Bild: Hyäne Fischer
Wer, bitte, steckt dahinter?

Die Frauen im Musikclip stapfen durch einen verschneiten Nadelwald, tragen grüne Filzhüte und posieren mit ausgestopften Tieren. Alles sieht nach piefiger, alter Zeit aus. Dann tanzen sie durch hochgetäfelte Herrschaftshäuser, in schwarz-weiß steht ein Damenchor auf einer Treppe. Zur Eva-Braun-Optik gibt's elektronische Synthie-Pop-Disco.

"Im Rausch der Zeit" heißt ein Lied, dass in Österreich gerade die Runde macht – gesungen von einer bislang unbekannten Gruppe namens "Hyäne Fischer".

Seit vier Tagen ist der Clip online, mehr als 60.000 Mal wurde er schon angeklickt. Auf Facebook wirbt die Gruppe mit dem Wunsch, im Frühjahr für Österreich beim Eurovision Song Contest in Tel Aviv antreten zu wollen. Zumindest schickt sich "Hyäne Fischer" an, den Wettbewerb zu gewinnen. 

Das ist der Song:

Was erst mal altbacken aussieht, ist in Wahrheit subversiver Pop – denn es geht um Kritik am Rechtsruck in Österreich.

Das Land wird derzeit von einer rechtspopulistischen Regierung geführt, dem UN-Migrationspakt erteilte die Regierung eine Absage, Pressefreiheiten werden diskutiert (bento).

Im Text klingt an, dass sich "Hyäne Fischer" davon distanziert:

"Siehst du den Nebel in den Bergen stehn? Spürst du den Sturm? Er wird wieder vergehn. Hörst du den Wind? Er singt ein altes Lied."

Bei "Hyäne Fischer" geht es nicht um Wohlfühl-Volksmusik nach dem deutschen Vorbild. 

Wer steckt hinter "Hyäne Fischer"?

Das ist unklar. Viele vermuten allerdings eine Nähe zur Wiener Anti-Burschenschaft "Hysteria". Die nur aus Frauen bestehende Burschenschaft hat sich als satirischer Gegenentwurf zu all den echten deutschtümelnden Männer-Burschenschaften gegründet. Unter anderem die Autorin Stefanie Sargnagel mischt beim feministischen Projekt mit.

Und die hat auf Twitter den Song schon mal gepusht:

Auch "Hysteria" hat sich auf Facebook zum Song geäußert – wenn auch nur, um höchst ironisch zu bestreiten, dass es da eine Nähe gibt:

"Aktuell versucht die Journaille der Systempresse unserer altehrwürdigen Verbindung eine Nähe zur Glitzerwelt des Showbusiness anzudichten: Diesen Vorwurf weisen wir aufs Schärfste zurück!"

Dass das Wappentier von "Hysteria" ausgerechnet eine Hyäne ist – geschenkt.


Gerechtigkeit

Grindr-Präsident findet, Ehe gibt es nur zwischen Mann und Frau
Ausgerechnet er?

Der Präsident der Gay-Dating-App Grindr, Scott Chen, findet offenbar, eine Ehe sollte nur zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen werden. Wie der "Guardian" berichtet, postete er auf Facebook einen verwirrenden Kommentar, der viele Nutzer der App wütend machte. Den Post hat er inzwischen gelöscht. 

Was hat Chen genau geschrieben?

In dem Facebook-Post schrieb der Grindr-Präsident: "Manche glauben, eine Hochzeit bedeutet eine heilige Ehe zwischen einem Mann und einer Frau. Und das finde ich auch. Aber das ist meine Sache." Außerdem schrieb er, manche Menschen glaubten, eine Ehe sei dafür da, seine DNA an ein Kind weiterzugeben. Auch das sei eine private Sache, so Chen weiter.

Viele Follower verwirrte der Post. Sie schrieben wütende Kommentare darunter. Kurz darauf löschte Chen den Post.

Warum hat er den Post überhaupt geschrieben?

Auslöser für den Post war ein Referendum in Chens Heimat Taiwan, bei dem über ein Verbot der gleichgeschechtlichen Ehe abgestimmt wurde. Das berichtet das Portal Into. Hierbei lehnten die Bürger Taiwans vergangene Woche die Ehe für alle ab: 16 von 22 Landkreise stimmten gegen die gleichgeschlechtliche Ehe. (Tagesspiegel)

Ultrakonservative, christliche Gruppen hatten sich zuvor gegen die Ehe für alle ausgesprochen und Spenden für Kampagnen gesammelt. Im selben Post, in dem der Grindr-Präsident schrieb, eine Hochzeit bedeute eine heilige Ehe zwischen Mann und Frau, rief er paradoxerweise seine Follower dazu auf, kein Geld an diese christlichen Gruppen zu spenden

"Heiraten ist eine private Sache. Warum könnt ihr euer Geld nicht für Menschen spenden, die an Armut, Hunger, Krieg, oder Naturkatastrophen leiden? Warum wollt ihr euer Geld spenden, um zu verbieten, dass Menschen, die sich lieben, heiraten? Gibt es nichts wichtigeres auf der Welt?"