Bild: Franziska Holz/Judith Stryczek

Neonschwarz ist wieder da. Die Band aus dem Hause des linken Labels "Audiolith" hatte Anfang Mai ihr neues Album "Metropolis" veröffentlicht. Und wie gewohnt ist es sehr politisch geworden: Themen wie der Rechtsruck in Deutschland tauchen ebenso auf wie Burn Out in der Arbeitswelt.

Wir haben mit Johnny Mauser und Marie Curry, der einen Hälfte der Vierer-Crew, über ihr Album, Gewalt gegen politische Feinde und über neue rechte Tendenzen in Deutschland gesprochen.

Eurer neues Album heißt "Metropolis", ursprünglich ein Film aus den 1920ern. Steckt eine besondere Botschaft dahinter?

Marie: Wir wollten eine Platte machen, die im Gegensatz zum letzten Album urbaner und mehr nach Hip Hop klingt. Metropolis ist keine konkrete Stadt, der Titel ist auch nicht direkt auf den Film bezogen. Wir haben den Titel gewählt, weil er etwas Utopisches hat und gut zu der Frage "Wie wollen wir leben?" oder "Wie wollen wir zusammenleben?" passt.

Johnny: Und die Stadt lässt sich ja auch nicht nur negativ oder nur positiv klassifizieren. Es geht halt darum, was die Menschen mit einer Stadt anfangen und wie sie die Gesellschaft prägen.

(Bild: Hendrik Köhler)
Der Mittelfinger gegen die Gesellschaft ist eine berechtigte Kritik.
Stichwort Urbanität: Wie kann ein stärkeres Miteinander zu einer besseren Gesellschaft führen?

Johnny: In einer Welt, in der dem wirtschaftlichen Profit vieles untergeordnet wird, sollten soziale und menschliche Aspekte wieder verstärkt eine Rolle spielen. Wenn sich aber jede und jeder einigelt und sein verdientes Geld nur in den Traum vom eigenen PKW steckt, dann fehlt der Gesellschaft etwas. In der Stadt leben Menschen auf engem Raum, aber hetzen aneinander vorbei, getrieben von den Alltagszwängen im Kapitalismus.

Wie kann hier "links sein" zu einer besseren Gesellschaft beitragen? Außer den Mittelfinger gegen Missstände zu erheben?

Johnny: Zuerst ist der Mittelfinger in unseren Augen eine berechtigte Kritik. Danach folgen konkrete Wünsche für eine bessere Gesellschaft: gerechte Verteilung von Reichtum, gleiche Rechte für Mann, Frau und alle Menschen, die sich nicht zu einem der beiden Geschlechter zählen, ein Leben ohne Konkurrenz und Abschottung zu anderen Nationen, Abrüstung und ein Konsens, gegen Kriege zu sein, und und und. Auf dem Weg dahin kann Musik vielleicht ein kleiner Teil davon sein.

Das Lied "2015" ist eine Art Jahresrückblick, in dem ihr rechte Tendenzen und Flüchtlingshass in Deutschland thematisiert. Eine Zeile lautet: "Ich wünsch' euch zum Geburtstag, dass ihr aufhört zu atmen." Ist das echt eure Lösung?

Marie: Das ist natürlich eine emotionale Aussage. Aber wir sagen ja nicht: "Geht los und tötet." Das wäre was anderes.

Johnny: Es ist nun mal ein Rap-Song, der darf überzogen sein. Aber wenn man Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte sieht, kriegt man als guter Mensch Hassgefühle.

In "Check' Yo self" zitiert ihr den Slogan: "Antifa heißt Angriff". Wie steht ihr zur Gewalt?

Johnny: Ich bin kein Fan von Gewalt. Den politischen Feind durch Gewalt auszuschalten, hört sich für mich auch nicht richtig an. Jedoch finde ich, dass es bei Neonazis nach den Motto "Keine Toleranz gegen Intoleranz" schon legitim ist, ihnen das aufzuzeigen. Manchmal auch mit deutlichen Mitteln.

Wie genau?

Johnny: Wenn zum Beispiel ein Nazi-Mob durch eine Stadt marschieren will und man sich denen in den Weg stellt, wäre für mich eine Backpfeife, die sie zum Umkehren zwingt, durchaus denkbar.

Marie: Es kommt auf die Situation an. Wenn man zum Beispiel bei einem Flüchtlingsheim ist und dort ein Angriff passiert, hilft vermutlich keine Sitzblockade mehr. Vollständig heißt das oben erwähnte Zitat aber ja "Ich kotz dir auf die Füße und schrei 'Antifa heißt Angriff'". Das ist natürlich auch eine Maßnahme.

Lass uns Freunde werden!

Aber sind "Backpfeifen", wie es Johnny nennt, nicht auch Gewalt? Wo liegt da der Unterschied zu einem gewaltbereiten Nazi-Mob?

Marie: Es regt mich immer auf, wenn in der Hinsicht links und rechts gleichgestellt werden. Das ist eine schlimme Verharmlosung dessen, was in den letzten Jahren und Jahrzehnten an rechter Gewalt stattgefunden hat und aktuell stattfindet. Verharmlosen und Weggucken sind genau das, was es dem NSU ermöglicht hat, über viele Jahre hinweg ungestört Menschen zu ermorden. Wenn sich dann Leute engagiert dazwischenstellen, hab ich dafür nur den größten Respekt. Gewalt sollte nie das Mittel erster Wahl sein und hauptsächlich zur Verteidigung zum Einsatz kommen. Manchmal geht es aber tatsächlich nur noch darum, Menschen daran zu hindern, Brandsätze in Flüchtlingsheime zu werfen oder Menschen zu verprügeln.

Johnny: Ich schließe mich Marie an, dass das Gleichsetzen von links und rechts auch in Bezug auf Gewalt eine Verharmlosung faschistischer Morde darstellt und in meinen Augen die Todesopfer rechter Gewalt verhöhnt. Ich finde es auch wichtig, nicht nur über die Mittel, sondern vor allem über die politischen Ziele zu sprechen. Da merkt man nämlich, wie sehr sich Antifaschisten von Nazis unterscheiden. Wenn also Neonazis für diktatorische Verhältnisse, Bekämpfung von Minderheiten und die Abschaffung der Gleichheit von Menschen auf die Straße gehen, ist es doch zivilgesellschaftliche Pflicht, sich dagegen zur Wehr zu setzen – in meinen Augen sind dabei unterschiedliche Aktionsformen legitim. Die Ziele einer linken Demo, die sich beispielsweise für eine gerechtere Verteilung von Wohlstand einsetzt und dabei symbolische Objekte angreift, sollte man nicht in den Zusammenhang mit neonazistischer Gewalt bringen. Auch wenn die Polizei gegen beide vorgeht.

In der Fotostrecke: Die Akteure der Neuen Rechten in Deutschland
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Habt ihr Angst vor einem neuen Rechtsruck in Deutschland?

Marie: Ich glaube, wir sind da schon mittendrin. Schon allein, dass die AfD jetzt in der Hälfte der Landtage sitzt, ist kein gutes Zeichen. Ich hoffe, die Menschen merken, dass es in eine gefährliche Richtung geht und sie ziehen die Notbremse. Und ich hoffe, dass es bei den nächsten Bundes- oder Landtagswahlen nicht so weitergeht.

Johnny: Schaut man sich Statistiken aus den vergangenen Jahren und Jahrzehnten an, sieht man aber, dass es auch von Leuten, die Volksparteien wie die CDU gewählt haben, ganz viel Zuspruch zu rechten Positionen gab. Das hat sich aber nicht in den Wahlergebnissen gezeigt, auch, weil die NPD da immer die Randpartei war. Erst die AfD hat es geschafft, das dumpfe Volk abzugreifen. Einfach, weil sie sich einen viel bürgerlicheren Mantel umgeworfen hat.

Wieso fordert ihr in "Metropolis", die Grenzen abzuschaffen?

Johnny: In Krisenzeiten haben Leute den Reflex zu sagen: Jetzt geht es nur noch um das eigene Volk und den eigenen Staat. Das ist gefährlich, weil es in letzter Konsequenz zu Kriegen führen kann. Für mich ist es eher eine Bestätigung dafür, dass es den Menschen auf lange Sicht nicht gut tut, wenn Grenzen gezogen werden und Staaten in Konkurrenz zueinander leben.

Was kann politische Musik eurer Meinung nach erreichen?

Marie: Einige Dinge, die wir mit unserer Musik erreichen sind ganz konkret: Bei den ausverkauften Zeckenrap-Galas, die wir seit Anfang 2013 jährlich in Berlin und Hamburg veranstalten, gehen alle Erlöse an Initiativen und Gruppen, die wir vorher aussuchen. Zum Beispiel an Hilfsprojekte zum Aufbau einer Feuerwehr oder mobiler Krankenhäuser in Nordsyrien oder an Flüchtlingsinitiativen. Und dann gibt es auch schöne persönliche Geschichten, wenn zum Beispiel ein Konzertbesucher zu uns kommt und sagt, dass er sich durch unsere Musik endlich getraut hat, offen damit umzugehen, dass er Männer liebt. In solchen Momenten haben wir schon das Gefühl, etwas zu erreichen.


Haha

Wenn Models im Aufzug feststecken
Everything wrong auf der Australia Fashion Week

Wer im Aufzug stecken bleibt, greift zum Handy. Aber ruft man dann den Notruf an? Oder startet man lieber eine Snapchat-Story? Models der Australia Fashion Week haben sich – wenig überraschend – für die Selfie-Hölle entschieden.

Das ist zuerst ziemlich lustig: