Beim Pop-Kultur Festival in Berlin

Während des Pop-Kultur Festivals stehen derzeit abends in Berlin-Neukölln internationale Perlen des Pop, Elektro, Punk und Rock auf den Bühnen. Die Tage hingegen gehören ganz dem Nachwuchs: In Workshops lernen mehr als 300 Nachwuchskünstler, wie sie Songs professionell produzieren, sich selbst vermarkten und Verträge aufsetzen.

Wir haben mit ihnen gesprochen: Wie wagt man den Sprung ins Ungewisse? Wovon träumen sie? Und mit welchen Problemen kämpfen sie?

Fabian Wahrscheinlich, 33, und Bruder PanOptimus, 29, aus Köln

Mit unserer alten Band Alugobi haben wir unser Debütalbum "Spirale" mit 17 Songs produziert. Mein Bruder und ich haben es für 6000 Euro im Alleingang finanziert: Wir kratzten alles zusammen, was wir hatten - und wussten trotzdem nie, ob wir in der nächsten Woche die Kohle für den Produzenten haben würden.

Es nervte, mit so vielen Musikern zusammenzuarbeiten: Wir waren zu fünft und mein Bruder und ich mussten oft hinter den anderen herlaufen und sie motivieren.

In der Slideshow: Die besten Bilder vom Pop Kultur Festival 2016

1/12

Im vergangenen Oktober haben wir uns deswegen auf ein Duo reduziert. Jetzt heißen wir Optimal. Wir singen beide, ich spiele E-Gitarre, Pan die Keys. Im vergangenen Dezember hatten wir unseren ersten Testauftritt in Köln. Der war genial.

Ich will richtig durchstarten. Früher habe ich gesagt: berühmt sein? Nee, lass mal. Inzwischen denke ich: Warum eigentlich nicht? Ich habe Bock, auf richtig großen Festivals zu spielen, vor einer wirklich großen Menge, meinen Kram einfach rauszuhauen.

Antonio Herrera, Mexikaner aus Berlin

Ich komme aus Mexiko und lebe seit fast zwei Jahren in Berlin. Ich mache Pop mit Alternative- und RnB-Einflüssen. Wenn es um meine Kunst geht, bin ich sehr eigensinnig. Ich will mir da nicht reinreden lassen. Deswegen mache ich inzwischen alles selbst: Ich schreibe die Songs, singe und produziere.

Als kleines Kind liebte ich es schon, Songs von anderen zu singen – von Disney-Songs bis Justin Timberlake. Je älter ich wurde, desto mehr habe ich den Drang verspürt, meine eigene Geschichte zu erzählen – also habe ich angefangen, selbst zu komponieren.

Früher dachte ich, ich muss andere davon überzeugen, dass ich es drauf habe. Dann habe ich verstanden, dass ich zuallererst mich selbst überzeugen muss. Seitdem ich das realisiert und ich meine eigene Stimme gefunden habe, bin ich sehr viel selbstbewusster, was meine Kunst angeht.

Mein Traum ist, eines Tages meine Platte in Vinyl in den Händen zu halten. Dieses Physische ist für mich etwas ganz Besonderes.

Zara Karlin Freund, 20, aus Lippstadt

Ich habe meine erste Single mit 14 produziert – mit dem Gitarristen von Westernhagen. Mein Stiefvater ist Berufsmusiker und gut in der Szene vernetzt.

Das ist jetzt gut fünf Jahre her – und ich würde gern ein neues Projekt starten. Mein Traum ist es, allein mit einer Band meine Songs umzusetzen, meine Leidenschaft leben zu können und mit meiner Musik unterschiedliche Menschen zu erreichen.

Aber ich komme aus Lippstadt in NRW. Da ist es gar nicht so leicht, gute Musiker zu finden. Außerdem mache ich gerade Fachabi im Gesundheitswesen und bin vor einem Jahr bei meinen Eltern ausgezogen. Ein holpriger Start, ich hatte viele andere Dinge zu organisieren und konnte mich nicht voll auf die Musik konzentrieren.

Vor allem als Solo-Künstler ist es oft schwierig, am Ball zu bleiben. Ich glaube, eine Band zieht einen öfter mit. Da fällt es leichter, seine Ziele konsequent zu verfolgen.

Julie Vee, 24, aus Hannover

Ich mache elektronischen Synthpop, sehr gechillt, Downbeat, ein bisschen TripHop angehaucht, vielleicht vergleichbar mit FKA twigs oder Kelela. Ich habe einen Produzenten und eine Live-Band, aber ich sehe mich als Solo-Künstlerin.

Zuerst habe ich viel mit Musikern gespielt, auch viel gejammed. Aber das ist nie dem gerecht geworden, was ich mir vorgestellt habe. Denn in der Musikrichtung, die ich mache, geht es viel um Sounds, um Feinheiten in der Produktion.

Bald soll meine erste Single erscheinen. Jetzt bin ich vor allem in Berlin, um mich mit potentiellen Partnern zu treffen und herauszufinden, ob vielleicht ein Label, Vertrieb oder Künstlermanager Interesse hat.

Mein Traum ist, auf dem Festival South by Southwest in Austin aufzutreten. Und mal mit FKA twigs zu spielen – das wäre der Hammer.

Scaarlet

Wir wollen weder unsere Namen, noch Gesichter, Herkunft, Alter oder Geschlecht veröffentlichen. Wir sind Scaarlet – ein Kollektiv. Unsere Kunst ist dunkel, überraschend, ohne Grenzen.

Musik sollte frei für alle sein, davon sind wir überzeugt. Deswegen wollen wir damit auch kaum Geld verdienen, wir wollen nicht berühmt werden. Jeder von uns hat noch einen anderen Job. Wir versuchen bloß, am Ende des Monats bei 0 herauszukommen.

In der Vergangenheit war elektronische Musik genau das: ein Zeichen der Gleichheit; ein politisches Signal, selbst wenn die Musik nicht explizit politisch war. Dann aber veränderten sich die Zeiten und das Business: Schon im Studio 54 wurden schwarze Künstler aufgrund ihrer Hautfarbe an der Tür abgewiesen.

Unsere Masken sind ein Zeichen, ein Symbol: Wir verweigern uns damit jeder Form von Star-System, Rassismus und Sexismus. Unser Traum ist, dass Musik irgendwann ganz frei davon sein kann – und jederzeit für jeden zugänglich.

Max Korinsky, 32, mit Bruder Abel Korinsky, 31, aus Berlin

Ich habe Malerei, meine beiden Brüder Abel und Carlo haben Sound studiert - das wollten wir verknüpfen. Jetzt mischen wir synthetische und analoge Klänge, um damit architektonisch interessante Orte zu inszenieren. Wir haben zum Beispiel schon den Berliner Dom zum Klingen gebracht oder in Teheran bei einem Festival Drohnen-Sounds über Dachterrassen schallen lassen. Inzwischen waren wir bis auf Afrika schon auf jedem Kontinent unterwegs.

Wir könnten auch Achterbahnen oder Fahrstühle beschallen und dafür Hunderte pro Minute kassieren – aber wir wollen Kunst machen. Das bedeutet einiges an Aufwand: Wir suchen die Orte, die wir bespielen wollen, selbst raus, dann suchen wir nach passenden Förderungen und Ausschreibungen. Das ist viel Büroarbeit und Papierkram, aber dadurch wachsen einem die Projekte auch ans Herz.

Am Anfang war für uns der maue Januar und das Sommerloch schwierig, dann schließen alle Museen – wir wurden beim ersten Mal sehr nervös. Inzwischen können wir damit umgehen. Als Familienunternehmen unterstützen wir uns auch sehr gut gegenseitig. Außerdem reden wir ehrlich darüber, wenn es mal ein Tief gibt. Das ist selten in der Künstlerszene: Angeblich läuft’s da bei allen immer total super.

Julia Vej, 30, aus Hamburg

Ich bin Singer/Songwriterin. Vor zwei Jahren habe ich angefangen, zu komponieren. Am Anfang auf Englisch, inzwischen auf Deutsch. Früher habe ich in Skandinavien gelebt, da war Englisch natürlich meine Hauptsprache. Als ich wieder richtig in Deutschland ankam, habe ich mich ganz neu in die deutsche Sprache verliebt.

Ich habe Geige studiert, dann einen Master in Kulturmanagement gemacht, arbeite inzwischen hauptberuflich in der PR und mache nebenher meine Musik.

Man muss als Anfänger sehr viel dafür tun, dass Menschen zu Live-Konzerten kommen. Den Anfang habe ich mit kleinen Hauskonzerten gelegt, erst bei mir zu Hause, dann bei Freunden, die wiederum andere Freunde eingeladen haben. Das war für mich ein guter Start – ich war noch sehr schüchtern und konnte viel ausprobieren.

Inzwischen schreibe ich Anfragen an Locations und Festivals. Vor ein paar Monaten war ich zum ersten Mal bei einem Songwriter-Wettbewerb dabei. Das hat mir echt Spaß gemacht, ich habe viele andere Menschen und viel Neues kennenlernt.

Komischerweise habe ich nie daran gedacht, damit berühmt zu werden. Mir ist wichtiger, ein gutes Konzept zu entwickeln, das mein Publikum live mitreißt. Ich will Menschen mit meinen Songs wirklich berühren.


Haha

Es gibt Anmachen – und dann gibt es Tinder-Sprüche

Bei einigen fragt man sich, ob sie Lack gesoffen haben. Bei anderen wischt man genervt weg. Und dann sind da noch Tinder-Nachrichten, die irgendwo zwischen wahnsinnig und ganz lustig liegen. Marie und Tim lassen sich die besten Nachrichten schicken und zeigen sie auf ihrer Seite TinderWahnsinn.

Dort lässt sich ansehen, wie Dating im 21. Jahrhundert aussieht. Neben Sprüchen, die man vielleicht lieber nicht kopieren sollte, gibt es dort Unterhaltungen mit hohem Comedy-Faktor. Zum Beispiel wenn der angebliche Knasti nach einer Feile im Kuchen fragt und dann erst mal für ein paar Tage in Einzelhaft verschwindet.

Was auf Tinder noch alles passiert: