Deutscher Rap wird niemals die Lieblingsmusik deiner Oma werden, damit hast du dich abgefunden. Genauso ist es mit diesen verdammt dudeligen Volksmusik-Shows, wegen denen du das ZDF ganz hinten in deine TV-Programmliste gestellt hast. Der Kontrast zwischen den beiden Musikstilen ist unauflösbar groß. Oder?

Der Berliner Audioproducer, Mediengestalter und Redakteur Steffen Stark hat eine extrem witzige Bilderserie veröffentlicht, die beide Welten vereint: kitschige Cover von Schlagerplatten mit Titeln und Zeilen aus Rapsongs.

Wir haben mit dem Macher der "Berliner Plattenkiste" gesprochen:

Wie kamst du auf die coole Idee?
Durch meinen Job beschäftige ich mich mehr oder weniger eh von morgens bis abends mit Musik und Bildern. Ich produziere Ton und Musik für Werbung, Dokus, TV-Formate und so weiter. Und ich spiele selbst Schlagzeug, Gitarre und Bass. Die Idee kam dann, weil ein Bekannter immer dieses "Ahn ma, Digga“, „Das ist doch total wack“ und so weiter sagte, und ich mir ausmalte, wie das wohl klänge, wenn Roy Black oder Bernhard Brink das sagen würden. Das fand ich so brüllend witzig, dass ich mich fast bepissen musste vor Lachen.
(Bild: Steffen Stark)
Und weil ich neben der Musik auch ein ausgeprägtes Grafikfaible habe und gerne mit Photoshop rumspiele, habe ich das dann gleich umgesetzt. Das Geile ist einfach, wie unterschiedlich die beiden Musikstile sind. Beim Schlager geht es um die heile Welt und Liebe, beim heutigen Rap um die kaputte Welt und Sex. Es ist ein Kontrast von Harmonie und Brachialität.
"Dicke Eier, Weihnachtsfeier!" – Hier sind die Bilder:
Hast du mit dem Erfolg der Bilder gerechnet?
Überhaupt nicht. Ich habe das nur auf mein Facebook gestellt und gedacht: Ein paar meiner Freunde finden das bestimmt witzig. Dann fragte mich einer von ihnen, ob er das auch auf reddit stellen darf. Ich bin da selber nicht, hab aber gesagt: Klar! Und dann ging das durch die Decke.
Hörst du privat überhaupt Ghetto-Rap oder Schlager?
Eigentlich gar nicht. Ich bin mit dem klassischen Oldschool-Deutschrap aufgewachsen, also mit MC Rene, Das Bo, Dendemann, den Fantas und Fischmob. Großartig war auch „Spax“ aus Hannover. In den Rapbattles ging es da auch richtig ab und die Rapper haben sich auch hart aufs Korn genommen. Aber das war witzig, und danach hat man zusammen einen getrunken und ist nicht wütend in den AMG gestiegen und hat auf Leute geballert. Und die Schlager kenne ich nur aus meiner Kindheit, da hat man die bei Oma und Opa im Fernsehen mitbekommen. Diese Hitparaden-Typen, das war irgendwie eine ganz andere Art von Star.
Sammelst du auch Platten?
Als Sammler würde ich mich nicht bezeichnen, aber ich weiß gute Platten und ihre Cover zu schätzen. Ich habe viele Vinyl-Freaks im Freundeskreis. Leider ist mein Plattenspieler den Bach runtergegangen.
Willst du weitermachen und mehr Bilderserien produzieren?
In der Musik weiß man ja, dass die zweite Platte immer die schwierigste ist und die Erwartungen nun dementsprechend hoch sind. Ich habe aber schon ein paar Ideen und überlege mir das erst mal.

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