"Den ganzen Abend lang Longdrinks in der Hand"

Ein Hotel am Hamburger Steindamm. Mit schnellen Schritten kommt Haiyti in die Lobby, Jogginghose, Wollpulli, kein Make-up, Dutt. Das ist die derzeit wohl angesagteste Frau im Deutschrap.

Sie lässt sich auf eine Sitzbank fallen, holt ihr Smartphone raus – und fängt an zu weinen. Sie habe sich gerade gestritten, sagt sie hastig, Entschuldigung. "Können wir schnell mit dem Interview beginnen?"

Hoppla. Man könnte meinen, sie hätte keinen Grund unglücklich zu sein – denn schon bald könnte Haiyti der Durchbruch gelingen. Am 12. Januar erscheint ihr erstes Album bei einem großen Label, für "Montenegro Zero" nahm Universal sie unter Vertrag.

Haiyti: Singt über einen Mafioso-Onkel(Bild: Tim Bruening)

Erst kürzlich war sie auf dem Cover der "Juice", als dritte Frau in der 20-jährigen Geschichte des Hip-Hop-Magazins. Die "Zeit" vergleicht sie mit Ikonen wie Nina Hagen oder Falco, der "Rolling Stone" lobt ihre Auto-Tune-Skills. Haiyti ist Sirene und Popsternchen zugleich, ihre Texte und Klamotten sind eine Ansage. 

Haiyti lebt in der Nähe des Steindamms, mitten in Hamburgs Bahnhofsviertel, wo sich Geflüchtete und Gestrandete rumdrücken und Gemüse- auf Drogenhändler treffen.


Haiyti, was magst du an dieser Gegend?

Auf dem Steindamm wirst du nicht dicht gelabert. Du bist zwischen den echten Leuten und nicht zwischen den Werbern.

Und trotzdem willst du dir mal ein Haus in Monaco leisten, wie du im Song "Monacco" verrätst?

Ja. Ich war da aber noch nie, ich muss erst die Welt sehen. Ich muss mal rauskommen aus dem Schlamassel hier, aus Hamburg. Sobald man es geschafft hat, will man weg. Aber noch hab ich das ja nicht.

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Wer sich mit Haiyti beschäftigt, erfährt von einer Kindheit in prekären Verhältnissen, einem Aufwachsen im Norden Hamburgs und im Krachviertel St. Pauli. Ihr Leben verarbeitet sie mal kryptisch, mal gestochen scharf in ihren Texten – mit klugen Reimen.

Wenn du von Schlamassel sprichst: Wie schlägst du dich denn durchs Leben?

Tja, mein ganzes Leben bin ich wahrscheinlich schon irgendwie special, denn ich komme meistens irgendwie durch. Neulich bin ich ohne Geld in einen Club gegangen und hatte am Ende trotzdem den ganzen Abend lang Longdrinks in der Hand. Ich kann zwei Tage feiern, ohne was dafür bezahlen zu müssen.

Ich fühle mich nicht so, aber ich bin wohl eine Vorreiterin. Weil ich gut rappe und eine Ausnahmekünstlerin bin.

Hamburgerin Haiyti: "Ich bin eine Ausnahmekünstlerin"(Bild: Tim Bruening)

Auf deinem neuen Album geht es viel um Liebe.

Naja, ich könnte auch Storys erzählen, die niemand kennt, aber dann hast du kein Publikum. Liebe, Hass und Eifersucht, das sind die größten Gefühle, über die man schreiben kann. Und über dieses Hamburg-Berlin-Ding, welche Stadt geiler ist, wo sind die besseren Partys. Das kommt an – das ist das, worüber die Leute noch immer reden, wenn sie in der Mitfahrgelegenheit sitzen und von einer Stadt in die andere fahren.

Und selbst? Schon mal im Berghain gefeiert?

Nee, das ist es ja. Ich war zwar schon früh auf Partys, ich war überall, in VIP-Bereichen und backstage. Aber im Berghain, da war ich noch nicht. Obwohl man meinen könnte, dass es voll zu mir passen würde. Aber ich wollte da bisher nicht hin. Weil ich mir das aufbewahren möchte, für irgendwann. Das ist wie mit der Jungfräulichkeit: was Besonderes, was man sich aufsparen möchte.   

Künstlerin Haiyti: "Ich wollte bisher nicht ins Berghain"(Bild: Tim Bruening)

Andere Rapper holen sich für Songs oft Kollegen dazu, auf deinem Album bist nur du. Woran liegt das?

Ein dickes Feature ist mir durch die Lappen gegangen. Ich rede aber nicht mehr darüber. Irgendwann dachte ich mir, ich hab genug Features gemacht. Damit will ich ein Statement setzen. Das ist das Haiyti-Album. 

Auch deine Videos machst du selbst, vom Konzept bis zum Schnitt. Brauchst du keine Hilfe?

Naja, eher liegt das daran, dass ich bisher niemanden gefunden habe, dem ich das anvertrauen will. Das ist mein härtester Job, Videoproduzentin zu sein. Das Rappen und Schreiben ist das Erholende. Organisieren, Outfits raussuchen, Filmmaterial durchgehen, schneiden – das Anstrengende ist, sich zu verkaufen.

Lass uns Freunde werden!

Warum ist das so schwer?

Ich habe das Talent nicht in mir, irgendwelche Rollen zu spielen. Ich mach am liebsten Dinge, ohne großartig darüber nachzudenken. Meine Kunst ist außerdem geprägt von meinem persönlichen Geschmack, meinen Geschichten, der Ästhetik, die mir gefällt. Da kann man eben nicht so tun, als ob. Und von dem, was die Leute in der Öffentlichkeit von mir sehen, steckt viel Persönliches. 

In früheren Videos hast du Oversized-Klamotten getragen, auf deinem Albumcover trägst du einen Badeanzug und eine Pelzjacke. Woher kommt die Veränderung?

Tausend Mal im Pullover ist doch langweilig. Auf dem Albumcover dachte ich – okay, ich brauch so einen heftigen Mantel und mach auf Lady. Ich bin nicht nur oversized, sondern geh auch mal sexy auf eine Party. Ich mag beides gerne.


Tech

Konferenz über Bitcoin akzeptiert Bitcoin nicht

Eine große Bitcoin-Konferenz in den USA, die North American Bitcoin Conference in Miami, will keine Bitcoin haben. Wer an der Konferenz teilnehmen will, muss den Eintrittspreis ganz klassisch in Dollar begleichen. Ein Last-Minute-Ticket für den 18. und 19. Januar kostet 1000 Dollar.

Ursprünglich war die Bitcoin mit dem Versprechen gestartet, man könne damit ganz einfach weltweit damit zahlen. Mittlerweile dient es vielen vor allem zur Geldanlage und zur Spekulation.

Die Veranstalter der Konferenz nennen als Grund für den Bitcoin-Stop "Netzwerk-Verstopfung" und die "manuelle Bearbeitung". Seitdem Bitcoin einen Hype erfährt, dauern Transaktionen immer länger. Außerdem schwankt der Kurs – und es gibt hohe Kosten beim Tausch der Währung.