Gangsta war gestern.

Pop oder Rap? So sicher kann man sich da heutzutage nicht mehr sein. Die Grenzen zwischen Rap und Pop verschwimmen – nicht erst seit den Erfolgen von Marteria und Cro. Rap ist in Deutschland erwachsen geworden. Der Vorwurf, die Seele des Rap zu verkaufen, sobald man nach kommerziellen Erfolgen giert, klingt wie aus der Deutschrap-Mottenkiste. Trotzdem ist es ein schmaler Grat zwischen formvollendeter Popmusik und Beliebigkeit. Wir haben uns mal ein paar Kuschel-Rap-Songs näher angesehen:

Chefket – Rap&Soul

Muss man auch erstmal schaffen: Den Messias von Benztown, Max Herre, die deutsche Soul-Legende Joy Denalane und Alles-oder Nix-Oberbabo Xatar auf einen Track unterzukriegen. Chefket schafft´s und zeigt, dass man auch unkitschig und intuitiv tiefgründige Lyrics kicken kann. Bei Chefket war der Soul sowieso von Anfang an dabei. Man nimmt ihm jede Zeile ab und allen anderen Beteiligten auch, was angesichts der ein oder anderen Verkitschung in deren Vita gar nicht mal so selbstverständlich ist.


Megaloh – Was ihr seht

In diesem Track steckt verdammt viel Soul drin. Sowohl in den Beats, als auch in den Lyrics. Megaloh erzählt mit kritischem Blick auf sich selbst und das Musikgeschäft von seinem Lebensweg, gesteht Zweifel und Scheitern ein. Genau diese Brüche machen den Kitsch zur Kunst, das Selbstmitleid zur reflektierten Haltung und "Was ihr seht" damit zu einem großen Popsong von einem der spannendsten Rapper Deutschlands.


MoTrip – So wie du bist (feat.Lary)

Ist das noch Rap? So richtig sicher kann man sich da bei "So wie du bist" auch nicht sein. Gemeinsam mit der omnipräsenten Lary liefert MoTrip den Soundtrack für den ewigen Stillstand. "Lass sich die anderen verändern, bleib so wie du bist" taugt hervorragend als Abi- oder Quali-Motto, so richtig deep wird es aber leider auch nach fünf Minuten nicht. Die in Song gegossene Entwicklungsverweigerung mit schweratmender Marching Band am Schluss würde trotzdem oder gerade deswegen auf jeden Kuschel-Rap-Sampler passen.


Cro – Melodie

Um nervigen Diskussionen aus dem Weg zu gehen, bekennt sich Cro zu einer eigenen Wortkreation um seinen Stil zu beschreiben. Raop soll Cros Haupteinflüsse zusammenfassen: Rap und Pop. Besonders poppig wirds neben den Superhits, auch bei Cros MTV-Unplugged-Konzert, das im deutschsprachigen Raum überall auf Platz 1 chartete. Breitwand-Pop, der allerhöchstens noch mit einem Bein im Rap steht. Weil Cro das Ganze konsequent durchzieht und zum Pop steht, geht das Ganze mehr als klar.


Antilopen Gang – Chocomel und Vla

Eigentlich ist "Chocomel und Vla" bloß eine Parodie auf deepe Rap-Songs und doch steckt in dem Song des "Abwasser-Mixtapes" eine Menge. Beispiel gefällig? "Gibt das Leben dir Zitronen, mach 'nen Obstladen auf, wo du unter deiner Ladentheke Drogen verkaufst". Eine völlig überdrehte Persiflage auf nachdenkliche Sprüche und in Lifestyle gepackte Selbstoptimierung. Kuschel-Rap? Auf keinen Fall, aber was die Beats angeht, sicherlich ein Meilenstein der Wohlfühl-Beatbastelei. Wenn man von den Gewehrsalven in der Hook mal absieht.


Curse – Wüstenblume

Einen Meilenstein der verkitschten Aufsteigergeschichten aus schwierigen Verhältnissen setzte Curse vor eineinhalb Jahrzehnten mit "Wüstenblume". Einem Grundmotiv der Entstehungsgeschichte des Raps folgend, erzählt der Westfale von einer Heranwachsenden aus einem amerikanischen Ghetto, die lernt, der inneren Bestimmung zu folgen und drückt dabei richtig auf die Tränendrüse. Die Geschichte ist spannend und ziemlich formvollendet erzählt. Es hängt also am Ende wahrscheinlich von der eigenen Tagesform ab, ob man "Wüstenblume" nun unerträglich oder beeindruckend findet.

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