"Heute ist Walpurgisnacht. Geht nach Hause und zündet eure Männer an!", rufen K.I.Z. – dann schlachten sie auf der Bühne einen Pappmaschee-Penis. Die 4000 Frauen im Berliner Tempodrom johlen und brüllen zustimmend.

Was zur Hölle ist hier los? Meinen die das ernst? Wir waren bei K.I.Z.s "Nur für Frauen"-Tour, um es herauszufinden. 

Yeah, ein Konzert nur für Frauen – Männer nicht erlaubt! Mein feministisches Herz jubelt, als ich von der Frauentour höre. 

Aber warum eigentlich? Ich habe nichts gegen Männer. Ich feiere gern mit allen gemeinsam und belästigt wurde ich – zumindest auf Konzerten – bisher selten. Doch ich weiß auch: Das geht nicht allen so. Oder wie K.I.Z. es sagen: Es braucht ein paar Frauenkonzerte, weil "einige andere Männer im Showgeschäft im letzten Jahr ihre gierigen Schmutzfinger nicht bei sich behalten konnten und die Ladys deswegen etwas verstimmt sind." (Webseite der Band)

Ein Konzert als Schutzraum: ein spannendes Experiment. Wie wird wohl die Stimmung ohne Männer im Publikum sein? Besser? Schlechter? Fehlt Energie, oder geht es erst recht ab?

Mit diesen Fragen im Kopf ging ich zum Abschlusskonzert der Tour in Berlin, die Heimatstadt der vier Jungs. Eine gute Woche lang düsten die vier Rapper durch Deutschland und Österreich und spielten acht Konzerte nur für Frauen. Seit 2011 macht die Band das so – jedes Jahr zum Weltfrauentag gibt es eine Show.

Doch eine ganze Tour rund um den Frauentag, nur für weibliche Fans, das ist neu. Sie war komplett ausverkauft

Am Weltfrauentag läuft in Neukölln gerade die große "Frauenkampftag"-Demo, während vor dem Tempodrom in Kreuzberg die ersten Drinks bestellt werden. Hier warten Frauen auf K.I.Z.. Eine unpolitische Masse? Konzert statt Demo? 

Nicht unbedingt. In Berlin laufen seit Tagen Hunderte politische Aktionen, die auf den Weltfrauentag einstimmen. Die Demo war also nicht die einzige Möglichkeit, sich zu engagieren. Viele der Frauen hier tragen T-Shirts mit feministischen Sprüchen. 

Die Security lässt tatsächlich nur Frauen rein. Ein paar Jungs, die ihr Glück probieren wollten, werden abgewiesen. Und was, wenn jemand eine Frau ist, aber äußerlich nicht als solche erkennbar ist? "Wir lassen uns die Ausweise zeigen", erklärt mir einer der Ordner. Dazu gehören auch Zusatz-IDs von Transfrauen. Es wurde an alles gedacht.

Vor der Security haben sich einheitliche Schlangen gebildet, ruhig und fröhlich wird in Zweierreihen auf den Einlass gewartet. Ich bilde mir ein, dass das normalerweise, bei anderen Konzerten, chaotischer aussieht. Aber ist das wirklich so – oder möchte ich nur Unterschiede sehen?

Kurze Zeit später geht es dann richtig ab. Die Menge wird vom DJ-Set "Drunken Masters" eingeheizt und ich habe wirklich noch nie erlebt, dass gleich die ersten Töne einer Vorband die Leute komplett zum Ausrasten bringen.

Können K.I.Z. das noch toppen? 

Sie schaffen es. "Sisteeeeeeers", brüllt Nico in die Menge, und stolziert im Satin-Bademantel auf die Bühne. Tarek und Maxim sind als sexy Nonne und Schulmädchen gekleidet, was man sexistisch oder klischeehaft nennen könnte. Aber dann müsste man eben auch ernst nehmen,...

  • ...dass K.I.Z. ihre Show mit den Lyrics "Das ist der Sound für die echten Männer" starten. 
  • ...dass Tarek, die Nonne, davon erzählt, dass er etwas ganz Besonderes feiern möchte: "Ich bin schwanger! Es ist natürlich ein Mädchen. Was sonst."
  • ...dass sie mit einem Sektchen anstoßen zum Spruch: "Auf die Männer, die wir lieben und die Penner, die wir kriegen."
  • Oder dass sie immer wieder "Ladiiies" rufen und dabei aufgetakelt über die Bühne stelzen.

Wer das ernst nimmt, glaubt den Jungs auch, dass sie Hitlers Wolfsschanze für die deutsche Antwort auf die Playboy-Mansion halten. Oder dass sie den Satz "Boom Boom Boom, ich bring euch alle um" genau so meinen.

Doch genau in diesen satirisch-ironischen Äußerungen, Aktionen und Anspielungen steckt harte Gesellschaftskritik. K.I.Z. persiflieren den herrischen Tonfall, den manche Männer gegenüber Frauen haben. Sie treiben mit ihren Klamotten und ihrem Gehabe ein Klischee-Bild der Frau auf die Spitze – und zeigen genau damit, wie absurd es wirklich ist.

Die Frauen im Publikum sehen das offenbar genauso und übernehmen fröhlich auch einige Klischees: Immer wieder schreien sie "Ausziehen!" in Richtung Bühne. K.I.Z. reagieren gekünstelt empört: "Ihr ahmt die Mechanismen des Patriarchats nach, schämt euch! Wir ziehen uns nur aus, wenn wir ein bisschen Respekt kriegen. Dann kommt "Respect" von Aretha Franklin aus den Boxen.

Die Frauen feiern hart: Moshpits, springen, Textsicherheit in Tinnitus-Lautstärke. Dass hier keine Männer anwesend sind, würde ein Unwissender erst auf den zweiten Blick erkennen.

Aber warum sollte man es überhaupt erkennen? Weil die Klischees, die oben auf der Bühne auseinandergenommen werden, eben in manchen Köpfen doch noch fest verankert sind?

Frauen machen genauso krass Party. Sie grölen – und trinken. Nein, keinen Wein oder Sekt (Klischee!). Sondern Bier. Neben mir steht ein Mädel, das mich fragt, ob ich auch so besoffen bin wie sie, bevor sie lossingt: "Saufeeen! Der Hahn muss laufen!" 

An den Bars bedienen nur Frauen. Das Schild der Herrentoilette wurde mit einer weiblichen Figur überklebt. Ich habe auf einem Konzert noch nie eine so angenehme Klo-Situation erlebt – unendlich viele freie Kabinen, nullkommanull Wartezeit. Ein Traum.

Als K.I.Z. zur Zugabe auf die Bühne kommen, läuft im Hintergrund Whitney Houstons "I will always love you",  die Jungs werfen mit Raffaellos.

Für den Ernst des Abends, für ganz direkte Kritik ganz ohne Ironie, sorgt K.I.Z. dann kurz vor Schluss doch noch: "Nach dem ganzen Abfeiern – seid ihr bereit für ein bisschen Message, Ladies?", fragt Tarek. "K.I.Z. wäre nicht K.I.Z., wenn wir nicht ab und zu den Zeigefinger erheben würden und den Menschen sagen würden, wie sie sich zu benehmen haben!"

Ihnen sei bewusst, was Frauen oft erleben müssen. Dass sie ungewollt begrapscht und angemacht würden. Dass sie Übergriffe ertragen müssten. Deshalb wollten sie mit diesen Konzerten zumindest für eine kurze Zeit einen Schutzraum bieten. "Aber lass den folgenden Song ein Zeichen sein, dass die da draußen in Zukunft einen Schutzraum vor euch brauchen!", ruft Tarek.

Jubel, der Beat von "Hurra, die Welt geht unter" setzt ein. Für dieses letzte Lied reißen nochmal alle die Hände in die Luft, strahlen ihre Nachbarin an und singen vom Untergang der Welt, wie wir sie kennen.


Fühlen

Berliner haben einen Werbefilm für Brandenburg gedreht – es gibt nur Badeseen
Also haben wir echte Brandenburger gefragt, was sie von der Kampagne halten.

In Brandenburg ist alles ein bisschen einfacher. Und das ist auch gut so. 

Das ist in etwa die Botschaft einer neuen Werbekampagne für das Land Brandenburg. Unter dem Slogan "Es kann so einfach sein" soll Brandenburg einerseits als Urlaubsland empfohlen werden und andererseits Arbeiter anlocken, die lieber auf dem entspannten Land als in der nervigen Großstadt wohnen wollen.

Der Claim: "Wenn alles zu voll, zu eng, zu kompliziert und zu anstrengend scheint, wird es Zeit für mehr einfach."