Bild: Walter Marinelli
Von 400 Euro bis kostenlos

Digitalisierung = Demokratisierung. Egal ob Fotografie, Journalismus oder Musikproduktion, Digitaltechnik reißt die finanziellen Einstiegshürden ein und ermöglicht es, auch mit überschaubarem Budget zu professionellen Ergebnissen zu kommen.

Beim Thema Deejaying wird das besonders deutlich. Während der globale Standard in Sachen DJ-Setup, nämlich CD-Player und Mixer von Pioneer, kaum unter 3000 Euro zu haben ist, lässt sich auch mit erheblich kleinerem Finanzeinsatz eine Party beschallen. Je nach Anspruch an die technischen Möglichkeiten des Setups geht das sogar mehr oder weniger kostenlos. Ein Wort wird euch häufiger begegnen: Controller. Das sind externe Geräte, mit denen man die Musik mischt, die man auf einem Rechner hat.

Los geht's mit unserem Überblick über minimalistische DJ-Setups:

Hinweis

Die Preise sind jeweils ohne Laptop, Tablet oder Handy gerechnet.


Die platzsparende Profi-Variante: Rechner und modulare Controller

Ein professionelles Setup auf der Fläche eines DIN-A-4-Blatts? Das geht mit der Traktor Kontrol Z1 sowie X1. Mit dieser minimalistischen aber mächtigen Kombination ist alles möglich, wofür man sonst sehr viel größere Controller bräuchte. Selbst manuelles Beatmatching ist drin, wenn auch etwas unkomfortabel. Seit ein paar Jahren das Mittel unserer Wahl, wenn es eng zugeht in der DJ-Kanzel oder die Transportmöglichkeiten sehr eingeschränkt sind. Dieses Setup lässt sich auch mit dem Fahrrad auf ein Open-Air transportieren. Als Bonus-Feature ist es sogar möglich, es unabhängig vom Stromnetz zu betreiben.

Die zwei Controller kosten zusammen unter 400 Euro. Die Software Traktor LE ist im Preis inbegriffen.

Bei den Blogrebellen findet ihr einen ausführlichen Bericht über die Kombination Traktor plus Kontrol X1 + Z1.

Hier die Video-Review:


Noch platzsparender: Die abgespeckte Profi-Variante mit Tastatur als Controller

Lässt man die Kontrol X1 weg, benötigt das kleine Profi-Besteck für den DJ noch weniger Platz und kostet auch entsprechend weniger. Ersetzt wird sie einfach durch die Tastatur des Rechners, die bei Traktor schon fertig gemappt ist und für viele Funktionen ähnlich komfortabel zu bedienen ist, wie ein Controller.

Ähnliche Controller gibt es auch von anderen Herstellern. Es muss nicht Native Instruments sein. Für Serato hat zum Beispiel Akai zwei Controller mit dem gleichen Konzept im Portfolio.


Tablet und Soundkarte mit Controller

Um Audio zu verarbeiten, sind moderne Laptops normalerweise vollkommen überdimensioniert, die Rechenpower der handelsüblichen Tablets reicht für DJ-Zwecke komplett aus. Die Anzahl der DJ-Apps, für die kleinen Rechner ist beim besten Willen nicht mehr zu überschauen. Einige von ihnen erfüllen sogar professionelle Ansprüche, da sie mit externen Soundkarten und Controllern betrieben werden können. Allen voran DJay von Algoriddim und die Traktor DJ App von Native Instruments.

Im Prinzip funktioniert das wie beim großen Bruder, "Traktor", weiter oben, nur dass es keine Tastatur gibt und man stattdessen das Touchpad des iPads nutzen kann, was ein sich wenig so anfühlt, als würde man die Musik direkt anfassen können - fast noch ein wenig direkter, als das Gefühl beim Auflegen mit Vinyl.

(Bild: Walter Marinelli)


Social-DJing: Das Pokketmixer-Setup

Wer keine Beat-gemixten Übergänge braucht, kann mit dem Pokketmixer und beliebigen Endgeräten glücklich werden. Die Besonderheit des kleinen Mischpults aus Berlin: Er kommt komplett ohne Stromversorgung aus, bietet aber viele Funktionen eines “erwachsenen” Mischpults. Jedes Gerät mit einem Kopfhörerausgang lässt sich anschließen, was bedeutet, dass sich auch die Gäste einfach anstöpseln können. So wird das Deejaying zu einer sozialen Sache, an der sich im Prinzip alle Besucher beteiligen können.

Auch hier gibt es einige Alternativgeräte, wie zum Beispiel den iRig-Mixer.

(Bild: Walter Marinelli)


Mobilgerät plus DJ-App

Verzichtet man auf eine Soundkarte mit Controller wie der Kontrol Z1, verliert man das Mixerinterface und muss den Mischer der App via Touchdisplay bedienen, was mit ein wenig Verlust an Komfort verbunden ist, aber immer noch sehr gut funktioniert. Schwerer wiegt der Verlust an Soundqualität. Ausserdem verliert man den zweiten Ausgang der Soundkarte und kann nicht mehr vorhören.

Abhilfe gegen dieses Problem schafft man am preiswertesten mit einem sogenannten Splitterkabel. Man kann damit zwar nicht mehr mit Stereo arbeiten, aber das ist auch gar nicht so wichtig, wie man immer denkt. Ihr würdet auch wundern, in wie vielen Clubs die Anlage nur mono ist. Außerdem sind auf einer Party andere Dinge wichtiger als Stereosound. Kurz gesagt: So ein Splitterkabel kann für alle DJ-Apps, die über “Split-CUE” verfügen, also Master- und Vorhörsignal an das rechte und linke Ohr schicken können, die professionelle Soundkarte ersetzen. Diese Kabel gibt es für unter 10 Euro im Fachhandel.


Der Klassiker: Die einfache Playliste

Allen technischen Gimmicks zum Trotz ist das Wichtigste beim Auflegen nach wie vor die Selektion. Eine gute Musikauswahl und ein Gefühl dafür, welcher Song am besten zum Moment passt, sind immer noch die wesentlichen Skills eines DJs. Eine gute Playliste, die im Verlauf des Abends immer wieder angepasst wird, kann eine Party mehr rocken, als ein technisch versierter DJ, der am Publikum vorbeispielt.

Serie: Endlich wieder gute Musik!