Bild: Sandra Müller
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Falk Schacht ist der Justus Jonas des deutschen HipHop – ein wandelndes Lexikon. Er war Moderator von Sendungen wie "Supreme" und "Mixery Raw Deluxe" und hatte eine Kolumne im "Juice"-Magazin.

Zusammen mit Jule Wasabi hostet er aktuell "Schacht und Wasabi: Der Deutschrap Podcast". Falk Schacht lebt die HipHop-Kultur 365 Tage im Jahr, deswegen ist er genau der Richtige, um bento zehn HipHop-Buchtipps zu geben. Unter seinen Empfehlungen sind deutsche Bücher, aber natürlich auch US-amerikanische – denn dort ist HipHop geboren, eine Graphic Novel und sogar zwei Kochbücher. 

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Könnt ihr uns hören? Eine Oral History of Rap - von Davide Bortot und Jan Wehn (2019)

"Das Buch gibt einen sehr guten Überblick über die Deutschrap-Geschichte. Die Rap-Protagonisten schildern darin ihre Erlebnisse. Der Eingriff der Autoren besteht lediglich darin, unterschiedliche Aussagen über gleiche Geschehnisse einander zuzuordnen und gegenüberzustellen. Ich persönlich finde den Abschnitt über den Aufstieg von Rap aus Berlin und das Label "Aggro Berlin" hochspannend. Der Einzug von Sichtweisen aus der Unterschicht war für die bis dahin in Deutschland von der Mittelschicht geprägte HipHop-Szene nur schwer zu verkraften."

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Eine Stadt wird bunt – von Andreas Timm, Frank Petering, Oliver Nebel und Mirko Reisser (2020, noch nicht veröffentlicht)

"Das Buch steht noch in den Startlöchern, es wurde von einer Crowdfunding-Kampagne finanziert und soll ganz bald erscheinen – ich hatte schon Einblick ins Rohmaterial. Es dokumentiert Hamburgs Graffiti-Geschichte von 1980 bis 1999. Die Herausgeber haben dafür 30.000 Bilder ausgewertet, von denen die besten im Buch landen. Einige Graffiti-Protagonisten erzählen darin ihre Geschichten. Gleichzeitig ordnet das Buch die HipHop-Jugendkultur in die soziokulturellen Umstände der Stadt Hamburg ein. Es geht also etwa auch um Gentrifizierung, die es auch schon in den 80ern und 90ern gab.

Es gibt zwar kein explizites Kapitel über Jan Delay oder Samy Deluxe, dennoch vermittelt das Buch ein sehr gutes Gefühl für den Spielplatz, auf dem diese damals 'kleinen Pupser' laufen gelernt haben. Sie haben nämlich das weitergeführt, was Udo Lindenberg, Marius Müller-Westernhagen und Otto, die in den 70ern mal zusammen in einer Villa-WG wohnten, angefangen haben."

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Topf. 24 Jahre deutsche HipHop-Geschichte – von Jenny Bohn (2016)

"Das Buch erzählt die Geschichte der Münchner Band Blumentopf – nach 24 Jahren haben sie sich dazu entschieden, nicht mehr weiterzumachen. Gleichzeitig gibt das Buch einen guten Einblick in die Entwicklung der süddeutschen HipHop-Szene. Ich mochte den Abschnitt über Blumentopfs WG-Leben besonders. Die Jungs sind zusammengezogen, um sich noch mehr auf die Musik zu fokussieren. Aber so ein Zusammenleben bringt natürlich auch ganz normale menschliche Konflikte mit sich. Wie die in den Kreativprozess für die Entstehung von neuer Musik eingeflossen sind, ist in dem Buch sehr real, nachvollziehbar und sympathisch geschildert."

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Selfmade Records – Die ersten 10 Jahre von Deutschlands erfolgreichstem HipHop-Label – von Elvir Omerbegovic und Jan Wehn (2015)

"Ein spannendes Buch über den Aufstieg des Labels von Kollegah, Favorite, Casper und Co. Der Leser bekommt viele kleine Nerdwissen-Nuggets vorgesetzt. Zum Beispiel, dass der mittlerweile bundesweit bekannte Koch Nelson Müller auf einem der ersten Selfmade-Veröffentlichungen als Soul-Sänger zu hören ist."

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35 Jahre HipHop in Deutschland – von Sascha Verlan und Hannes Loh (2015)

"Dieses Werk wurde neu aufgelegt – es gab schon die Version '25 Jahre HipHop in Deutschland' von 2006. Mir ist der Abschnitt über den Konflikt zwischen der Szene und den Fantastischen Vier besonders in Erinnerung geblieben. Ihnen wurde Mainstream und Sellout vorgeworfen. Sowas war für einen realen HipHopper natürlich ein Unding – dennoch kam es Ende der 90er auch in Deutschland zum HipHop-Hype. Es geht auch um die Frage, wie man erfolgreich HipHop macht ohne die Kultur auszuverkaufen."   

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Hip Hop Family Tree – von Ed Piskor (2014)

"Eine extrem hochgelobte Grafic-Novel-Serie über HipHop der 70er in den USA. Stil, Kolorierung und sogar das Druckpapier sind so angepasst, dass sie aussehen wie Superhelden-Comics von Marvel und DC aus den 70ern. Das Papier ist zum Beispiel gelblich – eben so, als würde man einen vergilbten 70er-Comic aus einer verstaubten Kiste im Keller hervorholen. Die ersten zwei Bände gibt es auch auf Deutsch – an der Übersetzung habe ich mitgearbeitet."

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Yes Yes Y’all – von Jim Fricke und Charlie Ahearn (2002)

"Das Buch ist das erste, das die Frühphase der HipHop-Kultur – also ca. 1973 bis 1980 – im „Oral History Style“ dokumentiert. Spannend fand ich den Abschnitt, der erzählt, wie Partys vom öffentlichen Raum in Clubs wanderten und wie die vermeintlichen Troublemaker der Partys zu Securitys der Künstler umfunktioniert wurden. Da kann auch eine Verbindung zu den heutigen Verflechtungen von Clans mit der HipHop-Szene hergestellt werden. Man will diese Troublemaker eigentlich nicht haben, aber bevor man mit ihnen Stress kriegt, ist es die beste Lösung, ihnen Verantwortung zu übertragen und sie zu bezahlen."

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The Big Payback: The History of the Business of Hip-Hop – von Dan Charnas (2010)

"Ein unglaublich gut recherchiertes, sehr langes Buch über die geschäftliche Entwicklung von HipHop. Für mich eins der besten. Warum werden Partys aus der Öffentlichkeit in Clubs verlegt? Wie stellen die Clubbetreiber das an? Wie wird die erste Schallplatte bei einem Indie-Label veröffentlicht? Wie stoßen Majors auf HipHop? Welche Marke schließt den ersten Deal mit einem HipHopper ab? Warum entschließt sich MTV, HipHop zu spielen? Wie entsteht die erste HipHop-Radiostation? Diese und viele weitere Fragen werden im Buch beantwortet. Total spannend fand ich etwa den Abschnitt über „Sugarhill Records“ und wie dieses Label den ersten HipHop-Welthit „Rapper‘s Delight“ 1979 konstruiert hat."

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"Soulfood – Food & Music, Fat & Yummy" von Katmando 

"Ein gutes Geschenk für Classic-HipHop-Fans. Es gibt Einblicke in die Geschichte des Soulfoods, in welchem Zusammenhang es mit der Sklaverei in den Vereinigten Staaten und der Musik steht. Dazu gibt es Rezepte und interessante Tipps. Etwa wenn man kein amerikanisches "Collard Green" bekommt, soll man stattdessen die kostenlosen Kohlrabi-Blätter aus dem Supermarkt verwenden. Das Hasenfutter also. Das verdeutlicht gleichzeitig die Philosophie von Soulfood: Aus nichts etwas zu machen."

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"The HipHop Cookbook" von Gerry Bachmann

"Das zweite Kochbuch hat Gerry Bachmann geschrieben, auch er ist ein Urgestein der deutschen HipHop-Szene und bereits Anfang der 80er nach New York gereist. Er hat für das Buch viele amerikanische HipHop-Legenden dazu gebracht, ihre Lieblingsrezepte zu verraten."

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Gerechtigkeit

"Die Hygieneregeln sind hier ein Witz": Corona in Flüchtlingsunterkünften
Für Asylunterkünfte gibt es keine einheitlichen Corona-Regeln – das könnte schon bald für Probleme sorgen.

Seit Freitag darf Ruhul wieder raus. Und seit Freitag weiß Ruhul erst, was überhaupt los ist. "Zwei Wochen lang waren wir zu viert in einem kleinen Zimmer in Quarantäne", erzählt Ruhul am Telefon, "wir wussten, dass es um Corona ging, mehr aber auch nicht." 

Ruhul Amin Khan ist aus Bangladesch nach Deutschland geflohen und lebt derzeit im Ankunfts- und Verteilzentrum in der Maria-Probst-Straße in München. Zwei Wochen lang war er in Quarantäne, zusammen mit einem Kongolesen, einem Afghanen und einem Ugander auf einem Zimmer, weil sich jemand aus seiner Etage mit dem Coronavirus infiziert hatte. 

"Jeder von uns hat auf seinem Handy nach Neuigkeiten gesucht", sagt Ruhul. "Da der Afghane kein Englisch kann, konnten wir ihm leider nicht weiterhelfen." Die Tür sei nicht verschlossen gewesen, ein Mann vom privaten Wachdienst habe aber draußen aufgepasst. "Sie haben immer wieder geschrien", sagt Ruhul. Er hat die Sicherheitsleute als sehr angespannt empfunden, es sei auch zu kleinen Rangeleien gekommen.