Bild: Bushido/Pixabay; Montage: bento
Einer der ersten Sätze: "Ich möchte mich in aller Form entschuldigen."

Ist Bushido einer, der die Blumen des Nachbarn gießen würde? Der am Wochenende andere zum Grillen einlädt? Einen Salat für das Nachbarschaftsfest mitbringt?

Oder kurz: Wie viel Spießer steckt mittlerweile im einstigen Gangsta-Rapper Bushido?

Diese Fragen hat sich "Die Zeit" gestellt – und Bushido mit seinen neuen Nachbarn konfrontiert (Zeit Online, hinter einer Bezahlschranke). 

Die besten Momente:

Denn Bushido, eigentlich Anis Ferchichi, wohnt schon lange nicht mehr in Berlin-Neukölln – sondern in einer schmucken Villa im kleinen, gemütlichen Örtchen Kleinmachnow am Rande von Berlin.

Es gab Zeiten, da hat Bushido das hier gerappt: 

"Vorgarten, Eigenheim und Kita-Gutschein,
Doch ich fick' zu viele Mütter, um ein Spießer zu sein."

Und nun gibt es Momente, da sagt er solche Sätze hier:

Ich möchte mich in aller Form entschuldigen.

Es geht um das unerlaubte Fällen von alten Eichen, um Baulärm und um den Abriss eines denkmalgeschützten Tores an der Einfahrt. Bushido ist in eine neue Villa außerhalb von Berlin gezogen. Und seine Nachbarn waren bisher wenig begeistert von ihm.

Im Gespräch mit der "Zeit" sitzen nun alle an einem Tisch und beschnuppern sich. Bushido trifft auf eine Naturheilmedizinerin, einen Schauspieler, eine Studentin und einen Rechtsanwalt. 

Wie läuft das Gespräch?

Erstmal poltert Bushido los, meint, er müsse sich keinen Nachbarn vorstellen. In Berlin-Neukölln habe er das auch nie gemacht, "da ist man einfach da". Außerdem: 

Ich erwarte, dass man mich in Ruhe lässt.

Das trifft auf Gegenliebe. Auch die anderen Nachbarn wollen am liebsten ihre Ruhe. Sie erzählen, wie beschaulich es in Kleinmachnow ist. Es gibt ein Siedlungsfest, eine Siedlungsband und eine Spielstraße. Die Medizinerin schwärmt:

Man ist hier mit normalen Menschen umgeben. Es gibt kaum Arschlöcher.

Das passt dann auch Bushido ganz gut. Denn im Herzen ist er schon längst Spießer.

Oder wie er es ausdrückt: 

"Überall, wo ich auftauche, glauben die Leute mich zu kennen und haben bereits ein Urteil. Meistens nicht das, was ich mir wünsche."

Will heißen: Der Gangsta Bushido ist böse, der Privatmensch Anis Ferchichi ist es nicht.

Das wissen längst auch die Fans. Denn der private Bushido bricht immer wieder durch.

  • Da ist die Anzeige, in der Bushido ein Phantombild beklagt, das nach ihm aussieht:

  • Da ist der Tweet, in dem sich Spießer-Bushido über den mangelhaften Service in Postfilialen aufregt:
  • Und da ist der Rücken:

Entsprechend hat Bushido mittlerweile auch Verständnis für Menschen, die Angst vor ihm haben. Wahrscheinlich hat er selbst Angst vor krummen Typen in der Nachbarschaft.

"Ich verstehe, dass die Menschen nervös werden, wenn in ihrer Nachbarschaft plötzlich so ein Fremdkörper auftaucht."

Die Nachbarn haben aber gar keine Skrupel mehr vorm Gangsta-Rapper von einst. Im Gegenteil.

Der Rechtsanwalt freut sich im Interview:

Tendenziell fühle ich mich jetzt, wo hier andauernd die Polizei durchfährt, sogar sicherer.

Und will Bushido nun die Blumen der Nachbarn gießen?

"Warum nicht", sagt er. Außerdem hofft er, dass die Kleinmachnower ihn schon bald als "guten Nachbarn" akzeptieren und will im Sommer eine Gartenparty zur nächsten Fußball-WM ausrichten.

Ob Vuvuzelas erlaubt werden, ist aber noch unklar. Ist ja immerhin irgendwann Nachtruhe im Viertel.


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