Bild: dpa / David Young
Wie wär's, wenn wir die Musik genießen?

Ich liebe Konzerte. Als Musikfan gibt es nichts Besseres, als ein grandioses Album oder meine Lieblingstracks live zu erleben. Bandmitglieder vor mir stehen zu sehen, mich von den echten, rohen Klängen der Instrumente oder dem Charisma des Sängers einnehmen zu lassen: Das macht Musik für mich aus.

Doch häufig wird mir der Blick auf die Bühne kaputtgemacht: von Leuten, die ihre Smartphones nach oben recken, von Blitzlichtern, roten "Aufnahme"-Buttons und winziges Screens, die das Gesehene verhundertfachen. Weniger Leute tanzen, weniger klatschen – Hauptsache filmen.

Konzert – hundertfach.(Bild: dpa / Malte Christians)

Das stört nicht nur mich: Auch die Künstler sind mittlerweile von Smartphones auf ihren Konzerten genervt. 

Eine drastische Maßnahme hat nun "White Stripes"-Sänger Jack White getroffen: Während seiner Gigs sind Handys ab sofort verboten. 

In der Radioshow von "Metallica"-Schlagzeuger Lars Ulrich begründete er das Vorgehen:

Ihn störe es, dass das permanente Filmen bei seinen Konzerten die Kommunikation zwischen dem Publikum und ihm verhindere. Wenn jeder nur mit seinem Smartphone beschäftigt sei, sei die Stimmung dahin. "Ich arbeite nicht mit Setlists und bin auf das Feedback der Leute angewiesen", sagt Jack White dem Radiosender.

Deshalb müssen Besucher seiner Auftritte ihr Handy in einen Beutel legen, der sich in der Halle nicht mehr öffnen lässt: 

Diese Beutel werden mit Hilfe einer speziellen Docking-Station verschlossen und können nur außerhalb geöffnet werden – vor der Konzerthalle. Wer einen Anruf tätigen oder mal eben Instagram checken will, der kann das also durchaus noch während des Konzertes machen, muss dafür aber raus.

Ein wichtiger Schritt? Oder total übertrieben? Nun ja. Szenen wie diese geben die offensichtliche Antwort:

Konzerte gehören zu den Lebensereignissen, die wir mit der Welt teilen wollen. Apps wie Instagram oder Snapchat haben es uns eingepflanzt: "Pictures or it didn't happen!" Wer 100 Euro für ein Konzertticket ausgegeben hat, will anderen zeigen: "Bei mir geht's grade ab – und du kannst zuschauen. Toll, oder?!" 

Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, auf Konzerten noch nie ein Handy gezückt zu haben. 

Früher war mein Speicherplatz auf dem Telefon voll mit Videomitschnitten, Sprachmemos und verwackelten Fotos von spärlich beleuchteten Hallen und Bühnen. Die Euphorie, die mich ergriff, wenn ich meine geliebte Banks live performen sah: Ich wollte sie festhalten.

Gleichzeitig nervte es mich schon immer, wenn andere meine Sicht blockierten. Und: Immer, wenn ich filmte, konzentrierte ich mich mehr auf meinen Screen als auf das Geschehen vor mir. Statt die Atmosphäre aufzusaugen, hatte ich Panik, dass mein Smartphone die extreme Lautstärke nicht übersteuert.

Auch die Künstler sind mittlerweile von Smartphones auf ihren Konzerten genervt

Das verfälscht das Live-Gefühl – und ich bin froh, dass Jack White mit seiner No-Phone-Policy was dagegen macht. Wie wäre es, wenn wir die Musik einfach mal wieder genießen?

Uns daran erinnern, dass all die Aufnahmen meist eh in der Versenkung verschwinden? Uns fragen, wie sehr wir die Schnipsel brauchen? Was ist wichtiger: der Moment – oder der Moment, in dem wir "Aufnahme" drücken?

Wir kriegen das auch im Kino hin, in der Kirche oder bei richtig guten Dates. Warum also nicht auch, wenn wir die Menschen kennenlernen, die wir sonst nur über Spotify hören?

Und du?


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