Bild: dpa / Sony Music

Miley Cyrus hat ein neues Album am Start: "Younger Now" heißt die Platte, die seit Freitag in den Regalen steht.

Ihr Debütalbum "Meet Miley Cyrus" kam vor zehn Jahren raus – die Sängerin war 14 und kam frisch aus der fröhlichen Kaugummi-Welt namens Disney. Es folgten weitere Pop-Langspieler, bis Miley 2013 mit "Bangerz" den Befreiungsschlag wagte: Nackt saß sie auf einer Abrissbirne und etablierte den Begriff "twerken" im Tanzvokabular. 

Frisch deine Erinnerung nochmal auf – das war das Video zu "We Can't Stop":

Ihr neues Werk "Younger Now" führt Miley wieder zurück zu ihren Wurzeln – der Countrymusik. Ihr Vater Billy Ray Cyrus hat 12 Alben des Genres veröffentlicht, ihre Patentante ist die Country-Korihphäe Dolly Parton.

Sie lässt es ruhiger angehen: Sanfte Gitarrenklänge dominieren, Jack Johnsons Musik könnte für die Songs Modell gestanden haben. Weniger Hollywood, mehr Südstaaten-Flair. 

Miley wirkt gelassener – und irgendwie seltsam erwachsen.
https://open.spotify.com/album/5xG9gJcs9ut3qDWezHUlsX

Die erste Auskoppelung "Malibu" ist ein Song, der die Leichtigkeit eines sonnigen Strandtages einfängt. In "Younger Now" erklärt die 24-Jährige ihre Wandlung von der Zunge rausstreckenden Rotzgöre zur gereiften Mittzwanzigerin, deren Vergangenheit sie zu der Miley gemacht hat, die sie heute ist. 

I'm not afraid of who I used to be. No one stays the same.
Miley Cyrus in ihrem Song "Younger Now"

Mit ihrer Patentante nimmt Miley den Song "Rainbowland" auf und greift so richtig in die Kiste der Volksmusik: Eigentlich will Miley auf ihr Engagement für die LGBT-Community aufmerksam machen. Inhaltlich geht es in dem Lied um ein Traumland, in dem jeder leben und lieben kann, wie und wen er will. Dazu ertönen Fiedeln, Miley und Dolly singen im Einklang ihre Hymne der Harmonie. Uff.

Bei allem Engagement: Wenn Einhörner Konfetti kotzen könnten, würden sie es an dieser Stelle tun.

"A week without you" handelt von Herzschmerz, Miley wirkt antriebslos, der Rhythmus der Gitarre so langsam, dass das Lied als Einschlafhilfe funktionieren könnte. Es wird spekuliert, dass Miley mit dem Text die kurzzeitige Trennung von Schauspieler Liam Hemsworth aufarbeitet.

Ähnlich lethargische Songs sind "Miss You So Much", "I Would Die For You" oder "She's Not Him" – leider richtig langweilig. 

Die Ausreißer auf dem Album sind die vergleichsweise düsteren Tracks: "Thinkin" hat Up-Tempo-Charakter, das Lied wirkt wie von den Neptunes rund um Pharrell Wiliams produziert. "Bad Mood" ist folkig und klingt nach wildem Westen, die Schwere der im Text beschriebenen schlechten Laune zieht sich durch den Song und treibt ihn an. "Love Someone" handelt von der Entscheidung, sich endlich von seiner Beziehung zu trennen und erinnert an die Band "The Roots".  

Das Album zeigt Mileys erwachsenes Country-Rückgrat – leider so erwachsen, dass es öde wird.
Okay, sie gehört jetzt zum Kreis der Erwachsenen, die Abnabelei ist durch. Darunter leidet ihre musikalische Experimentierfreudigkeit und das ist schade. 

Wer Miley vor ihrer wilden Phase verfolgt hat, kennt möglicherweise die "Backyard Sessions". Cyrus performt mit kleiner Band im Garten, ihre Version von Dolly Partons Klassiker "Jolene" wurde rund 130 Millionen Mal auf Youtube gesehen. 

Auch Country, aber mit wesentlich mehr Drive:

"Younger Now" plätschert dahin, lediglich an den melancholischen Stellen hört man wirklich hin und lässt sich von Miley Cyrus' außergewöhnlicher Stimme mitziehen. Vielleicht kommt beim nächsten Album die Krawallnudel wieder durch – zumindest ein bisschen.

Du vermisst Mileys wilde Zeiten? Dann schau dir ihr altes Video "BB Talk" an:


Future

Warum die Anwesenheitspflicht an der Uni endlich abgeschafft werden sollte

Der Prof sitzt am Pult und hält seine Monologe, gelangweilte Studenten unterhalten sich im Flüsterton, scrollen bei Facebook und Instagram – oder verstecken sich hinter ihren Laptops für ein kleines Nickerchen

Alles klar, das Seminar wird nur aus einem Grund besucht: Anwesenheitspflicht.

Seit Jahren ein Streitthema unter Studierenden, Lehrkräften und Vertretern der Landesregierungen

Durch die Bologna-Prozesse haben sich die nervigen Unterschriftenlisten in einigen Bundesländern wie Baden-Württemberg durchgesetzt – dort dürfen die Hochschulen selbst entscheiden. 

NRW will jetzt eine ähnliche Regelung: Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) will den Hochschulen bald die Wahl lassen. Ein ewiges Hin und Her – erst vor drei Jahren hatte die rot-grüne Landesregierung die Präsenzpflicht abgeschafft. (Spiegel Online)