Bild: Graphizzle Novizzle
"Cartoon vor Freundschaft"

Die HipHop-Szene ist voller verrückter Extreme und Charaktere, die ihresgleichen suchen. Dass diese Szene nun ihren ersten eigenen Karikaturisten hervorbringt, wirkt deshalb wie eine Art Ironie des Schicksals. Graphizzle Novizzle nennt sich der sehr verschlossene junge Mann, der mit seinen Karikaturen die Szene bearbeitet – und dafür von einigen Rappern gehasst wird. Ein Gespräch darüber, wie sich das Leben zwischen HipHop, Wahnsinn und Zeichenblock gestaltet.

Du zeichnest Karikaturen über deutsche Rapper und die Rap-Szene. Wie hat das angefangen?

Ich habe einen Grund gesucht, mal wieder etwas in Richtung Cartoons zu zeichnen. Da ich schon lange einen Bezug zu Deutschrap hatte, habe ich mich mal wieder etwas eingelesen, was Gossip- und Musiktechnisch gerade so passiert. Die Resonanz auf die ersten Cartoons war direkt sehr gut.

Sido hat einmal in einem Interview gesagt, dass Satire "sich verpissen soll", weil diese "Satire-Idioten denken, sie können sagen, was sie wollen". Was hast du gedacht, als du das gesehen hast?

Der Begriff Satire bereitet generell zur Zeit vielen Probleme. Oft wird er auch für bloße Provokation missbraucht. Nicht alles, was ironisch oder geschmacklos ist, ist automatisch schwarzer Humor oder Satire. Es soll ja auch eine Art Denkvorgang ausgelöst werden. Ob das, was ich mache, Satire ist, ist mir eigentlich nicht so wichtig. Mir geht es eher um Unterhaltung.

(Bild: Graphizzle Novizzle)
Wie reagieren die Rapper sonst auf deine Karikaturen?

Unterschiedlich. Sido war ein Extrembeispiel. Es gibt aber auch Leute, die sehr cool auf die Sachen reagieren und mir Props geben. Olexesh hat mir geschrieben, dass er die Comics feiert, das hat mich total gefreut. Manche zeigen sich aber auch eher beleidigt, sobald eine gewisse Grenze überschritten wird. Aber ich kann es auch verstehen. Es ist auch nicht immer nett, was ich da zeichne. Da muss man sich nicht drüber freuen.

(Bild: Graphizzle Novizzle)
Dein Job besteht ja auch darin, die Fehltritte von Rap-Musikern aufzuzeigen. Darunter sind natürlich auch welche, von denen du selbst Fan bist.

Als ich jünger war, war ich immer scharf auf Parodien meiner Lieblingsfilme und Rapper. Und zu einer Parodie gehört eben, dass man die Sache durch den Dreck zieht. Das ist eigentlich nicht persönlich zu nehmen, ich will einfach dem Genre gerecht werden. Es tut mir auch manchmal etwas leid, wenn jemand nicht so gut weg kommt, von dem ich weiß, dass er eine korrekte Person ist. Aber wenn ich eine Idee habe, muss ich das auch umsetzen. Cartoon vor Freundschaft.

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Money Boy, den du mit deinen Comics des öfteren unterstützt hast, hat dich mal ziemlich auflaufen lassen. Was war passiert?

Ich wollte nach der Show von Moneyboy im Backstage ein paar Hefte verteilen und den Boy persönlich kennenlernen. Ich habe davor auch schon versucht, eine Comic-Kooperation in die Wege zu leiten. Die "Glo up Member" waren auch sehr nett. Moneyboy war aber vom ersten Sammelband nicht so überzeugt und hat ihn erst inhaltlich und dann wortwörtlich zerpflückt. In dem Moment fand ich das etwas unswagy. Aber wenn man selbst so viel austeilt, muss man auch mal einstecken können.

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Inzwischen gibt es Rapper, für die du das Artwork ihrer Tonträger gemacht hast. Wie kam es dazu?

Mir macht es Spaß, das passende Artwork für Musik zu finden und dann auch mal etwas Aufwändigeres zu illustrieren. LGoony hatte ich schon vor seinem ersten Tape auf dem Schirm. Ich hab ihm angeboten, das Cover für sein Tape zu illustrieren, da hatte er allerdings schon eins. Bei Grape Tape hat es dann geklappt und ich hatte die Idee dieser Neuinterpretation vom genialen Azad-Leben-Cover von WON ABC.

(Bild: Graphizzle Novizzle)
Deine Karikaturen fasst du immer wieder zu Büchern zusammen und druckst die in Eigenregie einfach selbst. Warum machst du das?

Anfangs habe ich einfach die Cartoons über Facebook rausgehauen. Dann kamen immer öfter Anfragen von Lesern, wo man die Comics als Buch kaufen könne. Es ist schön, das Ganze zusammenzufassen und nochmal für ein greifbares Produkt verwenden zu können. Mittlerweile kommt auch etwas Geld bei rum.

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Es ist mein zweiter bunter Comicband. Abwechslungsreicher und direkter an die Künstler gerichtet als das letzte. Es wird wieder respektlos.

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