann auch beim Sex aufstehen und gehen, wenn das läuft."

Und jetzt du: Wie wichtig ist dir Musik beim Sex?

Antonia, 23, Studentin, Single. Musik spielt für Antonia keine große Rolle, um beim Sex in Stimmung zu kommen.

"Für mich geht Sex auch sehr gut ohne Musik. Musik gibt mir jetzt nicht so viel extra Gefühl, außer, wenn sie schon läuft und wirklich zur Situation passt. Wenn man gerade eh Musik anhat, es eine ruhige, schöne Jamsession-Playlist ist und man quatscht und kuschelt, dann ist es aber schon schöner, als wenn Stille angesagt ist. Ich erinnere mich an eine Situation, da lief Bon Iver – so ganz ruhige Indiemusik – das war schon toll. Aber wenn schon Musik, dann passt für mich eher Romantisches zum Sex.

Schwierig wird es aber, wenn der Typ Musik anmacht, von der er denkt, dass kommt jetzt total geil, aber das geht manchmal echt richtig nach hinten los. So gar nicht geht für mich, wenn man die Musik extra anmachen muss. In diesem Moment ist definitiv keine Musik besser als so gewollte Stimmungsmusik. Außerdem ist es manchmal echt schöner, wenn es gerade total close und intim ist, keine Musik laufen zu lassen.

Ich finde, wenn man sich nicht lange kennt und so Bettgeschichten schneller zu Stande kommen, dann kann man an der Musik, die der Typ anmacht, auf jeden Fall seinen Vibe erkennen beim Sex. Ich hatte da mal so eine Begegnung und er hat RnB angemacht, was zur heißen Stimmung, die wir hatten, passte und auch dazu, dass unsere Gespräche jetzt nicht so tiefgründig waren."

Heute Abend noch nix vor? Dann mach unser Quiz:

Paul, 21, Abiturient, Single. Baut sich Playlists, die er gerne währenddessen anmacht – der Shufflemodus ist deswegen sein bester Freund.

"Ich finde in der Regel gehört bei mir Musik zum Sex. Ich baue eigentlich immer an einer Playlist meiner liebsten Songs. Und die Version der Playlist ohne Asi-Deutschrap mache ich gerne beim Sex an. Im Moment wohne ich wieder zu Hause, und die Musik hat dann auch noch den praktischen Vorteil die Geräusche ein wenig zu neutralisieren. Am meisten gibt’s dann so Sachen wie J.Cole in der Rotation, weil er nicht so rough ist in seinem Soundbild und die Texte von ihm nicht direkt vom "Hoodlife" erzählen.

In meiner letzten Beziehung mussten wir uns aber zum Beispiel erstmal eingrooven, was die Liederauswahl anging. Meine Ex war da mehr für Florence + the Machine zu begeistern – geht für mich gar nicht! Ich hätte damals aber voll gerne Kendrick Lamar gehört, das war dann für sie unmöglich. Irgendwie kamen wir da also erstmal nicht zusammen. Wir haben uns dann aber gegenseitig ein bisschen Musik gezeigt und uns dann auf soften Rap einigen können – Kompromisse machen ja auch eine gute Beziehung aus. Und der in dessen Zimmer wir waren, war dann aber auch gleichzeitig ein bisschen der Herrscher über die Sexmusik.

Selbst wenn einen mal die Musik aus der Ruhe bringt und man die Skip-Taste drücken muss, ist Musik einfach ein wichtiger Bestandteil. Ich musste das zum Beispiel bei einem Meek-Mill-Album machen, als ein Skit kam, der sich nach Porno anhörte. Da hat sich meine damalige Freundin erstmal umgedreht und dachte, ich hätte währenddessen den Fernseher angemacht."

Die Musik ist nicht das Problem? Dann hier ein paar Tipps für Toys:

Marie, 27, Studentin, in einer Beziehung. Musik während des Sex ist für Marie eine wichtige Angelegenheit. Sie hat ganz präzise Vorstellungen darüber, wie die Musik ihre Stimmung beeinflussen soll.

"Beim Sex kommt es für mich auf die Umstände an, und je nachdem in welcher Situation ich mich befinde, ist die passende Musik dabei. Insgesamt ist mir Musik beim Sex wirklich wichtig. Daher habe ich mir unterschiedliche Playlisten gebaut. Da gibt es ganz unterschiedliche Genres, aber im Allgemeinen mag ich vor allem elektronische Musik beim Sex. Dabei redet keiner, also es gibt kein Gesang oder Text der mich ablenkt und oft hat so ein Chillstep oder Electronica einen wirklich guten Rhythmus. Den besten Sex hat man aber zu "Sail" von Awolnation.

Neben der Richtung ist es total wichtig, dass die Musik aus einer guten Anlage kommt. Wenn man über das Handy Musik anmacht, kann das echt die Stimmung killen. Der Sound ist super wichtig und dass keine Werbung zwischen den Songs kommt. "Sexy-Time" kommt für mich auch gar nicht auf, wenn der andere etwas anmacht, was ich einfach per se voll schrecklich finde: zum Beispiel bei meinen persönlichen Hass-Interpreten Scooter, Helene Fischer, Rosenstolz oder Silbermond.

Aber musikalische Missgeschicke können jedem Mal passieren. Ich hatte auch mal einen "neuen" Mann bei mir zu Hause und dann lief so eine YouTube-Playliste, weil zu mehr keine Zeit war – ich war noch jung und dumm. Und es lief auf einmal Enya mit dem Song "Only Time" – da mussten wir einfach loslachen. Nachdem wir die Musik dann ausgemacht haben, ging es aber trotzdem zum Glück noch weiter."

Sophia, 29, Lehrerin, in einer Beziehung. Musik ist essentiell wichtig für ihr Sexleben – gerade in Beziehungen, bei kurzweiligen Liebesgeschichten aber eben auch, dass sie manchmal nicht läuft.

"Ich erinnere mich noch an meinen ersten Liebesbrief, der gefüllt war mit unzähligen Songzitaten. Wenn es um Liebe geht, geht es bei mir also auch um Musik. In einer festen Beziehung kann Musik den Sex auch noch viel intensiver machen! Insgesamt bringen mich Childish Gambino, Erykah Badu oder D’Angelo super oft in eine sexy Stimmung, in der ich mich fallen lassen kann. Manchmal hab ich bei der Musik schon das Gefühl, dass mir das Blut in den Unterleib fließt.

Wenn ich gerade mal keinen festen Partner habe und durch die Gegend wildere, dann finde ich es aber super hinderlich, nach der Disko um sechs Uhr morgens noch nach passender Musik zu suchen. Dafür habe ich mir mal eine Sex-Playlist angelegt. So richtig funktioniert das aber auch nicht. Mit ein bisschen Alkohol im Blut den anderen darauf warten zu lassen, dass der Computer hochgefahren ist, fördert den Körperkontakt absolut nicht.

Mein bestes Musikerlebnis beim Sex hatte ich zusammen mit meinem ersten Freund. Nach einer längeren Zeit voneinander getrennt, hatten wir beide Lust auf ein intensives Erlebnis und auch noch sturmfrei in der WG. Deswegen haben wir uns einen Joint geteilt, er hat Jimi Hendrix aufgelegt und mich auf die Küchenzeile gesetzt. Wir hatten eine abgefahrene Nacht – nach dem Motto: Sex, Drugs and Rock'n'Roll. Sehr empfehlenswert."

Du brauchst ein bisschen Inspiration? Hier findest du die Musik aus den Interviews in einer Spotify Playlist:

Trip

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