Schlamm-Rutschen und Regentanz sind auf Festivals gefühlt einprägsamer als Sonnenbrand und Schweißflecken.

Aber was sagt eigentlich die Statistik? Welches Festival in Deutschland ist das Sonnigste, und wo regnet es am meisten? Wir haben zehn große Festivals verglichen.

Auf meinem Lieblingsfestival Rock im Park kann ich mich in jedem Jahr an einen apokalyptischen Wolkenbruch erinnern. Aber ist das wirklich so, oder liegt das am gesteigerten Alkoholkonsum? In einer Datenanalyse haben wir die durchschnittliche Tagestemperatur, die Niederschlagsmenge und die Sonnenstunden von zehn großen Festivals der letzten zehn Jahre verglichen. Das Ergebnis ist erschreckend, denn meine eigene Beobachtung wurde voll und ganz widerlegt: Statistisch gesehen ist Rock im Park das trockenste Festival in Deutschland. Das Gesamtergebnis wird in diesem Balkendiagramm dargestellt. Dabei könnt ihr für jedes Festival den Mittelwert der letzten zehn Jahre in Bezug auf alle drei Faktoren einfach ablesen:

Melt!: Das wärmste und sonnigste Festival

Die Wetterdaten sprechen eine sehr eindeutige Sprache: Sowohl in Bezug auf die Durchschnittstemperatur als auch bei den Sonnenstunden macht das Melt-Festival seinem Namen alle Ehre. Euch erwartet eine durchschnittliche Tagestemperatur von über 20 °C, über acht Sonnenstunden pro Tag und fast kein Regen. Das Melt-Festival findet jedes Jahr Mitte Juli in Ferropolis, einem ehemaligen Tagebau in Sachsen-Anhalt statt. Auch weil das Melt-Festival mit rund 20.000 Besuchern zu den kleineren Festivals auf unserer Liste zählt, und es musikalisch irgendwo zwischen Rock und Elektro anzusiedeln ist, ist es ein toller Festival-Tipp für Sonnenhungrige.

Rock im Park: Das trockenste Festival

Wenn ihr trocken bleiben wollt, dann solltet ihr jedes Jahr ins fränkische Nürnberg reisen und euch mit 75.000 anderen Zuschauern über 80 Bands auf drei Bühnen anschauen. Das Festivalgelände auf dem alten Reichsparteitagsgelände liegt ziemlich zentral in der Stadt, und bleibt erstaunlich oft vom Regen verschont. Und auch bei den Sonnenstunden liegt Rock im Park auf den vorderen Plätzen. Lediglich die Temperaturen bewegen sich leider im unteren Bereich, das liegt aber vor allem am frühen Juni-Termin im Festivalkalender.

Chiemsee Reggae Summer: Das verregnetste Festival

Deutlich fällt das Ergebnis auch im negativen Bereich aus. Auf dem Chiemsee Reggae fiel in den letzten zehn Jahren fast doppelt so viel Regen wie bei allen anderen Festival-Kandidaten. Also setzt die Regenjacke ganz oben auf eure Packliste, wenn ihr euch Mitte August Richtung Chiemsee aufmachen wollt. Immerhin sind die Temperaturen und die Sonnenstunden im Mittelfeld, so dass ihr wenigstens den dicken Pullover daheim lassen und die Sonnenbrille aufsetzen könnt, während ihr im Zelt auf das Ende des nächsten Schauers wartet.

Rock am Ring: Das kälteste Festival

Das größte Rockfestival in Deutschland ist gleichzeitig auch das Kälteste. Wir haben dabei natürlich nur den "alten" Standort auf dem Nürburgring in der Eifel berücksichtigt und noch nicht den neuen Veranstaltungsort in Mendig, wo das Festival ab diesem Jahr stattfinden wird. Da Rock am Ring das Partnerfestival von Rock im Park ist, darf man auch hier die Schuld für die niedrigen Temperaturen auf den frühen Juni-Termin um Pfingsten schieben. Aber kühl muss ja nicht schlecht sein, denn Pogo-Tanz und Headbangen sind bei Hitze nicht sehr angenehm, und bekannterweise kommt die Wärme auf Festivals aus dem Magen.

Wer sich für die Werte der einzelnen Jahre aller Festivals interessiert, findet hier zu jedem Festival ein Detail-Diagramm:

Festivalwetter Einzeldiagramme

Hinweise zur Methodik

  • Es wurden nur Festivals berücksichtigt, die über eine gewisse Mindestgröße verfügen und von 2004 bis 2015 am gleichen Ort und im gleichen Zeitraum stattfanden.
  • Datenquelle sind die Werte der jeweils nächstliegenden Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes.
  • Die Entfernung der Wetterstationen vom Festivalgelände variiert zwischen 4 und 22 Kilometern.
  • Die Tageswerte der jeweiligen Festival-Zeiträume wurden addiert und durch die Anzahl der jeweiligen Festivaltage geteilt.
  • Die so ermittelten Durchschnitts-Jahreswerte wurden anschließend addiert und durch zehn (2004 bis 2014) geteilt um auf die Gesamt-Durchschnittswerte zu kommen.