Der Soundtrack zum „Jahr der Frauen“

Immer wieder hört man in den Medien, 2018 sei das "Jahr der Frauen" gewesen. Es klingt wie ein Durchbruch, ein Sieg – als wäre der Zeitpunkt nun endlich gekommen, da Frauen überall auf der Welt dieselben Rechte bekommen wie Männer, denselben Lohn für ihre Arbeit, dieselben Chancen, dasselbe Ansehen.

Und zum Teil war dieses Jahr auch eines der Erfolge. Von den ersten Autofahrerinnen in Saudi Arabien bis zu der ungesehenen Zahl an weiblichen Abgeordneten im US-Repräsentantenhaus gab es 2018 viele Fortschritte auf dem Gebiet. Aber Debatten wie jene, die schon im Jahr zuvor durch den Hashtag #metoo angestoßen wurden, zeigen auch, wie weit wir 100 Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland noch zu gehen haben.

Zum Glück gibt es viele großartige weibliche Künstler, die in den Medien auf das Problem aufmerksam machen und deren Musik uns in diesem Kampf aufmuntern und inspirieren kann. Denn in diesem Sinne war 2018 wirklich das Jahr der Frauen: Wohl niemals zuvor gab es in der Popmusik so viele starke, manchmal offen feministische weibliche Stimmen wie heute. Ein paar der lautesten und besten haben wir euch hier zusammengestellt.

(Bild: Getty Images )

Dua Lipa

Die 2018 in Deutschland meistgestreamte Künstlerin auf Spotify liefert auch gleich das Motto zu diesem ganzen Artikel. So erklärte sie erst neulich in einem Interview mit der Daily Mail: "Man hört so viel über all diese starken, wichtigen Männer, die die Welt verändert haben. Sogar die verdammte Menschheitsgeschichte beginnt irgendwie 'Naja, jedenfalls, der Mann hat das und das gemacht.'"

Von diesem einseitigen Fokus hat die britische Sängerin eindeutig genug. "Frauen sind die Zukunft. Und wir werden die Welt übernehmen", sagte sie an anderer Stelle voraus. In ihrer Musik trägt sie einen wichtigen Teil dazu bei: Hier tritt sie stets selbstbewusst und bestimmt auf, lässt sich von keinen Männern auf der Nase herumtanzen. Und falls sie doch mal in Versuchung kommt, dann hat sie weltbekannterweise "New Rules", um auf Kurs zu bleiben. Die sollten wir uns alle zu Herzen nehmen. 

(Bild: Getty Images )

Halsey 

Noch deutlicher als Dua Lipa positioniert sich Halsey. Die Künstlerin wurde selbst Opfer sexueller Gewalt und setzt sich immer wieder für feministische Angelegenheiten ein. 2017 spendete sie öffentlich 100.000 Dollar an "Planned Parenthood" – eine Organisation, die Abtreibungen durchführt. Und Anfang diesen Jahres las sie beim "Women’s March" in New York ein Gedicht vor, in dem es um ihre persönlichen Erfahrungen mit sexuell motivierter Gewalt geht. Das Gedicht ist unendlich traurig und extrem stark zugleich. So erklärt Halsey an einer Stelle:

It's 2018 and I've realized nobody is safe long as she is alive

And every friend that I know has a story like mine 

Zum Schluss des Textes jedoch ruft sie Menschen aller Religionen, ethnischen Abstammungen und sexuellen Orientierungen dazu auf, gemeinsam für eine bessere Zukunft zu kämpfen:

Black, Asian, poor, wealthy, trans, cis, Muslim, Christian

Listen, listen and then yell at the top of your lungs

Be a voice for all those who have prisoner tongues

Sie selbst folgt diesem Aufruf wie kaum jemand sonst im Musik-Business.

Janelle Monáe – Django Jane 

We gave you life, we gave you birth
We gave you God, we gave you Earth
We fem the future, don't make it worse

Allein, dass Janelle Monáe existiert, ist ein Punkt für die Frauenbewegung, so selbstbewusst, redegewandt, vielseitig und vor allem erfolgreich ist diese Frau. Als Schauspielerin brillierte sie in zwei der besten und wichtigsten Filme der letzten Jahre: "Moonlight", der das Leben eines schwulen, afroamerikanischen Gangsters erzählt; und "Hidden Figures", in dem es um die Rolle dreier afroamerikanischer Mathematikerinnen beim US-Weltraumprogramm der 60er-Jahre geht. 

(Bild: Getty Images )

Als Musikerin hat Monáe 2018 ihr drittes Album vorgelegt. Dem Guardian verriet sie, dass der Song "Django Jane" eine Antwort sei auf "die Bedrohung ihrer Rechte als Frau, als schwarze Frau, als sexuell befreite Frau". Diese Antwort klingt stolz, pompös, stark. Der perfekte Soundtrack für die Frauenbewegung – auch 2019.

Eunique

Aber auch für deutsche Künstlerinnen sind Feminismus und Gleichberechtigung wichtige Themen.  Das gilt vielleicht vor allem für Rapperinnen, die sich in einem Genre behaupten müssen, das immer noch stark von Männern dominiert wird. Eine Frau, die angetreten ist, das zu ändern, ist die Hamburger Rapperin Eunique, deren Texte zum Teil genauso hart und explizit sind wie die der männlichen Kollegen. In einem Interview mit Funk positioniert sie sich außerdem klar: 

"Ich glaube, das Rollenbild in Deutschland ist noch sehr veraltet", erklärt sie zum Beispiel. Die Gründe dafür sieht sie auch in der Art und Weise, wie Frauen für ihre Sache einstehen, in dem sie nämlich "viel zu aggressiv für ihre Werte zu kämpfen versuchen und der Mann sich dann auch viel zu aggressiv oder plump dagegen wert und es einfach ignoriert und nicht ernst nimmt. Ich denke, dass Frauen gewinnen könnten, indem sie sich einfach auf sich selbst konzentrieren und sich eben nicht beeinflussen lassen von anderen Frauen oder anderen Männern."

Damit ist sie eher Vertreterin eines Lean-In-Feminismus’, der auf das Potenzial jeder einzelnen Frau setzt, sich in ihrem Leben gegen alte Strukturen durchzusetzen. Auf dem "Women’s March" würde sie wohl eher nicht sprechen. Unsere Stimme hat sie trotzdem.

Namika

(Bild: (c) Spotify)

Während viele Künstlerinnen den Blick in eine gleichberechtigtere Zukunft richten, schaut Namika eher zurück. In "Hände" singt sie ein Loblied auf die Frauen, die uns alle hier her gebracht haben – die schon immer Stärke gezeigt haben, indem sie "drei Generationen auf ihrem Arm" trugen.

Einerseits ein intimes Porträt ihrer Großmutter, erinnert uns das Lied damit auch daran, dass wir ohne Vorkämpferinnen und starke, weibliche Vorbilder nicht zu den Menschen geworden wären, die wir sind:

Fühl' die rauen Fingerkuppen, die immer zum Himmel zeigten

Uns begeisterten nach Größerem zu greifen 

Uns begeisterten und inspirierten, ja, aber auch: uns dazu verpflichteten, weiter zu kämpfen für eine bessere Zukunft. 

Mavi Phoenix

Die meisten Künstlerinnen, die wir in dieser Liste vorgestellt haben, sind auf die eine oder andere Weise offen und aktiv feministisch. Das heißt, sie setzen sich in ihrer Musik oder bei öffentlichen Auftritten für die Gleichberechtigung der Geschlechter ein. Diejenigen unter euch, die Mavi Phoenix kennen und feiern, werden sich darum vielleicht wundern, dass sie in dieser Liste auftaucht, denn die Musikerin ist nicht auf diese Weise aktiv. 

Gerade damit verkörpert sie aber eine neue Generation an selbstverständlich feministischen Frauen, die Gleichberechtigung weniger predigen, als dass sie sie aktiv zu leben versuchen: "Ich bin ein sehr politischer Mensch und diese Sachen sind mir wichtig. Aber ich habe bis dato noch nicht versucht, das arg einfließen zu lassen. Mein Song 'Janet Jackson' ist zum Beispiel schon irgendwo feministisch, aber: Weil ich halt so bin. Und ich glaube, das merkt man generell in meiner Musik." Das tut man auf jeden Fall.

Der Weg zur Gleichberechtigung ist noch lang, und wir brauchen jede Stimme – vor allem so laute, schöne und starke wie die in diesem Artikel! Und wenn du jetzt Lust auf noch mehr starke Frauen hast, dann hör doch mal in die "Badass Women" Playlist von Spotify rein!

Das Jahr der Frauen bei Spotify

Power-Texte und Stimmen, die gehört werden. Die erfolgreichsten Künstlerinnen auf Spotify haben sich 2018 stark gemacht für Gleichberechtigung und Toleranz. Allen voran Dua Lipa, Sia und Anne-Marie, die Top 3 der meist gestreamten Künstlerinnen in Deutschland. Die meist gehörte deutsche Künstlerin ist bei Spotify übrigens Nura von SXTN. Kein Wunder, denn dieses Jahr markiert den endgültigen Durchbruch von weiblichen Rappern in den Mainstream: Neben SXTN konnten auch Loredana und Eunique Streaming-Hits landen. Loredanas „Sonnenbrille“ und „Bonnie & Clyde“ wurden jeweils über 25 Millionen Mal gestreamt, Euniques Debüt-Soloalbum „Gift“ hat die Top 10 Albumcharts erobert. Welche Künstlerin hast du 2018 am häufigsten gehört? Finde es heraus in deinem persönlichen Spotify Jahresrückblick auf https://spotifywrapped.com/de/.

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Gerechtigkeit

2018 wurden in Deutschland so viele Muslime bei Angriffen verletzt wie nie zuvor
Die wichtigsten Zahlen zu den Übergriffen

Die Zahl der Angriffe auf Muslime und Moscheen in Deutschland ist im Vergleich zu 2017 gesunken. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" und beruft sich auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion zu dem Thema. 

Gleichzeitig wurden die Angriffe aber deutlich radikaler – mehr Muslima und Muslime wurden verletzt.

Die Details:

  • Von Januar bis September 2018 gab es 578 Anschläge auf Muslime und muslimische Einrichtungen. Im gleichen Zeitraum des Jahres 2017 waren 780 islamfeindliche Übergriffe registriert worden. 
  • In beinahe allen Fällen gehen die Behörden davon aus, dass es sich bei den Tätern um Rechtsextremisten handelt. 
  • 40 Menschen seien in diesem Jahr bereits bei islamfeindlichen Übergriffen verletzt worden – 2017 waren es im gleichen Zeitraum 27, im gesamten Jahr 32

Die Linke sieht deshalb keinen Anlass für Entwarnung. Da für das dritte Quartal noch 50 bis 70 Nachmeldungen zu erwarten seien, könnte es im dritten Quartal wieder einen Zuwachs islamfeindlicher Straftaten gegeben haben, sagt die innenpolitische Expertin der Linken, Ulla Jelpke, die die Anfrage gestellt hatte, der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Der Zentralrat der Muslime gehe laut "Neuer Osnabrücker Zeitung" davon aus, dass die Statistik nicht alle Delikte erfasst und die Wirklichkeit nur in Teilen abbildet. Es gebe demnach ein großes Dunkelfeld, weil Betroffene häufig keine Anzeige erstatteten oder bei Polizei und Staatsanwaltschaft nicht richtig eingeordnet würden.

Mit Material von dpa