Bild: Imago
Der Vorwurf: Antisemitismus

Die Rapper Kollegah, 33, und Farid Bang, 31, sind für den Musikpreis Echo 2018 nominiert. Doch das finden viele nicht in Ordnung. Grund: Die Songtexte der beiden Rapper empfinden sie als rassistisch und antisemitisch. Die letzten Auschwitz-Überlebenden haben jetzt ein offizielles Statement veröffentlicht, um gegen die Nominierung zu protestieren.

Worum geht es in dem Streit genau?

Der Bundesverband Musikindustrie vergibt jedes Jahr den Musik-Preis "Echo". Dieses Jahr sind Kollegah und Farid Bang mit ihrem Kollaborations-Album "JBG 3" (jung, brutal, gutaussehend) in der Kategorie "Album des Jahres" im Rennen um den Preis. Außerdem nominiert sind unter anderem Helene Fischer und Ed Sheeran. Doch während die beiden meist die Liebe besingen, geht es bei Kollegah und Farid deutlich brutaler zu.

Welche Zeilen kritisieren die Überlebenden?

Die Nominierung des Albums für einen der wichtigsten deutschen Musikpreises sorgt wegen solcher Zeilen auf der Bonus-EP für Aufregung: 

  • "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen." ("0815")

Oder dieser Gewaltverherrlichung:

  • "Mit dem Sprengstoffgürtel auf das Splash-Gelände. In die Menschenmenge und kill sechzig Menschen." ("Drecksjob")
  • "Nach einem Schlag denkst du, dich hätt ein Lkw überfahr’n. Als wärst du aufm Weihnachtsmarkt." ("Drecksjob")

Was sagen die Kritiker?

Die "Bild"-Zeitung zitiert Christoph Heubner vom Internationalen Auschwitz Komitee. Er sagt: 

"Besonders empört die Auschwitz-Überlebenden der Titel 0815 des Rap-Duos Kollegah und Farid Bang, in dem in einer herzlosen, schäbigen und darüber hinaus kaltschnäuzig kalkulierten Weise das Leiden der Menschen in Auschwitz herabgewürdigt."

Der Vergleich mit Auschwitzinsassen sei eine billige Provokation, die aus Sensationsgier als Verkaufstrick und Ego-Kick missbraucht werde.

Wie geht es jetzt weiter?

Nach dem Bericht der "Bild" prüft nun die Ethikkommission des Musikpreises die Textstellen und will über die Nominierung erneut entscheiden. Die Prüfung soll bis Ende dieser Woche abgeschlossen sein. Die Preisverleihung findet am 11. April statt. 

Farid Bang und Kollegah distanzieren sich bei Facebook: 

Bezug nehmend auf den Artikel der Bild Zeitung möchten wir deutlich machen, dass wir keinerlei Minderheiten oder...

Gepostet von Farid Bang am Dienstag, 27. März 2018

Das sagt der Preisverleiher dazu:

Zu den Nominierungs-Vorwürfen sagte die Echo-Geschätsführerin Rebecka Heinz:

Die Sprache des Battle-Rap ist hart und verbale Provokationen sind ein typisches Stilmittel. Die Kunst- und Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, angesichts der Textzeilen in ‚0815‘ haben wir aber tatsächlich den Ethik-Beirat gebeten, sich mit dem Produkt zu beschäftigen.
Rebecka Heinz, Echo-Geschätsführerin in der "Bild"

Gerechtigkeit

Die Essener Tafel nimmt jetzt wieder Ausländer auf
Eine neue Regelung soll das Problem künftig lösen.

Die Essener Tafel wird ab Mittwoch wieder Bedürftige ohne deutschen Pass aufnehmen. Der Vorstand des Vereins hat beschlossen, dass der Aufnahmestop für Ausländer aufgehoben wird. (SPIEGEL ONLINE)