Wir haben nachgefragt.

Im November 2018 veröffentlichte Ariana Grande das Musikvideo zu ihrem Song "Thank you, next". Allein bei Twitter hat das Video mittlerweile fast 13 Millionen Aufrufe. 

Das sind sehr viele Menschen – aber was ist mit Fans, die schwerhörig oder gehörlos sind? 

Der gehörlose Schauspieler und Aktivist Nyle DiMarco fragte die Sängerin unter ihrem Tweet, ob es nicht möglich sei, "für 466 Millionen Menschen, die gehörlos sind", Untertitel hinzuzufügen. Grande reagierte – und ließ das Video untertiteln. DiMarco reichte das allerdings nicht. Er produzierte daraufhin ein eigenes Video. Ende Januar veröffentlichte er Ariana Grandes Song “7 Rings” als Musikvideo in Gebärdensprache. 

Sowohl Ariana Grande als auch viele ihrer Fans waren von dem Video begeistert. 

Aber wie funktioniert Musik für gehörlose Menschen eigentlich? Und was macht ein Musikvideo für gehörlose Menschen interessant? 

Wir haben mit Julia Probst (@EinAugenschmaus) gesprochen. Julia ist Bloggerin und engagiert sich zu Inklusion und Barrierefreiheit für Gehörlose.

Julia, wie hören Gehörlose eigentlich Musik?

Julia Probst: Das ist ganz unterschiedlich. Gehörlos zu sein bedeutet ja nicht automatisch, dass man über absolut kein Gehör mehr verfügt. Manche Gehörlose können mit Kopfhörern und Hörgeräten zum Beispiel noch das herauskitzeln, was sie brauchen. Kassandra Wedel, die "Deutschland tanzt" gewonnen hat, braucht aber zum Tanzen zum Beispiel basslastige Musik. Es ist also so, dass es auch unter Gehörlosen verschiedene Arten gibt, wie Musik "konsumiert" wird. 

Was denkst du über die Aktion mit dem Musikvideo von Ariana Grande?

Ich finde es gut, es ist wichtig, dass Gehörlose zeigen, wie sie Musik wahrnehmen und auch interpretieren. Und zwar in kompletter Gebärdensprache, die man wirklich als als reine Gebärdensprache bezeichnen kann. In Deutschland drängeln sich leider Leute vor, die Musik vermeintlich in Gebärdensprache "übersetzen". Für den unwissenden Hörenden sieht es aus wie richtige Gebärdensprache, dabei sind die Übersetzungen oft "nur" lautsprachlich begleitende Gebärden, das heißt, diese Übersetzungen folgen nicht den Regeln der Deutschen Gebärdensprache, denn die hat eine eigene Grammatik und Syntax.

Nyle diMarco hat also eine gute und wichtige Diskussion angeregt: 

„Die Perspektive, wie Gehörlose Musik wahrnehmen, sollten durch Gehörlose selbst in Gang gebracht werden.“

Es gibt übrigens noch ein anderes Beispiel für Musikvideos in Gebärdensprache. Sean Forbes hat verschiedene Musikvideos gemacht, zum Beispiel eines mit Marlee Matlin:

Es gibt ja nicht nur "eine Gebärdensprache", sondern in jedem Land eine eigene. Verstehst du alles in dem Video?

Jedes Land hat seine eigene Gebärdensprache mit regionalen Dialekten. Das ist wie in der Lautsprache. Aber die Gebärdensprache hat trotzdem einen unschlagbaren Vorteil: Dank der Mimik, dem Gebärdensprachraum und der Körpersprache ist es so, dass Gehörlose sich in aller Welt schnell miteinander verständigen können, trotz unterschiedlicher Gebärdensprachen, weil die Basis gleich ist. Das schafft die Lautsprache nicht in dieser Form und wird es auch nie leisten können.

Im Internet können Gehörlose Gebärdensprachvideos austauschen und lernen dadurch auch die unterschiedlichen Gebärdensprachen kennen. Ich habe zum Beispiel durch die Fernserie “Switch at Birth” etwas von der amerikanischen Gebärdensprache gelernt, was es mir ermöglicht, Nyle diMarco besser zu verstehen.

Gibt es positive Beispiele, wie auch in Deutschland Musik Gehörlosen zugänglicher gemacht wird? 

Beim ESC in Wien haben taube Gebärdensprachdolmetscher die Songs übersetzt, das wurde damals auf EinsFestival gesendet, das kam sehr gut an. Ich würde mir wünschen, dass der ESC direkt im Fernsehen mit tauben Gebärdensprachdolmetschern gesendet wird – also die Fernsehsender wie der NDR beispielsweise direkt mit den Gehörlosenverbänden und den tauben Gebärdensprachdolmetschern zusammenarbeiten. Bisher stoßen die Gehörlosenverbände beim NDR auf taube Ohren, wenn es um den Wunsch geht, wie Gehörlose den ESC sehen wollen.

Gibt es hierzulande denn bekannte Künstlerinnen oder Künstler, die da offener sind? 

Da fällt mir jetzt kein Beispiel dafür ein. Aber es gibt ein Lied, das ich sehr liebe. Ich würde furchtbar gerne mal mit Herbert Grönemeyer darüber sprechen, wie man sein Lied “Musik nur, wenn sie laut ist” in Zusammenarbeit mit ihm und der Gebärdensprachgemeinschaft in Gebärdensprache übersetzen kann. Unter Gehörlosen und Schwerhörige ist das Lied sehr beliebt. Ich würde mich jedenfalls wahnsinnig freuen, wenn Herr Grönemeyer auch Lust auf eine solche “Vertonung” hätte.


Streaming

So gut crasht "Game of Thrones" die Superbowl-Werbung von Budweiser
Schluss mit lustig!

Wenn Super Bowl ist, dann geht es in den USA um mehr als nur ein Football-Spiel. Dann geht es um das ganz große Spektakel. Regelmäßig schalten in den USA mehr als 100 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer ein (TV Line), also fast jeder dritte US-Amerikaner.

In der Nacht zum Montag besiegten die New England Patriots die Los Angeles Rams im Super Bowl. Aber wer zuschaute, wollte nicht nur Football sehen, sondern auch: Werbung.

Die Werbeplätze in den "Super Bowl"-Pausen sind extrem teuer – viele Firmen und Sender versuchen jedes Jahr, sich mit einzigartigen Clips zu übertrumpfen. 

30 Werbesekunden kosten aktuell 5,25 Millionen Dollar (Statista). Eine Firma, die so eine Summe investiert, will also im Gedächtnis bleiben. Seit Jahren gibt es daher ein Wettrennen, um die originellste, witzigste, abgedrehteste Werbung. Irgendwie sollen die Zuschauer ja sitzenbleiben, anstatt die Pause zum Pinkeln zu nutzen.

Heinz Ketchup hatte schon Dackel in Brötchen gepackt, Meister Proper hatte seinen Putzmann strippen lassen und der Baustoffhersteller "84 Lumber" provozierte einst mit einer Anti-Trumpmauer-Werbung

Platzhirsch bei den Super-Bowl-Werbungen ist aber meist Budweiser. Der Bierhersteller bringt Frösche zum Singen und Hunde zum Heulen, im Netz gibt es ganze YouTube-Sammlungen der witzigsten Clips.

In diesem Jahr hat Budweiser aber nicht allein die witzigste Werbung abgeliefert – die Macher von "Game of Thrones" zerstörten diesen Traum. Wortwörtlich.

Die neue und auch letzte Staffel von "Game of Thrones" startet Mitte April. Fans hatten eigentlich gehofft, dass sie endlich einen richtigen Trailer während des Super Bowls zu sehen bekommen. Bisher gab es nur mehrere nichtssagende Teaser – aber keine echten Szenen aus der kommenden Staffel.

Den Wunsch erfüllte HBO, der Sender hinter der Fantasyserie, den Fans aber auch dieses Mal nicht. Stattdessen tat sich der Sender mit Budweiser zusammen. Beide teilten sich den Sendeplatz für einen Clip – und schufen einen fröhlich-brutalen Mix.

Im Fokus des Spots steht das menschgewordene Bier Bud Light. Als fröhlicher Ritter verteilt dieser auf einem Turnier ein paar Flaschen, der glückliche König reckt vom Thron aus den Daumen. Heile Welt im Mittelalter. 

Die gute Stimmung ist aber nur von kurzer Dauer: Niemand geringeres als Ser Gregor Clegane, genannt "Der Berg", tritt gegen den Bier-Ritter an. Die "Game of Thrones"-Figur ist für ihre ausgesprochene Brutalität bekannt, zerteilt Pferdehälse mit einem Hieb und zerquetscht die Köpfe der Feinde mit bloßen Händen. 

"Der Berg" bleibt nicht die einzige "Game of Thrones"-Figur im Budweiser-Spot. Hier kannst du sehen, was passiert: