"Meine Nation ist Mensch. Mein Land ist die Welt. Mein Glaube ist eine Sache zwischen mir und Gott."

Viele regen sich derzeit über rechten Hass im Netz auf, über Bilder von Pegida-Demos und islamistische Hetze – aber nur wenige tun es mit so einer Wut wie Gangsta-Rapper Parham Vakili, 26, der sich "PA Sports" nennt. Wohl deshalb hat sich dieses Video so schnell im Netz verbreitet. Es geht darin um Fremdenfeindlichkeit, Nationalstolz oder religiösen Fanatismus.

Er sagt: "Ich hasse diese Menschen, die nichts anderes in ihrem Leben haben als 'Das ist meine Flagge, das ist mein Land'." Ein Musiksender sprach mit Vakili, der selbst iranische Wurzeln hat, zunächst über Beef mit seinen Rapper-Kollegen, dem neuen Album und den Song "100 Bars Legacy" – dann wurde es plötzlich politisch. Der vierminütige Ausschnitt wurde bis zum Mittwochnachmittag fast 35.000-Mal geteilt.

bento hat PA Sports befragt – zu Kriminalität und Hass im Netz. Er sagt: "Dass so ein Video mit diesem besagten Statement dann so durch die Decke geht und Anklang findet, überrascht und beruhigt mich zugleich."

Was passiert im Video?

Mit einer Bomberjacke, schwarzem Pulli und kurz geschorenen Haaren sitzt er dem Interviewer gegenüber, beginnt noch relativ entspannt zu reden. Dann hebt sich seine Stimme. Er regt sich auf über Menschen, die andere anhand ihrer Religion bewerten – oder dem Land, aus dem sie kommen.

Die wichtigsten Zitate:
  • "Ich hasse nationalistische Menschen...Ich bin ein Muslim...Bist du ein Jude? Interessiert mich nicht. Ich ess mit dir, ich trink mit dir, ich sitz mit dir."
  • "Wenn ich dein Herz damit (gemeint ist "mit dem Islam", Anm. der Redaktion) nicht erreichen kann, soll ich dich jetzt hassen? Soll ich dir den Kopf abschneiden? Was sind das für minderbemittelte Menschen, Alta."
  • "Meine Nation ist Mensch. Mein Land ist die Welt. Mein Glaube ist eine Sache zwischen mir und Gott. Das geht gar keinen etwas an."
  • "Ich ficke jeden Präsidenten, interessiert mich keiner auf dieser Welt. Mich interessieren die Menschen, mit denen ich hier sitze."
  • PA Sports ist "anti Terror, anti Krieg, anti Blut, anti AfD, anti Rechts, anti Kurdenhass, anti Taliban, anti Isis – anti alles, sag ich. Ich bin anti alles, was schlecht ist. Fertig."

Lass uns Freunde werden!

Die ganzen vier Minuten des Interviews:

5 Minuten des Rappers PA Sports, die man sich auf jeden Fall anhören muss! Wahnsinn! Gänsehaut! TEILEN! TEILEN! TEILEN!

Posted by RapUpdate - Das Magazin on Monday, 23 May 2016

Die Sätze klingen simpel und teils pathetisch. Aber fast drei Millionen Aufrufe und über 60.000 Kommentare zeigen, wie gefragt eine klare Haltung in einer Zeit ist, in der Menschen sich mit dem Erfolg von Rechtspopulisten und rechter Gewalt auseinandersetzen müssen. Und als harter Gangsta-Rapper kann man das natürlich besonders mitreißend rüberbringen.

Ein Fotoprojekt wendet sich gegen Fremdenhass – die Fotostrecke:
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Doch der 26-Jährige, der hier gegen Hass wettert, ist selbst nicht immer friedliebend; wurde bereits auf Bewährung verurteilt, war in Schlägereien verwickelt, rappt über Gewalt und legt sich mit Rapper-Kollegen an. Bei bento schreibt er, wieso er sich gerade jetzt so aufregte.

(Bild: PA Sports)
Warum hat sich bei dir so viel Frust über Nationalismus und Fanatismus angestaut?
Da hat sich kein besonderer Frust angestaut, nur kann ich mich aufgrund meiner Emotionen bei ernsten Themen schnell in Rage reden. Ich bin der Meinung, dass sich in den letzten Jahren sehr viel geändert hat. Ich sehe jahrelange Freundschaften auseinander brechen, nur weil politische Ideologien auseinander gehen. Menschen verteidigen ihre Staatspräsidenten wie ihre eigenen Eltern und ich frage mich einfach, woher diese unfassbare Liebe für bestimmte Machthaber wie auch der Hass gegen Andersdenkende entsteht.
Inwiefern hast du selbst schon Fanatismus erlebt?
Ich selbst habe im alltäglichen Leben noch keine allzu schockierenden Erfahrungen gesammelt. Aber gerade durch die sozialen Netzwerke und der verlockenden Möglichkeit, dass jeder Mensch seine auf Halbwissen basierende Meinung kundtun kann, erkennt man halt immer häufiger, welches Gedankengut in den Köpfen der meisten Menschen existiert. Dass so ein Video mit diesem besagten Statement dann so durch die Decke geht und Anklang findet, überrascht und beruhigt mich zugleich.
In deinem Video rufst du zu mehr Gelassenheit und weniger Hass auf. Selbst bist du aber auch schon in Schlägereien verwickelt gewesen und wurdest nun auf Bewährung wegen Waffenbesitzes verurteilt.
Ich bin Rapper und habe nie bestritten, Teil einer Welt zu sein, in der Dinge, die umstritten sind, als normal gelten. Jedoch habe auch ich aus meinen Fehlern gelernt. Nur ist das noch mal ein ganz anderes Thema. Ich bin bereit, offen über Missstände auf den Straßen und Kriminalität zu sprechen. Das Thema, über das wir aber gerade sprechen, ist ein globales Thema – und jemand, der für sein eigenes Leben Fehlentscheidungen getroffen hat, sollte trotzdem das Recht besitzen, seine Gedanken kundzutun.

Haha

CuteSolidarity sammelt im Netz Kinderfotos gegen Rassismus

Erst druckt der Schokoladen-Hersteller Ferrero eine EM-Kollektion mit Fußballstars auf seine Kinderschokoladen-Verpackungen. Dann entdeckt die Facebookseite "Pegida BW - Bodensee" die Tafeln im Kühlregal und kübelt jede Menge Hass über die nicht-deutschen Kinderfotos von Jerome Boateng und Ilkay Gündogan aus.

Und jetzt kommt #cutesolidarity: