Es gibt sie ja reichlich, die ESC-Muffel: Jede Menge inakzeptable Titel, bevor man einen auch nur einen halbwegs okayen Song findet? Höchste Zeit mit Vorurteilen aufzuräumen und ein paar Perlen aus sechs Jahrzehnten ESC-Geschichte vom Grund des Internets zu heben.

Und siehe da: Es doch ein paar ganz unterhaltsame Beiträge. Wir haben die besten und skurrilsten Beiträge zusammengetragen.

Zdob si Zdub - So Lucky (Platz 12 ESC 2011)

Manchmal rutschen vor allem bei kleineren Nationen unverfälschte und kompromisslose Musiker in die Endrunde. Bei den Moldawiern Zdob si Zdub war es genau so. "So Lucky" ist eine rockige Balkan-Beats-Nummer. Auch die Performance überzeugt: Eine elfengleiche Gestalt auf dem Einrad schwebt über die Bühne und wird vom Sänger angeschmachtet, bevor die Band wieder die Stromgitarren krachen lässt und die Blechbläser eine treibende Dynamik erzeugen. Vollendet wird das Spektakel von den absurd hohen Hüten der Band, die eher an kosmische Antennen erinnern. Tolle Nummer!

Izhar Cohen and Alphabeta - Ah-Bah-Ne-Bee (Gewinner 1978)

1978 schickte Israel eine für Eurovision-Verhältnisse leicht angeraute Disco-Abba-Variante ins Rennen; gewann damit die Endausscheidung und brachte den ESC im Jahr darauf nach Jerusalem. Auch dort gewann Israel den ESC und schaffte es damit als dritte Nation, den Erfolg zu verteidigen. Ende der 1970er war die israelische Teilnahme am ESC bereits ein Politikum. Viele arabische TV-Sender klinkten sich aus der Übertragung aus, nachdem sich abzeichnete, dass der israelische Beitrag gewinnen würde. Das jordanische Fernsehen zeigte Blumenwiesen statt ESC. Dass der ESC unpolitisch sein soll, war also schon damals ein Mythos.

Athena - For Real (Platz 4 ESC 2004)

Ein ähnliches Prinzip wie der moldawische Beitrag 2011 verfolgten auch schon Athena mit ihrem Beitrag beim Heim-Grandprix in Istanbul. Punkig-alternative Outfits, ein groovender Balkan-Ska-Song, der mit seiner Brücke zum Rock ESC-kompatibel ist. Ein sehr ordentlicher 4. Platz beweist, dass man mit Mut zu subkulturellen Einflüssen sehr wohl gut abschneiden kann. Schreibt euch das hinter die Löffel, liebe Heulbojen! Übrigens: Seit 2012 gab es beim ESC keinen türkischen Beitrag mehr, es wäre allerhöchste Zeit für ein Comeback.

Margaret Berger - I feed you my love (Platz 4 ESC 2013)

Dunkle Neo-Gothic-Optik, ein Filter-Festival und eine teilweise unheimliche Bildgestaltung. Margaret Bergers Beitrag zum ESC 2013 ist für Eurovision Verhältnisse extrem düster ausgefallen. Obwohl "I feed you my love" im Grunde trotzdem nur ein leicht verdunkelter Popsong mit eigentlich unangenehmen Details (z.B. nach Plastik klingenden Streichern im Refrain) ist, fällt der Song bei der seicht-schmachtenden Konkurrenz positiv auf.

Donatan & Cleo - My Słowianie - We Are Slavic (Platz 14 ESC 2014)

Oh Gott, das macht die jetzt nicht wirklich!? Solche und andere Fragen stellt man sich eigentlich alle paar Sekunden bei Polens 2014er-Beitrag "My Słowianie - We Are Slavic" von Donatan & Cleo. Folkloristische Elemente, Sirenenstimme und irgendwie miefig riechende nationale Begeisterung. Die vollbusigen Damen an Buttertopf und Waschbrett, die sich an Ort und Stelle unnötiger Bekleidung entledigen, sollen sexy wirken, erinnern dabei aber eher an Soft Pornos aus den Achtzigern. Nein, schön geht wirklich anders, der ein oder andere WTF-Moment entschädigt dennoch für Vieles.

Dschingis Khan - Dschingis Khan (Platz 4 ESC 1979)

Kulturelle Aneignung in Outfit und Tanzstil, einen der größten Massenmörder der Geschichte und seine Frauengeschichten besingen und das völlig ohne doppelten satirischen Boden. Muss man auch erstmal bringen (können). Heute würde ein solcher Beitrag wahrscheinlich hochkant rausfliegen, bevor es ernst wird. 1979 reiste der deutsche Beitrag mit Dschingis Khan nach Israel und belegte einen respektablen 4. Platz, trotz riesiger Fallhöhe. Wenigstens zur deutsch-israelischen Verständigung hat der von Ralph Siegel produzierte Song damals beigetragen: Sechs Punkte für Deutschland aus Israel.

Lys Assia - Refrain (Platz 1 ESC 1956)

Zum 61. Mal treffen sich im Mai in Malmö Musiker aus ganz Europa, um wieder einen Sieger zu küren. Bei der ersten Ausgabe 1956 gewann der schweizerische Beitrag den ESC, der damals noch Grand Prix Eurovision de la Chanson hieß. Lys Assia performte einen Chanson mit Orchester-Begleitung und sorgte gleich zu Beginn für ein musikalisches Highlight. In den Folgejahren gewannen meist seichte Balladen, bis es auch durch gesellschaftliche Veränderungen ab Ende der Sechziger zu einer künstlerischen Öffnung kam. So richtig feiern kann man zwar auch heute noch kaum einen der Beiträge, gute Unterhaltung ist die Europameisterschaft der Musik trotzdem. Gerade wegen der skurrilen und absurd schlechten Auftritte.


Streaming

Hier crasht Ryan "Deadpool" Reynolds seinen eigenen "Honest Trailer"

Der YouTube-Channel "Screen Junkies" ist bekannt für seine "Honest Trailer" – ehrliche Trailer, die dir erzählen, wie gut oder schlecht (oder sinnlos) ein Film tatsächlich ist. Mit tiefseriöser Stimme und viel Humor legen die Junkies offen, was an populären Blockbustern alles nicht stimmt.

Nun haben sie einen "Honest Trailer" zu "Deadpool" gemacht, der Comicverfilmung des zweifelhaftesten Helden aller Zeiten. Allerdings funktioniert der Rant dieses Mal nicht so ganz.

Denn "Deadpool"-Darsteller Ryan Reynolds crasht das YouTube-Video: