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Andere Plattenfirmen könnten dem Beispiel folgen.

Die Art, wie wir Musik hören, hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Doch egal ob auf Schallplatte, CD oder als MP3-Zip-Datei: Das Album blieb stets das Format der Wahl, mit dem Künstler und Künstlerinnen ihre Musik präsentieren.

Einzelne Single-Auskopplungen schaffen zwar Aufmerksamkeit. Aber das Gesamtwerk der Musikerinnen und Musiker findet man stets in den längeren Zusammenstellungen: Alben besitzen meistens eine gewisse Dramaturgie, die Songs sind sorgsam angeordnet, nehmen aufeinander Bezug, stehen vielleicht sogar unter einem gemeinsamen Motto.

Doch diese Art, Musik zu denken, ist offenbar nicht mehr zeitgemäß. Und Musiklabels kehren in ihren Planungen zunehmend vom Konzept "Album" ab. 

Jetzt hat sich auch das Stuttgarter Hiphop-Label "Chimperator" vom Album verabschiedet. Es hat unter anderem Cro, Die Orsons, Maeckes oder Teesy unter Vertrag. Nun kündigt es an, dass es keine Alben mehr veröffentlichen will – sondern nur noch einzelne Songs.

Warum macht Chimperator das?

Im Interview mit der Stuttgarter Zeitung erklärt Geschäftsführer Sebastian Schweizer, die Entscheidung sei eine Reaktion auf Streamingdienste wie Spotify. Diese veränderten den Markt – und vor allem auch die Art, wie Menschen Musik konsumierten. Die Nutzerinnen und Nutzer hörten keine Alben mehr, sondern nur noch einzelne Tracks.

Der nächste Song und der nächste Künstler ist immer nur einen Klick entfernt.
Sebastian Schweizer, Chimperator

Außerdem entspräche diese Art der Veröffentlichung eher dem tatsächlichen Schaffensprozess: Die Musiker schüfen ja schließlich auch kein ganzes Album auf einmal, sondern einen Track nach dem anderen. 

Wenn ein Song fertig ist und ihn alle gut finden, hauen wir ihn eben raus.
Sebastian Schweizer, Chimperator

Am Ende könne man alle Lieder auf einer Playlist sammeln – die ersetze dann das Album.

Chimperator muss sich, ebenso wie andere Labels, auch weiterhin damit auseinandersetzen, dass in der Musikindustrie kaum noch Geld durch den Verkauf von Tonträgern verdient wird. Streaming-Dienste stehen heute im Zentrum unseres Musiknutzungsverhalten – doch dort Geld zu verdienen, ist weitaus schwieriger.

Der Geschäftsführer des Labels sagt deshalb: 

Spotify ist heute, was früher MTV war.
Sebastian Schweizer, Chimperator

Am wichtigsten sei es, dort in die Playlists zu kommen. Und das ginge eben nur mit einzelnen Songs, nicht mit kompletten Alben.

Machen das jetzt alle so?

Ob sich das Konzept von Chimperator durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Denn auch wenn Schweizers Beobachtungen zutreffend sind – viele Künstlerinnen sind einen anderen Arbeitsrhythmus gewohnt, schätzen auch die Zeit, in der sie sich intensiv mit einem Album beschäftigen können. 

Und nicht zuletzt gibt es sicher auch genug Musikfans, denen Alben fehlen würden – die nicht nur einzelne Ergänzungen für ihre Playlists suchen, sondern tief in die Musik ihrer Lieblingskünstler eintauchen wollen.


Fühlen

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Über Sex und unsere Körper zu sprechen, ist nicht einfach. Erst recht nicht, wenn wir in einem Land sind, das uns nicht vertraut ist und dessen Sprache wir noch nicht perfekt beherrschen. Das hat man auch in Schweden bemerkt. Die Schwedische Gesellschaft für Sexualerziehung (RFSU) hat deshalb damit begonnen, auf Youtube Aufklärungsvideos für Migrantinnen zu veröffentlichen – und die Schwedische Regierung unterstützt sie dabei.