Bild: dpa/Simon Laessoee
Das Album "DAMN." beeindruckt vor allem lyrisch.

Es ist ein historischer Moment: Kendrick Lamar hat als erster Rapper den Pulitzer-Preis für Musik gewonnen. Das ist ein Signal, nicht nur für die Hip-Hop-Community, sondern für Musiker und Künstler überall. Auch alte Instanzen wie der Pulitzer-Preis wollen moderner werden und näher am Zeitgeist stattfinden.

Doch hat Kendrick Lamars Album "DAMN" die Auszeichnung wirklich verdient?

Auch wenn es hier und da kontrovers diskutiert wurde, kann man sich dennoch darauf einigen: Das vierte Album von Kendrick Lamar ist voller starker Sätze. Die Jury begründet die Wahl zum Beispiel damit, dass die Platte "eindrucksvolle Einblicke in die Komplexität des afroamerikanischen Lebens zeigt".  (New York Times)

Und tatsächlich beeindruckt Kendrick Lamar lyrisch immer wieder. Neben genretypischer Angriffslust und Battle Raps findet sich auf "DAMN" auch Platz für die Beschreibung von systematischer Unterdrückung, für die Darstellung von Angst und Zerbrechlichkeit und für Kendricks immer wieder herausgeforderten Glauben. 

Im Track "DNA" lässt er seinen Wut über die ungerechte Berichterstattung über HipHop in den Fox News freien Lauf, in "FEAR" beschreibt er sein Verhältnis zum Sterben in eindringlicher Nüchternheit. "FEEL" schildert einfühlsam den Alltag junger Schwarzer in Amerika, "DUCKWORTH" erzählt eine vielschichtige Geschichte aus dem Leben von Kendricks Vater

Im Laufe des Albums kommt es deshalb zu vielen beeindruckenden Textstellen. Zehn gute Beispiele:

Years in the makin', and don't y'all mistake it/
 I got 'em by a landslide, we talkin' about races/ 
You know this'll never be a tie, just look at their laces/ 
You know careers take off, just gotta be patient/
Kendrick Lamar auf "ELEMENT."
Hell-raising, wheel-chasing, new worldy possessions
/ Flesh-making, spirit-breaking, which one would you lessen? The better part, the human heart, you love ’em or dissect 'em/ Happiness or flashiness? How do you serve the question?
Kendrick Lamar auf "PRIDE."
Hail Mary, Jesus and Joseph/ The great American flag is wrapped in drag with explosives/ Compulsive disorder, sons and daughters
/ Barricaded blocks and borders Look what you taught us!
Kendrick Lamar auf "XXX."
I got power, poison, pain and joy inside my DNA
/ I got hustle though, ambition flow inside my DNA
Kendrick Lamar auf "DNA."
Sick venom in men and women overcome with pride
/ A perfect world is never perfect, only filled with lies/ Promises are broken and more resentment come alive/ Race barriers make inferior you and I/
Kendrick Lamar auf "PRIDE."
We all woke up, tryna tune to the daily news
/ Lookin' for confirmation, hopin' election wasn't true
/ All of us worried, all of us buried, and our feelings deep
/ None of us married to his proposal, make us feel cheap/ 
Still and sad, distraught and mad, tell the neighbor 'bout it/ Bet they agree, parade the streets with your voice proudly/ 
Time passin', things change
/ Revertin' back to our daily programs, stuck in our ways/
Kendrick Lamar auf "LUST."
Monsters, false prophets schemin'/ 
Sponsors, industry promises/ N*ggas, bitches, honkies, crackers, Compton/ 
Church, religion, token blacks in bondage
/ Lawsuit visits, subpoena served in concert/
Kendrick Lamar auf "FEEL."
I'll prolly die from one of these bats and blue badges
/ Body-slammed on black and white paint, my bones snappin'/ Or maybe die from panic or die from bein' too lax/ Or die from waitin' on it, die 'cause I'm movin' too fast/
Kendrick Lamar auf "FEAR."
Interviews wanna know my thoughts and opinions
/ Fox News wanna use my name for percentage
/ My latest muse is my niece, she worth livin'/ 
See me on the TV and scream: "That's Uncle Kendrick!"
Kendrick Lamar auf "YAH."
The feelin', the feelin' of false freedom/ 
I'll force-feed 'em the poison that fill 'em up in the prison/
Kendrick Lamar auf "FEEL."
1/12

Das Album ist gar nicht Kendricks erster herausragender Moment. Bereits der Vorgänger "To Pimp A Butterfly" wurde von Kritikern wie Fans herausragend aufgenommen. Dies ging soweit, dass sogar Barack Obama in einem Interview verriet, dass Kendricks "How Much A Dollar Cost?" sein Lieblingssong des Jahres 2015 sei. (Pitchfork)

"DAMN" ist dennoch ein neues Hoch für den Rapper aus Compton, Los Angeles. Die Single "HUMBLE" landete zum ersten Mal in Lamars Karriere auf Platz Eins in den Billboard-Charts. Außerdem gewann er mit dem Album einen Grammy und landete unter den meist gestreamten Projekten des Jahres. 

Dieses Zusammenkommen von großem kommerziellen Erfolg und enormem Wohlwollen der Kritiker beweist, dass "DAMN" ein besonderes Projekt ist. Das hat nun auch die Pulitzer-Jury gewürdigt.


Gerechtigkeit

Das sind die Produkte mit dem plumpesten sexistischen Marketing
Wir zeigen die Finalisten des "Goldenen Zaunpfahls".

Lange war das mit den Geschlechtern einfach: Mädchen spielen mit Puppen, Jungen mit Autos. Frauen sind weich und lieb, Männer hart und abenteuerlustig.

Dass Menschen und ihre Eigenschaften weitaus vielfältiger sind als solche stereotypen Geschlechterbilder, wissen wir heute. Eigentlich. 

Und trotzdem stolpern wir im Alltag immer noch über Überbleibsel aus dieser anderen Zeit. Produkte und Werbekampagnen, die so tun, als wären Männer und Frauen Exemplare völlig unterschiedlicher Gattungen – und müssten deshalb mit geschlechtsspezifischem Marketing zum Einkaufen bewegt werden.

Solche Fehlschläge "kürt" der "Goldene Zaunpfahl": Der "Negativpreis für absurdes Gendermarketing" zeichnet Produkte aus, die besonders plumpe Geschlechterklischees bedienen.