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Wirklich.

Manche Menschen mögen einfach keine elektronische Musik. Meistens fehlen den Elektrokost-Verächtern die Melodien und Spannungsbögen. Das muss nicht so bleiben – denn es gibt Elektro-Musik, die genau das liefert. Hier kommt unsere Liste elektronischer Musik für Menschen, die keine elektronische Musik mögen:

Gramatik

Gramatiks Bandbreite reicht von relaxten Hip-Hop-Beats mit Swing- oder Blues-Samples bis zu harter Bassmusik. Seine Musik enthält fast immer organische Elemente und Songstrukturen. Obwohl sein Sound eher hart ist, sorgen die meisterlich eingewebten Samples dafür, dass sich mal mehr mal weniger dominantes Retrofeeling durch seine Produktionen zieht, dass auch Menschen gefällt, deren Antwort auf die Frage nach der Lieblingsmusik “Alles außer Elektro” ist.

Bonobo

Müssen wir über Bonobo überhaupt ein Wort verlieren? Auf mehreren Alben hat Simon Green bewiesen, dass sich Elektronik und Wärme nicht ausschließen müssen. Angeblich mag es Green nicht, wenn seine Musik als "Chillout" bezeichnet wird. Und so ganz stimmt das auch nicht: Zwar kann man hervorragend zu Bonobos Traumzaubersound entspannen, aber spätestens wenn bei "Cirrus" die massive Basswand einsetzt, passiert die Bonobo-Magie. Das Herz chillt weiter, der Rest des Körpers will nur noch tanzen.

Nicolas Jaar

Nicholas Jaars besonderes Talent ist es, Tracks zu machen, die stark minimalistisch und repetitiv arrangiert sind und dennoch wie "richtige Songs" wirken. Das mag daran liegen, dass sich sein ursprüngliches Instrument – das Klavier – durch viele seiner Produktionen zieht und dass er viel mit Stimmen arbeitet. Aber das alleine kann es nicht sein. Wir freuen uns einfach darüber, wie Nicholas Jaars Musik uns förmlich in die Lautsprecher zieht.

"I got A" ist ein perfektes Beispiel: Ein Ray-Charles-Sample mit hohem Wiedererkennungswert in einem ansonsten derart sparsamen Arrangement unterzubringen, ohne dass dieses Sample die Aufmerksamkeit der Zuhörer dominiert, dass ist pure Magie und ganz nebenbei ein perfekter Schlafzimmersoundtrack.

St Germain

St Germain ist ein alter Hase im Deep-House-Geschäft. Schon früher nutzte er gerne Samples von Blues-Musikern, die er bevorzugt mit wummernden Bass Drums kombinierte.

Auf seinem aktuellen, schlicht "St Germain" betitelten Album tritt die Bass Drum immer weiter in den Hintergrund, um mehr Platz für Jazz und Blues und außerdem eine dicke Portion Weltmusik zu machen. Kann man machen und die Bass Drum wird es überleben, nicht immer die erste Geige zu spielen.

Robot Koch

Obwohl die Vocals bei Robot Koch meist das einzige organische Element in seiner Musik sind, klingt sie nicht nach Computer und schon gar nicht nach Mausschubsen und auf den Bildschirm starren. Ganz im Gegenteil: Könnte man Empathie in Töne gießen, sie klänge bestimmt so ähnlich wie Robert Kochs Songs.

Denn sie gibt uns nicht, was wir wollen, sondern was wir brauchen. Bei allem Wohlklang fordert sie den Hörer, genauer hinzuhören. Auch nach hunderten Malen kann man neue Details entdecken. Ein Ausnahmemusiker, der es schafft, die Maschinen zum Swingen zu bringen und unsere Herzen gleich mit.

Kollektiv Turmstrasse

Der Sound von Kollektiv Turmstrasse lässt sich recht einfach als "Deep House" bezeichnen. Doch das würde der Musik von Nico Plagemann und Christian Hilscher nicht gerecht werden. Das Kollektiv umarmt Kitsch vollumfänglich. Zuckersüße Melodien, klischeehafte Arrangements, Flächen, Flächen und noch mehr Flächen. Selbst vor Baghwan-Samples wird nicht zurückgeschreckt. Das alles dient dem guten Zweck, Wärme und Menschlichkeit auf die Floors zu bringen. Ein Set von Kollektiv Turmstrasse kann dir einen Sonnenuntergang ans Knie kleben, der das Café del Mar alt aussehen lässt.

Four Tet

Ein weiterer Künstler, auf den wir Blogrebellen uns einigen können, ist Kieran Hebden aka Four Tet. Seine Musik ist pure Liebe. Ja, das klingt nach Kitsch, ist es aber nicht. Melodien und Soundschnipsel zu schichten, wie es Four Tet tut, ist große Kunst. Zutiefst berührende Kunst, sollten wir vielleicht noch ergänzen.

Die Musik eignet sich hervorragend dazu, weinend zu tanzen. Klingt vielleicht blöd, aber das solltet ihr mal probieren. Nichts reinigt die Seele so sehr. Und ihr werdet nicht alleine damit sein. Irgendjemand in unserer Umgebung verdrückte bei Four Tets Auftritten noch immer ein Tränchen auf dem Floor und das ist auch gut so.


Retro

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