Heute sind die arabischen Jüdinnen zwar immer noch Schwestern, aber auch eine Band: A-Wa.

Fünf Minuten haben das Schicksal der drei Schwestern Tair (33), Liron (31) und Tagel (27) bestimmt, sagen sie. Sie waren gerade fertig mit dem Studium und hatten danach ein Jahr lang im Haus ihrer Eltern in Israel mit dem verbracht, was sie schon als Kinder liebten: Musik machen.

Sie beschlossen an diesem Abend, eine Band zu gründen – und schickten in den entscheidenden fünf Minuten eine Facebook-Nachricht an Produzent Tomer Yosef, ein Mitglied der Gruppe Balkan Beat Box. "Das war der Moment, an dem unsere Reise begann", sagt Liron.

Ihre Kompositionen sind außergewöhnlich, auch und gerade für ein so multikulturell geprägtes Land wie Israel. Denn die drei Schwestern zählen zu den Mizrachim, ein Sammelbegriff für Juden aus arabischen Ländern, sie wurden lange diskriminiert.

Ganz bewusst greifen die drei Schwestern auf traditionelle Gesänge zurück. Und damit haben sie Erfolg: Ihr erstes Musikvideo, "Habib Galbi", wurde inzwischen mehr als vier Millionen mal auf YouTube angesehen.

Wir haben Liron und Tagel beim "Pop-Kultur" in Berlin getroffen und mit ihnen über die verbindende Kraft der Musik und über die Geschichte hinter ihren Songs gesprochen.

Was bedeutet der Bandname A-Wa?

Liron: Es ist die jemenitische Form des Arabischen A-Wa, was "Ja" bedeutet – oder "Los". Es ist ein fröhlicher Ausruf, sehr positiv und universell verständlich. Er klingt wie unsere Musik. Außerdem fanden wir, dass die drei Buchstaben ein gutes Symbol für uns sind: drei Buchstaben, drei Schwestern.

A-Wa haben auch einen Instagram-Account – die Fotos:
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Ihr gehört zur Minderheit der jemenitischen Juden und singt auf jemenitisch-arabisch. Wie haben die Menschen auf euch reagiert?

Tagel: Die meisten unserer ersten Shows waren in Tel Aviv und anderen Städten Israels. Wir sind aufgetaucht ohne viel zu reden und haben einfach angefangen zu spielen. Die Reaktionen waren toll. Menschen wurden neugierig, sie fingen an, Fragen zu stellen und wollten mehr über uns wissen.

(Bild: Roland Owsnitzki)

Ihr verwendet in euren Songs oft Sprache, Melodien, traditionelle Gewänder und Tänze. Welche Rolle spielt eure Herkunft für euch?

Liron: Wir lieben diese Kultur. Unsere Großeltern kamen aus dem Jemen nach Israel. Wenn wir sie besucht haben, hörten wir ihre Musik, aßen ihre Gerichte. Für unsere Eltern war es wichtig, sich vollkommen in Israel zu integrieren. Sie sprachen Hebräisch, nicht Jemenitisch. Aber wir wollten wissen: Wo kommen wir eigentlich her? Wir waren vollkommen davon fasziniert. Es fühlte sich einerseits so exotisch an und andererseits so authentisch, unsere Wurzeln mit unserer Kunst zu ergründen.

Wir wollten wissen: Wo kommen wir eigentlich her?
Liron

Wollt ihr damit auch ein politisches Statement setzen?

Liron: Nein, es ist eher ein kulturelles und soziales Signal. Frauen im Jemen, so wie unsere Großmutter, hatten keine Rechte. Sie konnten nicht lesen, konnten nicht schreiben, sie durften ihre Meinung nicht äußern. Sie wurden wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Die Lieder, die wir singen, haben Frauen wie sie erfunden und über Generationen nur mündlich an ihre Töchter weitergegeben. Erst in den 1950er-Jahren wurden sie zum ersten Mal aufgezeichnet.

Worum geht es in den Texten?

Liron: Die Musik war die beste Möglichkeit für diese Frauen, zu sagen, was immer sie wollten. Die Texte sind sehr ehrlich und kühn. Du kannst viel Ironie und Humor darin spüren. In "Habib Galbi", unserem ersten Song, geht es zum Beispiel um einen Mann, der seine Geliebte verlässt. Und sie wünscht ihm, dass er in Zukunft isst, ohne dass ihm das Essen jemals wieder schmeckt.

Tagel: Jeder Song ist die persönliche Geschichte einer Frau. Oft geht es um Liebe, um Eifersucht, um gebrochene Herzen. Um Frauen, die zu früh verheiratet wurden. Wir wollten diesen Geschichten, diesen Gefühlen, diesen Hoffnungen und Ängsten echter Frauen eine Bühne geben.

Frauen sind wundervoll
Liron

Klingt nach einer sehr feministischen Botschaft.

Liron: Ja, auf eine sehr positive Weise. Oft verbinden die Menschen Feminismus mit einem Hass auf Männer. Aber wir lieben Männer, wir schätzen sie. Wir glauben nur, dass Frauen auch heute noch oft Unterstützung gebrauchen können. Wir wollen einfach sagen: Frauen sind wundervoll. Wir arbeiten, wir schenken Leben. Und dafür sollten wir geschätzt werden.

(Bild: Roland Owsnitzki)

Welche Musik hört ihr am liebsten in eurer Freizeit?

Liron: Wir hören viel jemenitische Musik, natürlich. Aber auch HipHop, psychedelische Sounds, Rockbands, Elektro, ägyptische und afrikanische Musik, Motown hat uns stark beeinflusst. Aufgewachsen sind wir außerdem mit griechischer Musik – weil unser Vater sie liebte.

Seht ihr eure Musik in einem Land wie Israel als Mittel zur Völkerverständigung?

Liron: Zu dem ersten Video, das wir veröffentlicht haben, schrieben wir in den sozialen Netzwerken nur: "Eine Botschaft aus der Wüste." Denn wir sind in einem winzigen Dorf in Südisrael aufgewachsen, das auch nur wenige Israelis kennen. Es war vielen unserer Zuhörer unklar, aus welchem Land wir eigentlich kommen – trotzdem haben sie den Song gefeiert.

Tagel: Wir haben die Erfahrung auch mit unserer Mode gemacht: Wir fingen an, traditionelle Kleidung aus Pakistan zu tragen. Plötzlich schrieben uns Menschen aus Pakistan: Seid ihr Pakistani? Und wir erklärten ihnen: Nein, aber wir lieben die Mode, die Form, den Stil.

Liron: Wir sind über viele Brücken gelaufen, ohne darüber nachzudenken – einfach nur, weil wir mochten, was wir tun. Manchmal zwicken wir uns selbst, weil wir gar nicht glauben können, dass das so gut ankommt.

Wir sind keine Politiker, wir sind Musiker
Liron

Habt ihr auch schon negative Reaktionen wegen diesen Grenzüberschreitungen bekommen?

Liron: Natürlich gibt es Hass und Probleme auf der Welt, auch wir erhalten in den sozialen Medien negative Kommentare. Aber wir halten uns da ganz raus. Wir sind keine Politiker, wir sind Musiker. Und Musik ist magisch – sie verbindet Menschen sofort miteinander, auch wenn sie sich noch nie gesehen haben. Für uns ist sie der beste Weg, Frieden und Liebe in die Welt zu bringen.


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