Bild: Orkestra Obselete
Wir präsentieren: Orkestra Obselete, Who Made Who und Christian Prommer

Ein guter Track ist ein guter Track ist ein guter Track und funktioniert in jeder Instrumentierung. Wir stellen euch große Hits der elektronischen Musik vor, die in akustischen Versionen mindestens noch mal so schön sind.

G. Rag und die Landlergschwister – Das Model

Wenn von elektronischer Musik die Rede ist, geht es nicht ohne Kraftwerk. Und weil Coverversionen immer dann besonders interessant sind, wenn sie sich möglichst weit vom Original entfernen, dürfen für unser erstes Beispiel G.Rag und die Landlergschwister aus Bayern ran. Denn was könnte weiter weg von den Elektropionieren aus Düsseldorf sein, als eine bayrische Stubenmusi aus dem Münchner Hofbräuhaus?


Terry Hoax – Policy of Truth

Wir können uns noch gut daran erinnern, wie viele Depeche Mode-Fans 1992 auf die "Policy of Truth"-Version von Terry Hoax reagierten. Wenn es überhaupt akzeptabel war, die Songs der Kultband zu covern, dann ganz sicher nicht mit verzerrten Gitarren. Das war mindestens Verrat, eigentlich aber Blasphemie. Der Rest der Welt sah das nicht ganz so kritisch, das Video gilt nach wie vor als das meistgespielte einer deutschen Band bei MTV. Die Rockversion zeigte Millionen von Menschen, was für ein verdammt guter Song "Policy of Truth" war und ist. Nur wenige Monate später brachten Depeche Mode das Album "Songs of Faith and Devotion" heraus, das mit "I Feel You" einen Song enthielt, der stark von einer verzerrten Gitarre geprägt war. Wir wissen nicht, ob der Erfolg von Terry Hoax etwas damit zu tun hat. Wundern würde es uns nicht.


Los Colorados – I Like To Move It

Es muss nicht immer bierernst zugehen. Vor allem nicht, wenn es um einen großen Hit des Euro-Trash, Verzeihung Euro-Dance, wie "I Like To Move It" geht. Los Colorados aus der Ukraine und ihre Gipsy Polka-Version funktioniert deswegen auch genau dort am besten, wo auch die Originalversion noch oft zum Einsatz kommen dürfte: auf Studentenpartys. Wir mögen das.


A Hundred Birds – Knights Of The Jaguar

Widmen wir uns wieder ernstzunehmenderer Musik. "Knights of the Jaguar" von Rolando aka Aztec Mystic ist einer der größten Hits, die Techno je hervorgebracht hat. Jeder, wirklich jeder, konnte sich 1999 auf dieses enorm melodiöse Stück einigen. Egal ob Großraumdiscothek oder Kellerclub. Auch heute noch löst der Tune wohlige Nackenschauer und Gänsehaut aus. A Hundred Birds bauten das Teil eins zu eins nach, verwendeten aber Gitarren und Liveschlagzeug, um die Streicher zu untermalen. Bis heute können wir uns nicht entscheiden, welche Variante wir mehr mögen.


The Stewardesses – Türlich türlich (sicher Dicker)

Häh? Was hat denn "Türlich türlich" in dieser Liste verloren? Sollte es nicht um Elektro gehen? Ja, und genau deswegen muss dieser Fetenhit auch unbedingt hier mit rein. Das Genre, dem das Original von Das Bo zuzuordnen ist, heißt "Miami Bass" und das ist im wesentlichen Electro, zu dem gerappt wird. Gemeint ist der klassische Electro, wie zum Beispiel Herbie Hancocks "Rock It" oder Kraftwerks "Trans Europa Express". Die Stewardessen nehmen den Track und unterziehen ihn dem ultimativen Songwriting-Test: Sie strippen ihn herunter auf Gesang und Akustikgitarre. Besteht diese Version von "Türlich türlich?" Aber sicher Dicker...


Who Made Who – Flat Beat

Erinnert ihr euch noch an Flat Eric, die gelbe Puppe aus der Jeans-Werbung und den zugehörigen "Flat Beat" von Mr. Oizo? Für ein paar Wochen waren wir total versöhnt mit Chartmusik. Der minimalistische Tune mit dem "Wobbel-Bass", der sich selbst ganz offensichtlich nicht ernst nahm, ließ uns Britney Spears, "Mambo No. 5" und die vielen anderen Charts-Katastrophen vergessen. Who Made Who nahmen den Track, spielten ihn in Rockband-Besetzung eins zu eins nach und fügten ihm mindestens eine weitere Ironie-Ebene hinzu. Auch heute noch ein todsicherer Bringer, wenn wir auflegen, der alle zum Grinsen bringt.


Christian Prommers Drumlesson – Rej

Genug gegrinst, zurück zum ernsthaften Techno. "Rej" beginnt wie ein für 2005 typisches Stück Berliner Minimaltechno. Die ersten Minuten dümpelt es düster und leer vor sich hin und vermittelt nur ein Gefühl: Wann geht es endlich los? Wie die meisten Tracks dieser Ära geht "Rej" aber nie los. Oder vielleicht doch: Nach ungefähr drei Minuten setzt eine Melodie ein, von der wir bis heute nicht wissen, ob "Melodie" überhaupt der richtige Ausdruck ist. Jedenfalls hat sie sich fest in unser Rückenmark gekrallt, steckt dort seitdem fest und jagt Stromstöße der Vorfreude durch den ganzen Körper, sobald wir den Anfang hören. Christian Prommer nahm unter dem Projektnamen "Drumlesson" ein ganzes Album mit Jazzversionen von elektronischen Hits auf. "Rej" durfte natürlich nicht fehlen. Ebenso wie das Original wirkt es zunächst wie ein leicht uninspirierter typischer Vertreter seines Genres. Bis die Melodie einsetzt…


Orkestra Obselete – Blue Monday 1933

Fast 35 Jahre ist "Blue Monday" von New Order alt, aber es verfehlt auch heute noch selten seine Wirkung. Nur sehr wenige Tracks sind so sehr Konsens. New Order schufen ein zeitloses Stück Musik, das im Hitradio genauso funktioniert, wie auf einer Achtzigerparty oder einem Rave. Letzteres liegt auch daran, dass die Produktion so gut ist, dass das Stück nach wie vor den Druck entwickelt, den es braucht, um einen Dancefloor zu rocken. Aber "Blue Monday" ist eben nicht nur extrem gut produziert, das Songwriting ist ebenso über jeden Zweifel erhaben. Das demonstriert die Version von Orkestra Obselete auf eindrucksvolle Weise. Sie interpretierten das Stück in einem mit dem Original identischen Arrangement, benutzten aber ausschließlich Instrumente, die in den Dreizigerjahren populär waren. Fetzt!


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