Wenn Waffen besser behandelt werden als Menschen.

"Single des Jahres", "Song des Jahres", "Bestes Musikvideo" und "Beste Zusammenarbeit Rap/Gesang" – vier Preise für einen Song. "This is America" hat bei den Grammys 2019 ordentlich abgeräumt. Zum ersten Mal hat ein Rapper den Hauptpreis "Single des Jahres" gewonnen.

Donald Glover kennen die meisten hier in Deutschland eher als Schauspieler. Entweder aus Serien wie "Community" oder "Atlanta", oder Filmen wie "Spider-Man: Homecoming" oder dem neuen Star Wars-Film "Solo".

Neben seinem Schauspiel ist er aber auch als Musiker unterwegs. Als Rapper "Childish Gambino" veröffentlichte er bereits vier Alben, ein neues (laut Glover sein letztes als Childish Gambino) folgt demnächst. 

Jetzt hat Donald Glover also mit "This is America" bei den Grammys 2019 zahlreiche Preise gewonnen – auch mit dem heftigen Musikvideo zu dem Song.

Das Video spielt in einer leeren Lagerhalle. Wir sehen Gambino oben ohne. Tanzend. Und plötzlich zieht er eine Waffe und schießt einem verhüllten Mann in den Hinterkopf. 

Und dann tanzt er weiter.

Seine Waffe gibt er einem Mann, der sie wie einen Schatz in ein weiches Tuch hüllt und weg trägt. Die Leiche des Erschossenen wird währenddessen im Hintergrund unsanft weggezerrt. Und Gambino rappt "This is America" und tanzt mit einem Haufen junger, lächelnder Leute.

Er betritt einen Raum, in dem ein Gospelchor singt und tanzt. Erst wippt er mit, lächelt. Dann scheint er keine Lust mehr zu haben, greift nach einer Waffe und erschießt den kompletten Chor. 

Es passiert so plötzlich und unvermittelt, wie es dann auch endet. Zack, bumm, weg. Und Gambino tanzt und hüpft weiter, während im Hintergrund Tumulte beginnen. Man sieht Feuer. Und eine Gruppe Menschen sitzt da und schaut in ihre Smartphones.

This is America. Das ist Amerika. Gambino hält der Gesellschaft einen Spiegel vor – und die ist schockiert. 

Das Netz überschlägt sich nun mit Interpretationsansätzen: 

  • Der Gospelchor zeige eine falsche, gespielte Freude. 
  • Die jungen Leute, mit denen der berühmte, einflussreiche Rapper Gambino tanzt, himmeln ihn an und gehen mehr und mehr dazu über, ihn und seine Bewegungen zu imitieren. Dahinter stecke Star-Kult und das übertriebene Anhimmeln bestimmter Prominenter. 
  • Gewalt werde verherrlicht oder ignoriert – oder geschickt mit guter Laune abgelenkt. 

Hier könnt ihr euch "This is America" vollständig ansehen:


Gerechtigkeit

KZ-Gedenkstätten: Wie Mitarbeiter mit AfD-Besuchern und Selfies umgehen
"Diese Leute wollen einfach nichts lernen"

Seit über einem Jahr sitzt die Alternative für Deutschland (AfD) im deutschen Bundestag. Und ebenso lange diskutieren viele Institutionen und Einrichtungen darüber, wie man mit einer Partei umgehen soll, die immer wieder durch Aussagen auffällt, die die Nazizeit und den Holocaust relativieren.

Direkt betroffen sind die Mitarbeiterinnen in KZ-Gedenkstätten in ganz Deutschland.

Die KZ-Gedenkstätte Buchenwald entschied vor Kurzem, die AfD-Fraktion des Thüringer Landtags von einer Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz auszuladen.

Für diese Entscheidung gab es nicht nur Zuspruch. Viele kritisierten, die Gedenkstätte würde eben diejenigen aussperren, die es am nötigsten hätten, etwas über die NS-Vergangenheit zu lernen. Wie gehen junge Menschen mit dieser Debatte um?

Wir haben mit drei jungen Guides aus KZ-Gedenkstätten über ihre Arbeit gesprochen. 

Sie erzählen, warum sie den Job überhaupt machen, was sie wirklich nervt und wie sie mit Holocaust-Leugnern umgehen.

Lisa, 30, ist pädogogische Mitarbeiterin in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald. 

Die meisten Menschen wissen ja, dass dieser Ort, Buchenwald, mit Schrecken und Leid verbunden ist. Viele Besucherinnen und Besucher haben eine Art Faszination für das, was hier passiert ist. Sie kommen her, weil sie das Ganze besser begreifen wollen.

Ich lese es immer wieder, dass dieses Interesse angeblich nicht mehr da sein soll, dass Schülerinnen und Schüler den Begriff Auschwitz nicht mehr kennen. Meine Erfahrung ist aber eine ganz andere. Ich mache hier sowohl die normalen Führungen, als auch Projekte, die einen oder mehrere Tage dauern. Dabei arbeite ich viel mit Schülergruppen zusammen. Ich habe den Eindruck: Junge Menschen sind stark an der Gechichte dieses Orts interessiert.

Es gibt eine große Bereitschaft mit den Menschen, die hier leiden mussten, empathisch zu sein,. Das zeigt sich manchmal auch in ganz banalen Fragen. Zum Beispiel, ob die Inhaftierten im Lager Wintermäntel hatten oder wie viel sie zu essen bekamen. Besonders spannend wird es aber, wenn wir auf eine höhere Ebene kommen. Wenn wir uns damit beschäftigen, wie so etwas wie die Nazizeit überhaupt passieren konnte.

Mit seiner Dresdener Rede hat der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke die Arbeit, die wir hier machen, direkt angegriffen. Er hat davon gesprochen, dass man eine "Wende in der Erinnerungskultur um 180 Grad" brauche.

Die AfD als Partei hat sich davon nie distanziert. Wir müssen deswegen davon ausgehen, dass die Abgeordneten, die gekommen wären, hinter Höckes Aussagen stehen. Deshalb finde ich es richtig, dass die Partei von der Gedenkveranstaltung ausgeladen war. 

Zu solchen Veranstaltungen kommen immer noch Überlebende des Lagers, also Menschen, die hier leiden mussten, und deren Angehörige. Da können Menschen nicht willkommen sein, die die Bedeutung dieses Ortes infrage stellen.

Das heißt aber nicht, dass sie Hausverbot haben. Parteimitglieder dürfen als Privatpersonen hierherkommen, sich über die Geschichte informieren und auch mit uns Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ins Gespräch kommen.