Sie zweifle viel an sich selbst, erzählt die Sängerin

Wir treffen uns in einer kernsarnierten Industriehalle in Berlin-Friedrichshain. Deckenhohe, grau gerahmte Fenster, ein Sofa mit Kissen aus Leinen, ein breiter, dunkler Tisch aus Echtholz – ansonsten stehen dort keine weiteren Möbel, sodass es hallen würde, wenn jemand lacht.

Jilian Banks lacht nicht, sie ist generell nicht laut, dafür lächelt sie viel. Sie sitzt in einem schwarzen Einteiler ohne Ärmel an dem Tisch und lässt ihr Smartphone durch die Hände gleiten. Die Haare hat sie nach hinten gekämmt, die braunen Augen sind mit Kajal umrandet, dazu Nagellack. Zur Begrüßung sagt sie leise: "Hi."

Banks ist seit 2013 als Sängerin bekannt. Da veröffentlichte sie den Song "Before I Ever Met You" – und bekam kurze Zeit später Plattenverträge in England und den USA. Fans feiern ihren dunklen R&B und die Stücke, in denen nur sie und ein Klavier zu hören sind. Banks klingt manchmal nach Ellie Goulding. Und immer traurig.

In den vergangen Jahren gab es in ihrer Karriere nichts, was sie an sich zweifeln lassen könnte: Sie brachte weitere Songs heraus, die sie selbst schrieb, trat auf riesigen Festivals auf und tourte um die Welt.

Banks in Hollywood: "Da musst du stark sein"(Bild: Getty Images)

Aber die Leute mögen auch, wie sie sich kleidet: dunkle Farben, Hosenanzüge, Leder, lange Mäntel und Kleider, die eine Schulter zeigen. Ein Stil, zu dem auch diese Attitüde gehört: Banks gibt sich vorsichtig und feminin, flüstert fast, wenn sie redet.

Wie sieht das Leben dieser Frau aus, die in Los Angeles aufwuchs, und heute jeden Abend in einer anderen Stadt auf der Bühne steht? Was erlebt sie, trägt sie, fühlt sie?

Wir haben mit Banks durch ihren Instagram-Account gescrollt, in dem sie ihre Erlebnisse dokumentiert.

Banks, welche Geschichten stecken hinter deinen Fotos?

"Was für ein schöner Tag das war! Ich war endlich mal wieder zu Hause. Los Angeles. Ein paar Monate ist das her.

Wir haben die Klamotten-Kollektion einer Freundin gefeiert. Ich war so stolz auf sie. Auf dem Weg zu dem Abendessen stellte ich fest, wie sehr sie mich inspiriert.

Genau wie meine Oma. Die ist cool, weil sie anzieht, was sie will. Sie trägt enge Shirts mit weiten Jeans, dazu feminine Schuhe. Die trägt sogar Männersachen. Die ist um die 70, trinkt jeden Tag um 17 Uhr einen Martini und fühlt sich furchtbar frei. Sobald ich zu Hause bin, will ich sie wiedersehen.

Vor der roten Tür wollte ich ein Foto machen. Ich fand den Farbkontrast mit meinem Kleid gut."

So zeigt sich Banks auf Instagram – die Fotostrecke:
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"Ich gehe nicht oft auf Partys und trinke auch nicht viel, aber an diesem Abend hatte ich was im Becher. Ginger Ale mit Whiskey. Ich war voll in Feierlaune. Wir waren Downtown in L.A. bei meiner Freundin Colline.

Was viele Leute nicht denken, wenn sie meine Songs hören: Ich kann albern sein, auch mal eine Pose machen. In der Öffentlichkeit bin ich eher zurückhaltend. Dabei weiß ich, was es bedeutet, laut zu sein, zu kämpfen.

Spiel mal plötzlich vor 20.000 Leuten. Sei mal plötzlich mit The Weeknd auf Tour. Und dann hab Songs, die wie Tagebucheinträge klingen. Eine persönliche Seite von dir zeigen. Und gleichzeitig 'Nein' sagen, wenn es nötig ist.

Da musst du stark sein. Ich habe das in den vergangenen Jahren gelernt. Banks ist nicht nur zart, sondern auch eine Kämpferin. Und albern!"

Der neue Song heißt "Fuck With Myself" – im Video macht Banks mit sich selbst rum:

"Was soll ich sagen? Montreal, Kanada. Auf dem Weg zum Soundcheck. Und ich war verknallt. So verknallt!"

"Ich mache dieses Make-up nicht selbst. Das würde auch gar nicht gehen. Vor einer Show meditiere ich, hänge Gedanken nach, bin in meiner ganz eigenen Welt. Da kann ich mich nicht um die Schminke kümmern. Das machen Leute, denen ich vertraue.

Als ich mit The Weeknd durch Arenen getourt bin, bin ich manchmal vor Leuten aufgetreten, die noch nie was von mir gehört haben. Die mir zu verstehen gegeben haben, wenn sie keinen Bock auf mich hatten. Vielleicht deswegen dieses Netz vor dem Gesicht. Ein Schutz. Außerdem mag ich Accessoires. Ich liebe das kleine 'B' mit Diamanten, das ich als Ohrring trage."

"Fotoshooting für 'Harper's Bazaar'. Ich hab mich da sehr gut in meinem Körper gefühlt. Das ist nicht immer so. Ich stehe oft vor dem Spiegel und konzentriere mich auf meine Makel. Daran muss ich unbedingt arbeiten.

Ich finde es total gut, dass wir viel diskutieren über Körper, Plus Size und Natürlichkeit. Anscheinend brauchen wir diese sehr verspätete Debatte, um endlich zu begreifen, dass jede Frau schön ist. Auf dieser Welt gibt es so viel Selbsthass. All diese Frauen, die sich ständig mit anderen vergleichen.

Frauen sollten sich immer selbst einschätzen – nie einschätzen lassen."

"Ich habe in London an meinem Album gearbeitet und abends sind meine Freundin Christina und ich noch raus. Wir hatten absolut keine Ahnung, wohin wir laufen sollten, wo wir überhaupt sind. Haben uns einfach treiben lassen.

Ich mag es, Städte zu erkunden. Einfach stundenlang zu laufen. Ich werde nicht oft angesprochen auf der Straße – ich glaube, das liegt daran, dass viele Menschen wissen, dass ich nicht so offen bin. Ich bin nicht so 'Heeey!', wenn ich in einen Raum komme.

Ich fand es an dem Abend schön, herumzuschlendern. Ich verpasse ständig Geburtstage oder Hochzeiten, kann oft nicht da sein, wo meine Liebsten sind. Dadurch habe ich aber auch gelernt, wer mir wirklich wichtig ist. In den vergangenen Jahren hat sich herausgestellt: Von denen, die überlebenswichtig für mich sind, gibt es nur wenige."


Selfie! bento-Autorin Nike mit Banks in Berlin(Bild: bento)

Banks' zweites Studioalbum, "The Altar", erscheint am 30. September 2016.


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