Bild: Amy Harris/Invision/dpa

Das erste Coachella-Wochenende ist vorbei. Wer am zweiten doch noch Beyoncés Mega-Performance (bento) live erleben möchte, wenn sie erneut auf der Bühne steht, wird enttäuscht: Die Karten für das kommende Wochenende sind ausverkauft – und sowieso scheinbar unbezahlbar. 

Doch es gibt Schlimmeres. Wirklich! Denn im Grunde ist das Coachella auch nur ein riesiges, überteuertes Schaulaufen von Insta-Girls und Werbeopfern.

Hier sind sechs Gründe, warum du nichts verpasst, wenn du nicht beim Coachella bist:

1

Es geht nicht mehr um die Musik.

"Victoria Secret Models, Influencer und halbnackte L.A.-Girls mit perfektem Body, perfekt gespritzten Lippen, perfekten Näschen und Haaren" – so fasst die Bloggerin Luisa Lion das Publikum beim Coachella in einem Instagram-Post zusammen. Statt um Musik, gehe es nur noch um Outfits, Partys und Follower. Das Festival ist für viele Gäste einfach nur eine Kulisse, der Besuch soll einen tollen Lifestyle und ein glamouröses Leben vorgaukeln. 

Wenn selbst Sophia Thomalla (!) sich über Selbstdarstellung beim Coachella beschwert (!!), muss dort etwas schief laufen. (stern)

2

Der Coachella-Besitzer stand mehrfach in der Kritik.

Der Multimilliardär Philip Anschutz leitet die Anschutz Entertainment Group, die das Coachella jedes Jahr veranstaltet. In der Vergangenheit spendete er an verschiedene konservative Gruppen, die Kampagnen gegen LGBT-Rechte führen. Darunter ist etwa "Family Research Council", eine Organisation, die auf ihrer Webseite Homosexualität als "schädlich" für die Gesellschaft bezeichnet. (The Daily Beast)

Nach einer heftigen Kritikwelle distanzierte sich Anschutz von diesen Organisationen und spendete eine Million Dollar an die Elton John Aids Foundation. (Variety)

3

Der lächerlich hohe Preis

Knapp 350 Euro kostete der Eintritt für das Festivalgelände in diesem Jahr. Nicht mit inbegriffen: Übernachtungsgebühren, Shuttle, Parken, Essen, Getränke. Das Camping allein kostet 91 Euro – im eigenen Zelt wohlgemerkt. Für ein Bier auf dem Festivalgelände zahlt man 10 Euro. Das "Time" Magazine hat im letzten Jahr ausgerechnet, dass man für ein Wochenende in der kalifornischen Wüste mindestens 800 Euro ausgeben muss – Flug von Deutschland aus nicht mit einberechnet.

4

Die angeblichen Musik-Fans

Sehr, sehr viele Menschen sind einzig und allein auf dem Coachella, um sagen zu können, dass sie auf dem Coachella waren. Mit Liebe zur Musik hat das rein gar nichts zu tun – was aber niemand zugeben mag. Vor ein paar Jahren hat US-Moderator Jimmy Kimmel eine Reporterin auf das Festival geschickt und Gäste nach Bands mit obskur klingenden Namen gefragt, die gar nicht existieren. 

Doch die Coachella-Gänger kennen natürlich jede Indie-Band: "Shorty Jizzle and the Plumbercrocks? Ja, die sind wirklich einzigartig!" 

5

Das Wetter

Klar, in Wacken und Glastonbury regnet es jedes Jahr. Aber immerhin wissen die Leute dort, was sie tun und ziehen sich Gummistiefel an. 

Auf dem Coachella hingegen erwarten dich – inmitten der flachen Wüste – tagsüber pralle Sonne mit mehr als 38 Grad und nachts Sturmböen, die Gäste ihre Zelte durch die Gegend fliegen lassen, wie reddit-Nutzer berichten. Auf Instagram findest du aber natürlich nur die Sonnen-Riesenrad-Bilder, von Sturm keine Sicht.  

6

Und zuletzt: Der Kommerz

Dass Alkohol- und Tabakkonzerne ihre Produkte gerne auf Festivals bewerben, ist nichts Neues. Auf dem Coachella bekommt man zu seinem teuren Ticket aber einen ganz anderen Werbeblock dazu: Von Sephora über To Die For bis zu H&M wollen zahlreiche Mode- und Make-Up-Firmen an dein Festivalbudget. Denn darum geht es dort ja: Gut aussehen, trendy sein, Geld für Style ausgeben. 

In der Vergangenheit gab es außerdem immer wieder Kritik dafür, dass Musikerinnen und Musiker Werbeveranstaltungen und "Branded Parties" auf dem Festivalgelände besucht haben. (Telegraph)

Wer sich wirklich für die Musik interessiert, kann sich das Festival ja immer noch im Livestream von der Couch reinziehen. Ganz ohne Indianerschmuck und Instagram-Angeberei. 

Und am besten: komplett kostenlos. 


Future

Darum gibt es immer weniger Geldautomaten

In Deutschland werden die Geldautomaten abgebaut. Bis 2015 gab es noch 61.100 Automaten in Deutschland – Ende 2017 waren es nur noch 58.400. Der schleichende Abbau klingt zunächst nach einem Sieg für Fans von bargeldlosem Bezahlen. (Chip)