Bild: Jenny Schaefer / Buback Tonträger
Und über Genitalien.
Du hast mir gezeigt, dass es egal ist, wenn man liebt. Schmeckt der Kopf nach Füße und der Genitalbereich nach Pisse.
Schnipo Schranke

So singen Daniela und Fritzi über Liebe – und sprechen damit anscheinend vielen Menschen aus der Seele. Bereits zwei Jahre nach ihrer Gründung haben Schnipo Schranke ihren ersten Hit. In "Pisse", aus dem diese Textzeile stammt, treffen leichte Klavierakkorde, treibendes Schlagzeug und Synthiesounds auf deftige Worte. Dieses Rezept findet man in vielen ihrer Lieder.

Leichte Popsongs und derbe Texte: Daniela Reis (27) und Fritzi Ernst (26) sind Schnipo Schranke(Bild: Nina Romming)
"Das geschieht aus großer Selbstverständlichkeit heraus, weil wir uns auch privat so unterhalten", erklärt Daniela. "Ich glaube, dass das für viele Leute ganz normal ist, solche Wörter zu benutzen. Es ist nur ungewöhnlich, die in einen Songtext einzubauen", sagt Fritzi. Der Bandname Schnipo Schranke steht für ein Gericht aus deutschen Imbissen: Schnitzel, Pommes/rot-weiß. Von diesem Snack hat die Band das erste Mal in einer Sendung von Kurt Krömer gehört und als für sich passend befunden.
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Ihr Album "Satt" dreht sich viel um das Thema Liebe, sehr viel um Privates. "Am Ende vom Tag interessiert uns nichts mehr als die aktuelle Beziehung oder Nicht-Beziehung. Das ist irgendwie auch total schäbig, weil sehr viel in der Welt abgeht, was eigentlich wichtiger ist", sagt Daniela. Deshalb stecke in ihrer Themenwahl auch Selbstkritik und gleichzeitig der Wunsch, sich einfach mit dem zu beschäftigen, was tatsächlich in ihren Köpfen und Herzen abgeht.

Die zwei Frauen lernten sich in der Raucherecke der Musikhochschule Frankfurt kennen. Fritzi studierte Blockflöte, Daniela Cello. Beiden fehlte im Studium die Kreativität. Also fingen sie an, nebenher zu musizieren. Zunächst covern sie Schlager und probieren sich an Jazz. "Einfach, weil wir Helge Schneider so geil fanden. Wir dachten: 'Oh man ey, der hat so einen Spaß im Leben.' Das wollten wir auch." Die Idee mit dem Jazz wurde dennoch schnell verworfen und nachdem ihr Gitarrist abspringt, weil er ihr Projekt zu albern findet, beschließen Daniela und Fritzi, mit ihrer selbst geschriebenen Musik berühmt zu werden. "Bei uns war das so, dass das erste Album knallen muss", sagt Daniela. Wäre das nichts geworden, hätten sie aufgehört.

Ihr erstes Album „Satt“ ist seit diesem Herbst draußen.(Bild: Buback)

Müssen sie erst mal nicht. Bis Anfang Dezember wird getourt: durch ganz Deutschland, die Schweiz und Österreich, gefolgt von einem weiteren Block im April. Die persönliche, direkte Art ihrer Texte übertragen die zwei auch auf die Bühne. Dort stehen drei Instrumente: Keyboard, Schlagzeug und Synthesizer. Daniela, Fritzi und Ente Schulz – Danielas Ehemann – wechseln munter zwischen den Instrumenten hin und her und singen sich die Seele aus dem Leib. "Die Leute sollen für die fünfzig Minuten, die wir da auf der Bühne herumhopsen, alles andere vergessen, einfach Spaß haben und sich über unsere Lyrics freuen", meint Daniela.

Die Pausen zwischen den Konzerten nutzen die beiden, um an neuen Songs zu feilen, denn das nächste Album haben sie schon fest im Blick. "Ich habe Bock, beim nächsten Mal inhaltlich richtig tief zu gehen und krasse private Themen anzusprechen", sagt Daniela. Wichtig ist beiden, dabei trotzdem den Humor nicht zu verlieren. Sie lockern ihre Liebeslieder immer wieder mit dem einen oder anderen Fäkalwitz auf.

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