Bild: Britta Pedersen/dpa
... und bezeichnen ihn als "Preis der Schande"

Nachdem die Rapper Kollegah und Farid Bang trotz Antisemitismusvorwürfen den Musikpreis Echo verliehen bekamen, meldeten sich bereits Außenminister Maas und Alt-Punker Campino mit Kritik zu Wort. Der Grund: Auf dem Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" finden sich die Textzeile "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen". 

Außenminister Maas nannte die Vergabe des Preises "beschämend" und den Antisemitismus "widerwärtig". Kollegah nutzte die Publicity erst, um Werbung für sein Bodybuilding-Programm zu machen und konterte dann mit fragwürdigen Argumenten auf Instagram. (bento)

Nun gab das "Notos Quartett" bekannt, seinen 2017 erhaltenen Echo Klassik zurückgeben zu wollen. Das postete die Gruppe auf seiner Facebook-Seite – und bezeichnete ihre eigene Echo-Trophäe noch als "Symbol der Schande". (SPIEGEL ONLINE

Die Tatsache, dass nun eben dieser Preis offenen Rassismus toleriert, ihm gar eine Plattform bietet und ihn auszeichnet, ist für uns nicht tragbar.

Okay, aber wer ist Notos Quartett? 

Rap-, Rock- und Popmusikfans werden den Namen wohl noch nie gehört haben. Das liegt daran, dass sich hinter dem Namen ein Kammermusik-Ensemble verbirgt, dass vor allem große Meisterwerke der Gattung Klavierquartett spielt – mit Piano, Violine, Viola und Cello. 

In der Fachwelt ist das Ensemble gefeiert, außerhalb der Klassik-Blase jedoch kaum bekannt. Knapp über 3000 Fans hat das Quartett bei Facebook. Aber: Die Gruppe spielt unter anderem in der Berliner Philharmonie und im International House of Music in Moskau. Ihr Debütalbum “Hungarian Treasures” wurde von SPIEGEL-ONLINE-Leserinnen und Lesern zum Klassik-Favoriten 2017 gewählt.

Das hört sich dann so an:  

Hier kannst du den ganzen Post lesen, in dem sich das Quartett vom Echo distanziert: 

Die Auszeichnung mit dem ECHO KLASSIK 2017 als Nachwuchskünstler des Jahres hatte uns sehr gefreut. Bis vor kurzem war...

Posted by Notos Quartett on Sunday, April 15, 2018

Die Klassik-Musikerinnen und Musiker sind nicht die einzigen, die den Echo nicht mehr mögen: 

  • Der für sein Lebenswerk geehrte Klaus Voormann will seinen Preis ebenfalls zurückgeben. Dadurch wolle er "sein Unverständnis ausdrücken gegenüber der Verantwortungs- und Geschmacklosigkeit aller verantwortlichen Beteiligten". (SPIEGEL ONLINE
  • Peter Maffay wünscht sich, dass die Echo-Jury zurücktritt. Er sprach im Zusammenhang mit den Verantwortlichen von einer Mischung aus "Dummheit, Feigheit und fachlicher Inkompetenz."(Zeit)
  • Der ARD-Koordinator für Unterhaltung, Thomas Schreiber, forderte in einem "Welt"-Gastbeitrag sogar die komplette Abschaffung des Preises. 

Der verantwortliche Bundesverband der Musikindustrie (BVMI) kündigte nun an, das Konzept der Verleihung zu erneuern. (SPIEGEL ONLINE)

UPDATE, 17. April: Der Sänger Marius Müller-Westernhagen kündigte nun an, seine insgesamt sieben Echos zurückgeben zu wollen. Eine neue "Stufe der Verrohung" sei erreicht. (SPIEGEL ONLINE)

Was hältst du von der Diskussion? 


Queer

Das ist die queere Version von Google Maps
User markieren queere Orte auf der ganzen Welt.

Queere Orte, Momente und Erinnerungen gibt es auf der ganzen Welt. In einer interaktiven Version von Google Maps können queere Menschen ihre Erlebnisse an bestimmten Orten festhalten und so mit anderen aus der Community teilen. "Queering the Map" heißt das Projekt.

Wer steckt dahinter?

Gegründet wurde die Seite von Lucas LaRochelle. Als Teil eines Kursprojektes an der Concordia Universität (Montreal, Kanada) startete er die Webseite 2017 und entwickelt sie bis heute weiter.