Bild: Getty Images/Joe Raedle
Die "Rolling Stones" waren schon da.

Mick Jagger und seine ewigen Gefährten sind längst wieder weg, das Konzert der Rolling Stones in Kuba ist Geschichte – und doch haben diese zweieinhalb Stunden auf den Baseballfeldern der Ciudad Deportivo ("Sportstadt") das Land für immer verändert.

Denn mit dem Auftritt vor einer halben Million Menschen hat die Band bewiesen, dass man mit Musik manchmal mehr erreichen kann als mit Diplomatie. Viele Kubaner fühlen sich nun auf Augenhöhe mit dem Rest der Welt – zum ersten Mal in ihrer Geschichte, trotz Revolution und propagierter sozialer Errungenschaften.

"Das ist so viel wert, man kann es kaum ausdrücken", sagt Yuneisi, eine junge angehende Ärztin. "Für unser Selbstbewusstsein hat das Konzert mehr gebracht als der Besuch Obamas oder des Papstes."

So krass fühlt sich der Wandel für junge Kubaner an – die Fotostrecke:
1/12

Für sie war das Konzert, wie für die meisten Konzertbesucher, ihr erstes Rockkonzert. Sie sei noch niemals außerhalb von Kuba gewesen und gehe nur selten aus, sagt Yuneisi: "Ich habe kein Geld dafür übrig." Von dem Bisschen, das sie während ihres Medizinstudiums bekomme, könne sie nicht leben.

Kuba

  • Amtssprache: Spanisch
  • Hauptstadt: Havanna
  • Staatsoberhaupt: Raúl Castro
  • Regierungssystem: Sozialistisches, autoritäres Einparteiensystem
  • Einwohner: 11,2 Mio.
  • Währung: Peso
  • Reisehinweise des Auswärtigen Amtes

Der Eintritt in die "Casa de la Musica", die überall auf Kuba existierenden Tanzdielen, kostet umgerechnet nur 2,70 Euro – aber hier hat das wenige Geld einen ganzen anderen Wert. Wenn Yuneisi alle drei Monate mit ein paar Freundinnen losziehe, halte sie sich aus Kostengründen den ganzen Abend an einer Cola fest, erzählt sie.

Dafür hält sich beim Tanzen niemand zurück: Shakira, Jennifer Lopez, Marc Anthony und Prince Royce – alles leidenschaftliche Tänzer und Tänzerinnen – das sind die Idole vieler junger Menschen hier.

Die Musik dieser Stars ist es, aus der der Soundtrack der Karibikinsel besteht, die man in Kuba an jeder Imbissbude und aus fast jeder Wohnung dröhnen hört. Zu Latin-Pop bewegt sich die kubanische Jugend, Son und Salsa haben bei ihr kaum eine Chance.

Ausnahmen finden sich beim "Brutalfest", das zweimal jährlich mit einer Handvoll Hardcore-Bands aus In- und Ausland durch Kuba zieht, sowie in Santa Clara – die Stadt, die wegen des jährlichen "Festival de Rock" auch als "Ciudad Metal", Stadt des Metal, bezeichnet wird.

Es gibt Punkkonzerte, eine rege Hip-Hop-Szene und viele DJs, von denen Lyng Chang mit seinem Projekt "ToMazclao" der bekannteste ist. David Blanco ist Kubas bekanntester Rockstar, seine melodiösen Hits begeistern Generationen übergreifend.

Seit Kurzem kommt die Musik der Stars nicht mehr nur aus Boxen, die Stars der jungen Kubaner kommen persönlich auf die Insel.

Hunderte Habaneros folgten Beyoncé and Jay Z, als diese im April 2013 durch Havannas Altstadt schlenderten. Das war nur der Auftakt einer Invasion von Weltstars: Usher lernte, wie man kubanische Zigarren rollt, DJ Questlove legte in der "Fabrica de Arte" auf, Kate Perry spürte "die coolsten Vibes ihres Lebens" – und als Rihanna für die Titelseite der kubanischen "Vanity Fair" posierte, brach der Verkehr zusammen.

Und – weitgehend unbemerkt vom Westen – kamen in Havanna nur drei Wochen vor den Stones schon einmal eine halbe Million Menschen zusammen, als Major Lazer direkt an einer Uferpromenade auftraten.

Und die Stones selbst: Jahrzehntelang verfemt, widersprachen sie mit ihrem widerspenstigen und aufmüpfigen Auftreten genau dem Gegenteil des vom Castro-Regime gewünschten "neuen Menschenbildes" vom disziplinierten und der Parteilinie folgenden jungen Revolutionärs.

Dass die Stones nun in Kuba auftreten konnten, bewegte das ganze Land: "Wir haben viel von dieser Band gelernt", sagt Yuneisi. "Man darf sich eben nicht mit allem abfinden. Und nun waren sie ja da."