Bild: Interessiert Mich Nicht - Hustensaft Jüngling
Sheesh

Vom aktuellen Revival des Fischerhuts über die Baseballkappe bis hin zu eher nachwirkungslosen Innovationsversuchen in Sachen Hutmode: Ihren Ursprung haben viele Kopfbedeckungsmodetrends nicht auf den Laufstegen dieser Welt, sondern in der Rapmusik.

Folgt uns auf einem kleinen und natürlich unvollständigen Streifzug durch HipHop-Fashion oberhalb der Augenbrauen.

Bucket Hat - der Fischerhut

Aus Gründen der Aktualität beginnen wir mit dem Fischerhut – oder, auch nicht glorreicher – “Bucket Hat”.

Kendrick Lamars Labelkollege ScHoolboy Q wird in der Öffentlichkeit kaum ohne Fischerhut gesichtet. Ob er sich mit seinem Markenzeichen vor den Erfindern und ersten Trägern des Modells, irischen Bauern und Fischern, verneigt? Genau die waren es nämlich, die das Hutmodell um das Jahr 1900 herum populär machten - aus praktischen Gründen: Die unbehandelte und ungewaschene Wolle, aus denen sie gefertigt wurden, ließ sie Wasser abweisen. Praktisch in Irland - weniger essentiell in Kalifornieren, der Heimat von ScHoolboy Q.

Als Rap-Urväter der Fischerhutmode dürften RUN DMC und LL Cool J gelten. Während die Jungs von RUN DMC ab und zu auch mal althergebrachte Herrenhut-Modelle auftrugen, hatte sich LL Cool J Mitte der 80er Jahre voll und ganz auf den Bucket Hat eingeschossen.
Bucket Hats in der Fotostrecke
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Aus den USA der 80er Jahre ab nach Europa ins Hier und Jetzt. Am schwedischen Cloud-Rap-Pionier Yung Lean führt kein Weg vorbei. Kaum jemand bringt den unmotiviert schlabbrig-labbrigen textilen Kopfeimer besser zur Geltung als der Sad Boy.

Hierzulande legte Eko Fresh seinem Album "Deutscher Traum" in der Premiumbox einen Fischerhut bei und kreierte passend dazu sogar eine kleine Web-Video-Serie, zu dem auch Joko und Klaas ihren Teil beitragen durfte. Trendsetter wurde er damit trotzdem nicht so wirklich.

Im Gegensatz dazu ereilt einen beim Anblick des Publikums von Money Boy Konzerten beinahe der Eindruck, die Zuschauer erhielten an der Kasse einen Preisnachlass für die richtige Kopfbedeckung: Bucket Hats. Besonders Money Boys Protogé Hustensaft Jüngling interessiert sich für wenige Dinge so sehr, wie für Bucket Hats ... und Hustensaft, natürlich.

Bucket Hats in Europa? Allgemein eher bitter. Dass der Hut auch hierzulande nicht zwingend ein vermeintlich lustiges Gimmick sein muss, zeigt Nimo aus Stuttgart. Von der jungen Gangsterrap-Hoffnung mit neuem Kontext ausgestattet, strahlt der Hut bei ihm Würde und Respekt vor der Geschichte des Genres und der Geschichte des Bucket Hat aus.

Baseball Cap: New Era, Flexfit, Snapback, 5-Panel

Die Bandbreite an berühmt-berüchtigten Baseballkappen-Modellen (ja, das gibt es sehr wohl Unterschiede!) ist so groß, dass wir hier leider nicht auf alle Einzelheiten eingehen können. Ein Modell in einer ganz bestimmten Farbe und mit einem ganz bestimmten Logo bestickt darf allerdings auf keinen Fall fehlen: Jay Zs Yankee Hat, denn “Shit, I made the Yankee Hat more famous than a Yankee can” (Empire State Of Mind)

(Bild: Kingdom Come )

Sein Comeback-Album nach dem vermeintlich allerletzten Album seiner Karriere (The Black Album) zierte ein Portrait des Rappers in besagter Hutmode. Reichlich anachronistisch für das Veröffentlichungsjahr 2006 wirkt allerdings das eindeutig gebogene Schild.

Denn vor allem in den frühen 00er Jahren musste so manch ein Rapper zusätzliche Hut-Fächer an seine Garderobe anbauen: Die steifen New Era Hats mit den flachen Schirmen verdrängten so ziemlich jede andere Kopfbedeckung. Anfangs war umstritten, inwiefern die Etiketten auf dem Schirm und unter dem Schirm abzukratzen oder mit Stolz zu tragen seien, auch wenn die Kappe schon lange nicht mehr neu ist.

Spoiler Alert: Wer heute noch mit metallisch glänzenden Aufklebern auf seinem Schild durch die Gegend spaziert, ist wohl gerade aus einer Zeitmaschiene gepurzelt und trägt im Zweifelsfall auch tief hängende baggy Jeans mit bunten Patches drauf.


Womit wir bei der jüngsten Entwicklung im Baseball-Kappen Trendkarussel wären. Schlechte Nachrichten für New-Era-Sammlungs-Besitzer: Zeitlos war das Design der Kappen wohl nicht. Bis zum Comeback der viel zu großen, viel zu steifen Domhauben mit den Stickern auf dem Schild teilen sich die 5-Panels und Snapbacks den Markt unter sich auf.

Von Grime-Künstlern in UK schon lange getragen, kommt die 5-Panel so langsam auch bei uns in Deutschland an: Eng anliegend, gefertigt aus Synthetik, bestenfalls einfarbig mit gebogenem Schild, optional mit genieteten Belüftungslöchern seitlich. Ob aus 4 oder 5 Stoffstücken (“panels”) gefertigt ist übrigens weniger relevant. In Deutschland sieht man das Modell ab und zu in Rapvideos aus der Frankfurter Gegend.

Und dann wäre da noch die Snapback, die im Grunde nach ihrem Verschluss an der Rückseite benannt ist. Die Kappen sind also größenverstellbar - ansonsten aber schwer einzugrenzen. Manche ähneln den ollen New Era Hüten, manche kommen daher wie 5-Panel-Caps. Laut Jay Z bevorzugt dann zu tragen, wenn man zwar einerseits eine Kappe tragen, andererseits aber sein Haar zur Schau stellen möchte:

"Cap back, snap back, see my cut through the holes"
Jay Z

Und jetzt, frei nach DJ Koze: Hut ab, das geht ja gut ab! Einen schönen Sommer wünschen die Swaganwälte von den Blogrebellen - und immer den Kopf schön vor der Sonne schützen!

Dreh den Swag auf


Gerechtigkeit

Wenn Islamisten Islamisten dissen: Pierre Vogel ist raus

Die gute Nachricht zuerst: Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) verliert an Gebiet, Unterstützern und Geld. Die bessere Nachricht hinterher: Das lässt ihre Medienstrategie nur noch alberner wirken.

Am Mittwoch hat der IS die 14. Ausgabe seines Magazins "Dabiq" veröffentlicht, eine Art Gala für Dschihadisten. Titelthema: Abtrünnige. Und in den Augen des IS ein prominentes Beispiel: Der deutsche Islamist Pierre Vogel. Es pöbeln also Islamisten gegen Islamisten.