Sonntagmorgens, nach einer viel zu kurzen Nacht und einer viel zu langen Autofahrt durch Südengland – auf der verdammt noch mal falschen Straßenseite wohlgemerkt – sitzen wir im Flieger von London in die Heimat. Die letzten beiden Tage haben wir auf dem hierzulande viel zu unbekannten Bestival Musikfestival verbracht – und es war... es war... 

(Bild: Giphy )

Nicht nur waren wir bei The XX, Rag'n'Bone Man und beim wahrscheinlich letzten Konzert von A Tribe Called Quest EVER. Wir haben auch kaum geschlafen, uns einmal durch die Welt des Food-Truck-Foods gegessen und sind am letzten Abend beinahe im Schlamm versunken. Und wir haben ein paar der coolsten, interessantesten und schönsten Menschen getroffen, denen wir wahrscheinlich je begegnen werden.

Mit nachhause nehmen wir – neben hart verkrusteter Kleidung – vor allem eines: ganz viel Festival-Weisheit. So viel haben wir davon, dass wir sie an dieser Stelle locker mit euch teilen können. Also Ohren gespitzt:

1

Es gibt kein schlechtes Wetter

Entgegen diesem dämlichen Sprichwort gibt es aber auch keine "passende Kleidung" – nicht, wenn es stundenlang wie aus Eimern regnet, bis der Boden langsam die Konsistenz von Zahnpasta bekommt. Was es dagegen gibt, ist: die Musik lauter drehen und weitertanzen.

(Bild: Giphy )

2

Schlamm ist nicht gleich Schlamm

Nach zwei verregneten Festival-Tagen in typisch englischer Buschlandschaft wissen wir: Schlamm kommt in mehr Farben, Aggregatzuständen und Duftnoten, als sich irgendwer vorstellen kann. Die Eskimos mit ihren 50 Wörtern für Schnee können einpacken: Wir könnten eine mehrbändige Schlammtaxonomie verfassen. Hier ein Auszug: 

  • "Dunkle Versuchung" (mit Stückchen)
  • Schlamm brûlée 
  • Wässrig-grauer Sink-Schlamm (To Go)
  • Herber Gleitschlamm ("Umwerfend!" Evening Times)
  • "Ist-das-Schlamm-ich-glaube-das-ist-gar-kein-Schlamm-riech-mal"-Schlamm

3

In England gilt die 3-Sekunden Regel auch für Menschen

Wann immer beim Bestival jemand ausgerutscht und hingefallen ist, eilten ihm sofort Menschen zu Hilfe und stellten ihn mit einer Geschwindigkeit wieder auf, als ginge es um jede Sekunde. Der Grund hierfür ist offensichtlich: Was in Deutschland nur für Essen gilt, gilt in England auch für Menschen. Solange du binnen drei Sekunden wieder auf die Beine kommst, ist es so, als wäre nichts gewesen. Abwischen, lachen, weitertanzen. 

4

Die Engländer sind bei Festivals einfach besser als wir

Diesen Fakt kann man gar nicht anzweifeln. Woran das aber liegt, darüber kann man viele Theorien haben. Hier ist unsere: 

Engländer gehen nicht wirklich wegen der Musik auf das Festival. Sie gehen, um Spaß zu haben, sich absurd anzuziehen, Leute kennenzulernen, sich vollkommen daneben zu benehmen. Deswegen kann man sie auch kaum enttäuschen – wenn der Main-Act nichts taugt, gehen sie halt woanders hin. 

Und so war das Festival auch aufgebaut. Ein gefühltes Dutzend Bühnen, dazu tausend Bars, Läden, Spielbuden, Fahrgeschäfte, Theatergruppen, Kunst-Aktionen und Installationen. Wenn du alles einmal gesehen hast, ist auch schon Sonntag. 

5

Wie erwachsen jemand ist, hat nichts mit dem Alter zu tun

Wir haben Menschen jeden Alters gefragt, für wie erwachsenen sie sich halten. Das Ergebnis seht ihr im Video am Anfang dieses Artikels. 

6

Du darfst Glamping gern haten

In Deutschland finden sich erstaunlich viele Leute, die regelrechte Aggressionen gegen Glamping – also das Übernachten in etwas luxuriöseren Zelten – haben. Weil Schlafen im Einmannzelt und Aufwachen in einer Pfütze gefälligst zur Festival-Experience gehört. 

In England sieht man das gelassener. Wer es sich leisten kann, der glampt und ist stolz drauf. Der schläft nachts im kuscheligen Bettlager, duscht morgens ausgiebig, frühstückt im VIP-Zelt, zieht sich dann seine Gummistiefel an und feiert umso härter und dreckiger. (Man kann sich danach ja im Whirlpool wieder sauberschrubben.)

7

Der Foodtruck ist die neue Hauptbühne

Man kann zum Festival gehen und da drei Tage lang nur Fish und Chips essen – so riesig, wie die Portionen sind, reicht wahrscheinlich eine Packung. Einer der schöneren Aspekte des Älterwerdens (und des Presse-Ausweises) ist jedoch, dass man sich auf dem Festival so edel und abwechslungsreich ernähren kann, wie man es zuhause nie tun würde. 

Unser Kameramann hatte den nach eigenen Angaben "besten veganen Döner der Welt", zum Nachtisch gab es Brownies, die auf der Zunge geschmolzen sind, und als Mitternachtssnack hatte ich ein ausgehöhltes und mit einer Art Chili gefülltes Baguette – garniert mit Hummus und so fucking delicious, dass ich beinahe ohnmächtig geworden wäre. Für wen das kein "authentisches Festival-Food" ist, der ist nur neidisch. 

8

Nach zwei Tagen Festival ist trotzdem alles Luxus. Alles. 

Trockene Schuhe. Saubere Achseln. Ein Stuhl. Ein Gespräch in Zimmerlautstärke. 

Wer verlernt hat, für die alltäglichen Dinge im Leben dankbar zu sein, der gehe also einfach aufs Festival – ein verregnetes am besten. Das ist effektiver als jede Achtsamkeits-Meditation. Und es liefert dir die besseren Anekdoten. 

9

Wenn du zeigen willst, wer du wirklich bist, musst du dich verkleiden

Du magst es nicht, angefasst zu werden, lässt dich gern treiben und liegst am liebsten am Strand rum? Komm als Qualle. Du bist künstlerisch veranlagt und magst es, wenn jemand auf dir rumkaut? Logisch: Filzstift-Kostüm. Eine kleine Galerie:

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10

Die Zukunft ist Glitter

Die Trendsetter unter euch wissen das wahrscheinlich schon längst, aber Glitter ist inzwischen so omnipräsent, dass es fast gruselig ist. Das Zeug ist wie ein ultra-ansteckender, extrem glamouröser Hautausschlag. Und weil es bei Glitter keine Geschlechter-Grenzen zu geben scheint, könnte in dem Zeug sogar revolutionäres Potenzial stecken. Die Post-Gender-Ära kommt – und sie wird...

(Bild: Giphy )

11

Nicht Öl, nicht Wasser – die am heißesten umkämpfte Ressource der Welt ist: feuchte Babytücher

Die Begeisterung des englischen Volks für feuchte Babytücher kann gar nicht übertrieben werden. Wenn die Leute einmal davon angefangen haben, kommen sie richtig ins Schwärmen. Menschen, die von Kopf bis Fuß mit Schlamm beschmiert sind, schwören, dass sie auf Festivals eigentlich nichts anderes brauchen. 

Um die Klobrille abzuputzen: Baby Wipes. Für die Morgenhygiene: Baby Wipes. Loch im Zelt? Hose vergessen? Schlimm Hunger? Baby wipes, baby wipes, baby wipes!!!

(Bild: Giphy )

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Feiern ist Familiensache

Wir waren ziemlich überrascht, wie viele Menschen mit ihrer Familie auf dem Festival waren. Und damit meinen wir nicht, dass sie ihre kleinen Kinder mitgebracht haben, wie das zum Beispiel auf dem Summer’s Tale der Fall war. Sondern dass 18-jährige Mädchen ihre Mütter dabei hatten, die wiederum ihre eigenen Eltern mitbrachten. Wir haben ganze Mehrgenerationen-Zelte gesehen. Und obwohl wir erstmal skeptisch waren, ob das so geil sein kann, finden wir inzwischen: Doch, ja. Das ist geil. Sehr sogar. 

Und wenn du denkst: "Was? Meine Eltern, Großeltern und eigentlich ich ja sogar selber sind doch schon viel zu alt fürs Festival!" dann haben wir hier noch was für dich:

Das ist eben auch insgesamt das Schöne am Bestival: Alle waren freundlich, nein, freundschaftlich, nein, sie waren FAMILIE! Alle waren entspannt, gut drauf und hatten einfach Lust, eine schöne Zeit zu verbringen. 

Es ist vielleicht nichts Neues, aber es kann nicht oft genug gesagt werden: Wenn alle Menschen dieser Welt immer so miteinander umgehen würden, wie die Leute auf (englischen) Musikfestivals es tun, dann müsste endlich niemand mehr irgendwo im Dreck liegen. Zumindest nicht länger als drei Sekunden. 

Kundeninformationen

Die eigene Freiheit feiern, ohne dabei auf einen gewissen Komfort verzichten zu müssen – dafür steht auch Mercedes-Benz.

Die Kampagne "Grow up" erzählt die Geschichten einer neuen Generation. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die im Spannungsfeld zwischen coolem Erwachsenwerden und Spießertum das Lebensgefühl der neuen Kompaktwagen verkörpern. Einer der Protagonisten ist der US-Rapper A$AP Rocky.

www.mercedes-benz.com/growup


Gerechtigkeit

Vier Menschen erzählen, warum sie in ihrer Partei sind – trotz ihrer Zweifel

Ob CDU, Grüne oder FDP – wir haben bei fast allen Parteien ein ganz bestimmtes Klischeebild der Mitglieder im Kopf. Die Union besteht aus wohlbeleibten Herren und Frauen mit Perlenkette, die Grünen sehen immer aus, als würden sie gerade von einer Demo ankommen und sind selbstverständlich Vegetarier. Bei der Linken sollte man mit seinem Auftreten den Klassenkampf verkörpern, und die FDP beherbergt Scharen BWL-Studenten.