Die epischsten Rap-Battles, die es nie gab

Kreischende, schwitzende Horden von Minderjährigen – so sieht es normalerweise aus, wenn ein Youtube-Phänomen live auftritt. Nicht aber bei Nice Peter und Epic Lloyd. Dabei haben die US-Amerikaner mit mehr als 12,5 Millionen Followern eine Reichweite wie Bibi, Gronkh, Y-Titty, LeFloid und Sami Slimani – zusammen.

Doch bei ihrem einzigen Auftritt in Deutschland versammelten sich in der vergangenen Woche im Berliner Privatclub Hornbrillen- und Bart-Träger, Frauen in Baggys und Ladies in Highheels.

Sie alle haben nur zwei Dinge gemein:

  • Sie sind über 16, die meisten sogar weit darüber.
  • Sie können so gut wie jeden Satz mitrappen. Und sei es in Doubletime.
I´m a force truly evil

Peter Shukoff (36) und Lloyd Ahlquist (38) sind die Schöpfer des Youtube-Kanals "Epic Rap Battles of History". In ihren Zweieinhalb-Minuten-Clips lassen sie fiktive und reale Personen der Zeitgeschichte gegeneinander antreten - manchmal vermischt, manchmal nicht: Rasputin gegen Stalin, Justin Bieber gegen Beethoven, Miley Cyrus gegen Jeanne d’Arc, Chuck Norris gegen Abraham Lincoln.

Aus ihrem ersten Viral-Erfolg "Adolf Hitler vs. Darth Vader" haben Shukoff und Ahlquist inzwischen eine Trilogie gemacht, insgesamt wurden die drei Teile mehr als eine Milliarde Mal geklickt. Wir haben Peter Shukoff angeschrieben und wollten von ihm wissen: Wie geht eigentlich gutes Youtube?

bento: Euer Kanal „Epic Rap Battles Of History“ hat 12,5 Millionen Fans. Trotzdem legt ihr großen Wert auf den Austausch mit euren Followern. Wie schafft man das bei einer so großen Menge überhaupt?

Shukoff: Wir erinnern uns immer daran, dass jeder Mensch, der uns folgt, ein Individuum ist. Die Kommentar-Funktion bei Youtube hilft dabei, denn da gibt es keine schreiende Gruppe. Jeder Kommentar wurde persönlich verfasst, unter einem einzigartigen Usernamen, manchmal sogar mit einem Foto. Wir wissen, dass diese Menschen echte Menschen sind mit einer Geschichte, einer Meinung und manchmal mit einer großartigen Idee für ein neues Battle.

bento: Wie geht ihr vor, wenn ihr das nächste Paar für ein Battle bestimmen wollt?

Entscheidend sind immer die Vorschläge und Ideen von unseren Zuschauern.

bento: Und wenn es um eure persönlichen Lieblinge geht? Du bist zum Beispiel ein großer Fan von Queen – und ihr habt Freddie Mercury im Battle gegen Frank Sinatra antreten lassen.

Shukoff: So wie ich liebt auch der Großteil der Welt Queen. Unsere Fans haben also schon vor langer Zeit angefangen, Freddie vorzuschlagen. Um den passenden Gegner zu finden, haben wir „Freddie Mercury“ auf jeder Seite unserer Youtube-Kommentare gesucht, haben uns Hunderte Vorschläge angesehen, Screenshots von den interessantesten gemacht und dann nach und nach aussortiert – bis wir bei Frank Sinatra das Gefühl hatten, aufgeregt genug zu sein, um den Kampf wahr werden zu lassen.

bento: Gibt es eine Person, die ihr nicht imitieren würdet?

Shukoff: Ich bin selbst nicht besonders religiös, aber einige von meinen ersten, treuesten Youtube-Fans haben mir Briefe geschrieben, in denen sie mich darum gebeten haben, Jesus nicht in ein Rap-Battle zu packen. Also lasse ich das sein.

bento: Ansonsten scheut ihr weder vor Moses noch vor Hitler zurück. Wie haltet ihr in den Texten die Balance zwischen gutem Geschmack und bösem Wortwitz?

Shukoff: Tun wir nicht. Wir versuchen einfach, authentisch zu sein.

bento: Ihr persifliert auch aktuelle Stars wie Miley Cyrus, Justin Bieber oder Skrillex. Streitet ihr da nicht öfters darüber, wer das Wort „Epic“ überhaupt verdient?

Shukoff: Streit? Nein. Lange, aggressive Dikussionen? Oh ja.

bento: Eure Videos sind gespickt mit Nerd-Informationen über eure Charaktere. Wie bereitet ihr euch vor?

Shukoff: Wir nehmen uns so viel Zeit wie nötig, um die Witze und Anspielungen zu finden, die wir lieben. Manchmal geht das schnell – zum Beispiel bei Darth Vader, einem Thema, mit dem wir uns alle gut auskennen. Als ich Jim Henson (Schöpfer der Sesamstraße und Muppet Show, Anm. d. Red.) spielen sollte, habe ich zwei Monate damit verbracht, zu lernen, wie man mit einer Handpuppe umgeht. Oder das Battle zwischen Philosophen aus dem Westen und Fernost: Da haben wir Stunden und Stunden recherchiert, um Verbindungen zwischen den einzelnen Figuren zu finden.

bento: Die Youtube-Szene in Deutschland wächst schnell, wird aber auch immer häufiger kritisiert, weil sie vor allem Shopping-Videos und Kinder-Comedy liefert. Ärgert es dich, wenn du schlechte Unterhaltung auf deinem Medium siehst?

Shukoff: Nein. Na gut, manchmal. Aber sich über etwas zu ärgern, das andere tun, ist eine wirklich beschissene Art, seine Zeit zu verbringen – also versuche ich, nicht weiter darüber nachzudenken.

bento: Wie produziert man gute, unterhaltsame Youtube-Videos?

Shukoff: Du arbeitest extrem hart. Du reißt dir den Arsch auf, während du dich vorbereitest. Du reißt dir den Arsch auf, während du performst. Du reißt dir den Arsch auf, wenn du das Video schneidest. Wenn du noch einen Arsch hast, ist dein Video nicht fertig.

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