Bild: Leonie Hallet
Es gibt jetzt die 100. Ausgabe!

Britney, J-Lo, No Angels. Die Idole meiner Jugend, vereint auf einer CD. Wenn ich die neueste "Bravo Hits" in meinen CD-Player legte, dann wurde mein Zimmer zur Bühne. In schlechtem Englisch sang ich Lieder mit, deren Texte ich nicht verstand

Wer in der Schule angesagt sein wollte, der hatte nicht nur die aktuelle Ausgabe der "Bravo" auf dem Nachttisch, sondern auch die neuesten "Bravo Hits" im Regal. 

Diese Zeiten sind vorbei. Meine "Bravo Hits"-Sammlung wanderte irgendwann in einen Karton und verschwand dann beim nächsten Umzug. Das ist jetzt über zehn Jahre her. Aber die "Bravo Hits" gibt es immer noch. Eben ist die 100. Ausgabe erschienen.

Das sind alle "Bravo Hits"-Cover – von der ersten bis zur 100.CD:
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Bis auf die ersten beiden CDs der Reihe – erschienen 1992 – haben es alle Sampler auf Platz 1 der deutschen Compilation Charts geschafft. Das heißt: Irgendwer kauft die immer noch. Aber wer? 

Wer macht sich in Zeiten von Spotify und Apple Music die Mühe und geht tatsächlich in einen Laden und kauft sich dort eine CD? 

Um einen echten "Bravo Hits"-Fan zu treffen, habe ich mich eine Stunde lang vor dem CD-Regal in einem Hamburger Elektromarkt aufgestellt und gewartet. Wer die neue "Bravo Hits" kaufen will, muss mit vier Rolltreppen erstmal in die oberste Etage fahren, dort ist die Musikabteilung. 

Auf dem Weg dort hin sehe ich keine Papp-Aufsteller, auch keine bunten LED-Lichter oder laute Musik – nichts, was mir die Jubiläumsausgabe ankündigt. Statt aufgeregten Teenagern tummeln sich vor allem ältere Herren, die scheinbar viel Zeit und viel Ahnung von Musik haben, zwischen den Regalen. Fast unscheinbar ist die CD dann im Regal zwischen anderen Samplern einsortiert. Ein kleines Plakat klebt an der Seite.

(Bild: Leonie Hallet)

Früher war der Hype größer. In den Neunzigern öffnete eine Karstadt-Filiale in Essen am Erscheinungstag der neusten "Bravo Hits" bereits um sieben Uhr, damit die Jugendlichen die CD noch vor Schulbeginn in den Händen halten können. Das erzählt zumindest der Erfinder der "Bravo Hits", Thomas Schenk (Süddeutsche Zeitung).  

Auf der aktuellen "Bravo Hits 100" sind Songs von Ed Sheeran, Justin Bieber und Kylie Minogue. 
Dann sehe ich ihn. Nein, eigentlich höre ich ihn zuerst.

Ein Typ, Daunenjacke, schwarze Mütze und Häkelschal, steht vor dem CD-Regal und ruft ein leises, triumphierendes "Yes!". Er nimmt die "Bravo Hits" und schaut sie mit leuchtenden Augen an. 

Der "Bravo Hits"-Fan heißt Patrik und ist 26 Jahre alt. Es ist seine 30. CD, schätzt er. "Meine Schwester und ich sammeln die CDs ungefähr seit 15 Jahren. Aber sie muss sich ihre eigene kaufen", sagt Patrik.

(Bild: Leonie Hallet)

Bevor er mit der CD zur Kasse gehen, will er noch mal reinhören. Er zieht sich die Kopfhörer auf, die neben dem Regal hängen, scannt die CD und nickt begeistert. "Mir gefallen die Lieder auf den 'Bravo Hits' besser als zum Beispiel auf 'The Dome'", sagt er. Einen Lieblingskünstler hat er nicht und deswegen seien die "Bravo Hits" so praktisch: "Da ist einfach alles drauf."

Von Streamingdiensten hält Patrik nicht viel. Die CD wird er sich zu Hause auf seinen Computer und anschließend auf sein Handy überspielen.

Und dann kommt sie zu den anderen ins Regal. Erstmal mit dem Cover nach vorne, damit ich noch ein bisschen angeben kann.
Patrik

Dann geht Patrik die CD kaufen und verschwindet in der Fußgängerzone. 

Ich begebe mich wieder auf Position und beobachte weiter das CD-Regal. Als ich nach einer Viertelstunde aufgeben will, steuert ein älteres Paar auf die "Bravo Hits" zu. 

Petra und Marko besitzen alle "Bravo Hits", von der ersten Ausgabe an. Sie haben 1992 angefangen, damals waren beide Anfang zwanzig und frisch verliebt. Heute sind sie Anfang fünfzig, verheiratet und immer noch frisch verliebt. Und sammeln immer noch die "Bravo Hits".

"Damals waren das ja noch Einzel-CDs und irgendwann kamen dann die Doppel-CDs", sagt Marko. Beide tragen Brillen und unscheinbare dunkle Kleidung, Marko legt noch zwei Actionfilme neben die CD aufs Kassenband. Sie wirken nicht wie jemand, der Justin Bieber oder Jason Derulo beim Autofahren hört. Aber genau das tun die beiden, sagt Petra.

Wir hören jede CD. Solange, bis die nächste rauskommt.
Petra

Zwischendurch gäbe es aber auch mal CDs, die ihnen nicht so gut gefallen, sagt Marko. Aber: "Wenn man einmal mit dem Sammeln anfängt, kann man eben schwer wieder damit aufhören!" 

Nachdem sie ihre neuste Eroberung gekauft haben, wickelt Petra die CD in eine Tüte und verstaut sie sorgfältig in ihrer Handtasche. Dann gehen die beiden Arm in Arm davon. 


Streaming

5 Gründe, jetzt "Black Panther" im Kino zu gucken

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Eine Geschichte nach dem Civil War

Marvel-Fans können sich freuen, denn nach den Ereignissen aus "The First Avenger: Civil War" kehrt Black Panther mit seinem eigenen Film zurück. Prinz T’Challa alias Black Panther (Chadwick Boseman) muss nach dem tragischen Tod seines Vaters in seine Heimat Wakanda, um den Thron zu übernehmen und den Reichtum des Volkes zu verteidigen. Der Grund für den unermesslichen Reichtum des technologisch weit fortgeschrittenen und von der Außenwelt abgeschnittenen Staates ist der seltene Bodenschatz Vibranium, ein energieabsorbierendes Mineral außerirdischen Ursprungs, welches Black Panther für seinen Kampfanzug nutzt. 

Es entsteht jedoch ein Machtkonflikt innerhalb des Königreichs Wakanda und die Stammesführer befürchten, dass der junge Thronfolger denselben Fehler wie sein Vater begehen und Wakanda weiter öffnen könnte. Gemeinsam mit Nakia (Lupita Nyong’o), der Staatsschutz Beauftragten, kommt Black Panther einer Verschwörung auf die Spur. Das Volk und sein Thron befinden sich in Gefahr.