Bild: Getty Images /Jens Schlueter

Dieter Bohlen gehört zu den erfolgreichsten Medienmenschen in Deutschland. Gerade erst ging die 13. Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" zu Ende. Doch egal, ob der 62-Jährige Popstars castet, Tapeten verkauft, Musik macht, andere Künstler produziert oder Fernsehen macht, der Rubel rollt. Immer.

Wie kommt das?

Zunächst einmal hat Bohlen ein fast schon unheimliches Gespür für Dinge, die im Mainstream erfolgreich sein könnten. Klar, das muss einer auch haben, der laut eigener Aussage mit rund 4000 Songs bei der Gema gemeldet ist. Viertausend, das muss man erst mal schaffen. Zum Vergleich: Paul McCartney kommt auf weniger als 200.

Aber Gespür reicht nicht, man muss auch den Willen haben, dieses Gespür zu Geld zu machen. Musik scheint Dieter Bohlen relativ egal zu sein. Wäre ihm Musikmachen ein Bedürfnis, wäre Musik die Methode, mit der er seine Gefühle, seine Wünsche und Träume ausdrückt, könnte er nicht so gnadenlos dem Mainstream geben, was der Mainstream anscheinend will und deswegen nicht so verflucht erfolgreich sein.

Liest man sich durch die vielen Zeitungsartikel, die es über ihn gibt, drängt sich der Verdacht auf, dass Musik immer nur ein Mittel zum Zweck war. Der schnellste Weg in die Geldbörsen seiner Fans.

Bloß keine Veränderungen

Was der Mainstream gar nicht mag, sind Veränderungen. Das wussten schon die Musikphilosophen von Scooter, die von sich selbst behaupten, das Geheimnis ihres Erfolgs sei die Verweigerung jeglicher musikalischer Weiterentwicklung.

Bei Bohlen ist das ganz ähnlich.

Mit Modern Talking und Blue System kopierte er vor allem den Sound von Italo Disco und weidete das Erfolgsrezept noch aus, nachdem der Sound lange aus den Charts verschwunden war. Ähnlich macht das auch Helene Fischer, die den Trance der Neunziger in ihre Liedchen aufnimmt.

(Bild: Getty /Monika Fellner)

Es ist schon immer eine Erfolgsformel von deutschem Schlager gewesen, die jeweils vor 10 Jahren angesagte Popmusik zu kopieren. Bohlen transportierte dieses Prinzip zurück zur Popmusik und entwickelte damit sein persönliches musikalisches Perpetuum Mobile. Allerdings ist er zu clever oder hat zu gute Anwälte, um sich bei Plagiaten erwischen zu lassen. Bisher liefen alle entsprechenden Prozesse ins Leere. Meist klaut er ja auch direkt bei sich selbst.

Italo Disco: Die Blaupause für Bohlens Sound

Kann es sein, dass Stillstand das Erfolgsrezept von Dieter Bohlen ist? Bohlen scheint ganz konsequent seine eigenen Erfolgsformeln zu kopieren und endlos breitzutreten. Etwas, das den meisten kreativen Menschen schwerfällt.

Neben den vorher erwähnten Scooter, erinnert uns Dieter Bohlen vor allem an die größten Innovationsverweigerer im Popbiz, nämlich AC/DC.

Seit mehr als zehn Jahren gefällt sich der Pop-Titan hauptsächlich in der Rolle des musikalischen Übervaters, des GröProtz, also des größten Produzenten aller Zeiten, der das Geheimnis kennt, mit dem man die Charts knackt.

Auch diese Formel hat er seit Jahren nicht verändert. An seinem Image hat er gearbeitet, minimal. Er gibt sich mit den Jahren etwas weicher. Aber nicht soviel, dass er nicht mehr „der Bohlen“ ist. Denn das ist seine Paraderolle: der Prolet, der sich das Prolet-Sein aufgrund seines Riesenerfolgs leisten kann.

Das hat sich als bewährt erwiesen, also behält er die Rolle bei.

Ein Frühwerk Bohlens:

Die Castingshows bieten ihm eine Bühne, auf der er Haufen Geld damit verdienen kann, einfach nur „der Bohlen“ zu sein. Er entblößt die Kandidaten und seine massenkompatible Musik ist perfekt, um den jeweiligen Siegern ein kurzlebiges Hitalbum auf den Leib zu produzieren - an dem schlussendlich wieder nur er richtig verdient.

Auch beim Aussehen scheint Bohlen auf Beständigkeit zu setzen. Seit er vor ungefähr fünfzehn Jahren zum Aushängeschild von „Deutschland sucht den Superstar“ wurde, hat er sich äußerlich kaum verändert, wie Boulevardmedien immer wieder feststellen. Wie er das schafft? Egal. Hauptsache, Bohlen sieht immer aus wie Bohlen, klingt wie Bohlen und hat Erfolg, wie nur Bohlen ihn hat.

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