Okay Leute, hier sind die Eckdaten: Pietro Lombardi hat am Freitag einen neuen Song herausgebracht. Er heißt "Phänomenal", ist ein Sommerlied und erinnert sehr an diese ganze "Senorita"-Angelegenheit mit Kay One im vergangenen Jahr (bento). 

Das Lied belegt sowohl Platz eins in den iTunes-Charts als auch in den YouTube-Trends. Die Leute lieben es also offenbar.

So viel zu den Fakten. Doch jetzt kommen die Gefühle. Und die sind bei den meisten vermutlich: "Oh mein Gott, Pietro Lombardi, hau ab mit dem Mist!"

Glaubt mir, ich wollte den Song richtig gerne hassen. Ich wollte zynische Tweets lesen und mich gemeinsam mit anderen Menschen unseres eigenen tollen Musikgeschmackes vergewissern und solche "Sommerhits" verurteilen.

Aber so einfach ist das leider nicht.

Klar, der Song ist wirklich keine Perle der Musikgeschichte. Es geht darin um eine attraktive – nein, um eine "phänomenale" Frau. 

Ob Pietro das Wort vorher schon kannte oder nicht, ist unklar. Gewiss ist aber, dass er das Reimpotenzial des Wortes erkannt hat. Und das gnadenlos ausschöpft. 

Kostprobe:

"Wie du dich bewegst, ist nicht normal.

Die anderen Frauen sind mir egal.

Ich sag es dir gerne noch einmal.

Du bist phänomenal, phänomenal, phänomenal."

Wow. Oder um es reimend zu sagen: total genial.

Dazu sieht man im Video leicht bekleidete Mädels, deren körperliche Attribute in gefühlter Endlosschleife besungen werden. All das reicht vollkommen aus, um richtig über den Song abzuhaten.

Doch dann ertappe ich mich plötzlich dabei, wie ich den lahmen Refrain kurze Zeit später vor mich hin summe.

Denn was hier passiert, ist der "Despacito"-Effekt:

  • Dass man plötzlich zu einem Lied tanzt, das man eigentlich aus tiefster Seele ablehnt – weil die Sonne scheint und man einen Drink in der Hand hält und auf einmal alles egal phänomenal ist. 
  • Oder dass man den gehassten Song plötzlich gar nicht mal so weit unten in seinem Spotify-Jahresrückblick entdeckt – weil man ihn eventuell "ein paar Mal" zu Hause beim Putzen angemacht hat und dabei das Gefühl hatte, man sollte definitiv eine Latin-Tanzkarriere starten.

Mhh-hm! 

(Bild: Giphy )

Ihr könnt euren tiefgründigen "Ich höre nur Singer-Songwriter-Folk"-Freunden gerne erzählen, dass ihr eher sterben würdet, als solche Lieder zu hören. 

Aber mit größter Wahrscheinlichkeit ist das eine Lüge. Denn wir sind alle schon mal in die Sommerhit-Falle getappt. Deshalb sind die Pietro Lombardis, Louis Fonsis und Daddy Yankees dieser Welt ja auch so erfolgreich mit ihrer immer gleichen, tanzbaren und latent sexistischen Feelgood-Mucke.

Und hier ist der Grund dafür: Weil es leider einfach Spaß macht. 

Und weil vielleicht gerade die Menschen, die sonst sehr viel Wert auf ihre Musiksammlung und ihr entsprechendes Image legen, ab und zu auch einfach mal wieder zu "Gasolina", "Bailando" oder "Hammer" abgehen wollen – so wie damals. 

Ja, du bist vermutlich nicht mehr 16. Aber du darfst trotzdem auch mal schlechte Musik hören und das richtig hart feiern!

Also: Falls du in der Sonne mit deinen Freunden tanzt und der DJ legt Pietro auf, hast du zwei Möglichkeiten. Du kannst einfach drei Minuten lang den Kopf ausmachen und die Moves auspacken, mit denen du dich selbst vor deinem Schlafzimmerspiegel beeindruckt hast. 

Oder du kannst dich augenrollend über die schlechte Musik beschweren und damit den Freunden den Spaß verderben, denen ihr Musikgeschmack-Image ziemlich egal ist.

In welchem Szenario hast du am Ende mehr Spaß? Genau.


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