Instagram und GIFs schon mitgedacht.

Drake ist genial. Nicht nur, dass dieses Jahr wirklich jede Woche ein Lied von ihm in den Billboard-Charts vertreten sein wird, weil er die Veröffentlichung neuer Songs und Remixe perfekt abstimmt. Jetzt hat er auch noch zu seinem Song "Hotline Bling" das perfekte Internet-Musikvideo auf Apple Music veröffentlicht.

Perfekt, weil es wie geschaffen ist, um in sozialen Netzwerken geteilt zu werden: Die Bilder sind clean, die Farben knallen, dazu lustige Tanzmoves von Drake persönlich. Gleich nach der Veröffentlichung ist das Web voller Drake-GIFs. Es kommt noch besser: Weil in dem Video so viele tolle Bilder sind, wird das Video mit vielen verschiedenen Bildern geteilt.

So sieht Giphy gerade aus, wenn man nach Drake sucht.

In dem Video tanzt Drake super sympathisch und etwas goofy, wenn er nicht gerade auf einer Treppe abhängt. Wenige Stunden nach der Veröffentlichung sieht es zum Beispiel auf Instagram so aus:

Drake-Clips und Fotos auf Instagram

Auf Facebook suchen sich viele ihr eigenes Lieblingsmotiv aus dem Video. Das Ergebnis ist Drake, Drake, Drake.

Das neue Drake-Video auf Facebook

"Hotline Bling" mag als Song okay sein, das Video aber ist ein Kunstwerk. Weil es schon vorwegnimmt, wie Musik sich heute verbreitet, wie sie geteilt wird, von Fans vereinnahmt. Drake wirft sich dieser Popkultur entgegen, er provoziert die GIFs, er fordert Memes heraus. Das kann er sich leisten, weil er nun mal Drake ist und bei all dem noch sympathisch wirkt.

In dieser Konsequenz ist das neu. Es gab schon vorher Künstler, die mit der Lebenswelt Web gearbeitet haben. McFitti zum Beispiel, der mit "WhatsApper" den Zeitgeist abgebildet hat. Oder OK Go mit ihren immer aufwendigeren, immer abgefahreren Synchrontanzroutinen, die sich — und hier stimmt das Wort sogar mal — viral im Web verbreiteten, auch wenn die Musik oft mau war. Oder Deichkind, die für ein Video Memes nahmen und ihnen ihr Dreiecks-Symbol überstülpten, um dann im folgenden Video diese Memes selbst alle nachzuspielen.

Aber das alles wirkt jetzt bemüht und anbiedernd, weil Drake mit scheinbarer Leichtigkeit ein neuartiges Internet-Virus freigesetzt hat. "Hotline Bling" lässt sich in viele kleine Einzelteile zerlegen, die jetzt in Form von Bildern, GIFs, kurzen Clips und Memes in die sozialen Netze einsickern. Das passiert nicht einfach so, dahinter steckt ein tiefes Verständnis unserer Zeit. Drake beherrscht nicht nur das Musikbusiness, er beherrscht jetzt auch uns.

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