Bild: dpa / Efrem Lukatsky
Mit Musik hat das allerdings gar nichts zu tun.

Kostüme, Glitzer und Pop-Songs: Der Eurovision Song Contest ist ein großes Fest der Oberflächlichkeit. Immer wieder schleicht sich beim Sing-Wettstreit der Nationen auch die Politik mit auf's Parkett. Dieses Jahr in der ukrainischen Hauptstadt Kiew gleich ganz besonders mächtig.

So wurde der russischen Künstlerin der Auftritt beim ESC verweigert – und ihr Heimatland will deswegen den Wettbewerb nicht im Staatsfernsehen übertragen.

Warum der ESC 2017 so viel Sprengstoff bietet – und warum die Show Ende der Woche nicht nur für Pop- und Folklore-Fans interessant wird:
Kosten und Kündigungen

Der Staatshaushalt der Ukraine hängt stark von Krediten ab. Für den ukrainischen Staatssender sind 43 Millionen Euro Budget eingeplant. Davon 16 Millionen Euro allein für den ESC. 

Zu viel, fand der Chef des Staatsfernsehens schon im November 2016. "Regierung, meinst du das ernst?", schrieb er in einer Erklärung – und trat zurück. 

Im Februar gab es eine Kündigungswelle: Mehrere hochrangige Mitarbeiter des zentralen ESC-Teams schmissen hin: Sie würden blockiert, dürften keine eigenen Entscheidungen treffen und seien deswegen nicht in der Lage, ihre Arbeit fortzusetzen.

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Pop im Krieg

In Teilen der Ukraine herrscht Bürgerkrieg. 500 Kilometer von der Hauptstadt Kiew entfernt im Osten wird gekämpft. Von Russland unterstützte Milizen stehen dort Regierungstruppen gegenüber. Russland hat diese Krise im März 2014 außerdem genutzt, um die Krim einzunehmen, einen Teil der Ukraine am Schwarzen Meer.

Die ukrainische Regierung befürchtet, zum ESC könnte es Angriffe von Separatisten oder Nationalisten in der Hauptstadt geben. Deswegen sollen 10.000 Polizisten die Stadt sichern. 7000 Videokameras sind schon installiert. (Süddeutsche)

Das Drama Ukraine vs. Russland läuft seit Monaten. Hier die wichtigsten Punkte:

1. Der ukrainische ESC-Sieg

Unerwartet gewinnt 2016 die ukrainische Sängerin Jamala den ESC. Damit steht auch fest: Der nächste ESC wird in ihrer Heimat stattfinden. Ihr Song "1944" handelt von der Deportation der Krimtataren im Jahr 1944 unter der Herrschaft des sowjetischen Diktators Josef Stalin. (Übersetzung von Jamalas Songtext)

Bereits im Voraus hatte die ESC-Leitung wegen Jamalas Beitrag getagt. Laut Regelwerk sind beim ESC "Texte, Ansprachen und Gesten politischer Natur" verboten. Jamala betont, dass sie keinerlei politische Absichten habe. Es gehe ihr um den Frieden.

2. Der demütigende dritte Platz

Jamala gewinnt nicht nur – sie stößt an diesem Abend ausgerechnet den in Führung liegenden Russen Sergey Lazarev auf den dritten Platz. Ausschlaggebend ist dabei das Voting der Jurys, die Lazarev wesentlich schlechter bewerten als die Zuschauer. Russische Abgeordnete und Medien kritisieren die Entscheidung als politisch motiviert und "Sieg des Kalten Krieges". (Deutschlandfunk)

Der ESC 2017 im Fernsehen

1. Halbfinale: Dienstag, 9. Mai, 21 Uhr
2. Halbfinale: Donnerstag, 11. Mai, 21 Uhr
Finale: Samstag, 13. Mai, 21 Uhr

3. Die unmögliche Kandidatin

Russland nominiert die im Rollstuhl sitzende Sängerin Julia Samoilowa als Kandidatin für den ESC in Kiew. Das Problem: Zu diesem Zeitpunkt ist bereits bekannt, dass die 27-Jährige 2015 auf einem Festival auf der Krim aufgetreten ist. Dabei hat sie gegen die Gesetze des diesjährigen ESC-Gastgebers verstoßen: Seit der Annexion der Halbinsel durch Russland verwehrt die Ukraine jedem für drei Jahre ein Visum, der auf die Krim reist, ohne ukrainisches Gebiet zu durchqueren. 

4. Das Einreiseverbot

Der ukrainische Geheimdienst SBU verbietet Samoilowa im März die Einreise – und damit die Teilnahme am ESC. "Es tut uns aufrichtig leid, dass russische Polittechnologen dieses Mädchen benutzt haben", sagt ein Berater des Geheimdienstchefs. (Süddeutsche

Samoilowa ist nicht allein: Mehr als 140 russische Künstler dürfen seit dem Konflikt in der Ostukraine nicht mehr die Ukraine besuchen. Der russische Vize-Außenminister kritisiert das Einreiseverbot für die Sängerin laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass als "ungeheuerlich" und "zynischen und unmenschlichen Akt". (AP, taz)

5. Der gescheiterte Kompromiss

Die ESC-Leitung versucht, zu vermitteln. Ihr Kompromissvorschlag: Die russische Kandidatin könne per Liveschalte auftreten. Beide Seiten lehnen ab.

6. Der russische Boykott 

Die ESC-Leitung schreibt einen Brief an den ukrainischen Ministerpräsidenten und droht mit Sanktionen. Man sei "tatsächlich frustriert". Die Ukraine bleibt hart. Russland beschließt Mitte April den Boykott: Der Wettbewerb 2017 werde im gesamten Land nicht übertragen. (SPIEGEL ONLINE)

7. Die Reaktion des ESC

Die ESC-Leitung kündigt deswegen eine Strafe gegen beide Länder an. Beide Länder könnten bis zu drei Jahre von der Teilnahme ausgeschlossen werden. Die endgültige Entscheidung darüber soll voraussichtlich am 12. Juni bekanntgegeben werden. (Heute)

Wie politisch ist der ESC?

8. Das Bulgarien-Manöver

Der 17-jährige Kristian Kostow, der für Bulgarien antreten wird, ist in Moskau geboren und hat bei der russischen Version von "The Voice Kids" mitgemacht. Die russische staatliche Nachrichtenagentur Sputniknews berichtet, dass die Chancen des jüngsten Teilnehmers auf den ESC-Sieg nach dem Ausscheiden von Russland bei den Buchmachern rasant gestiegen seien – die zusätzlichen Stimmen sollen vor allem aus der russischsprachigen Bevölkerung kommen. (Sputnik)


Streaming

Bilder, die nur "Tote Mädchen lügen nicht"-Fans verstehen

Endlich wurde bekannt gegeben, dass es eine zweite Staffel von "Tote Mädchen lügen nicht" geben wird (bento). Die Wartezeit wird hart – obwohl Netflix kein konkretes Datum genannt hat, müssen Fans der Serie wohl mindestens bis 2018 auf neue Folgen warten. Nur wer die Serie schon geguckt hat oder gerade dabei ist, wird die folgenden Bilder verstehen können. 

Wenn du eigentlich nur eine Folge gucken wolltest und die Staffel plötzlich zu Ende war.